Gericht: Drogen aus dem Darknet bestellt

31.07.2019 • 08:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wollte nur ausprobieren, ob das mit dem Darknet klappt. Eckert
Der Angeklagte wollte nur ausprobieren, ob das mit dem Darknet klappt. Eckert

Amphetamine schafften es nicht bis zum Besteller, die Ladung des Gerichts schon.

Christiane Eckert

Feldkirch 2017 galt es offenbar als cool, sich etwas Illegales aus dem Darknet zu bestellen. Diese Internetplattform wurde ursprünglich eingerichtet, um politisch Verfolgten einen straffreien Austausch zu ermöglichen. Doch bald etablierten sich in diesem Bereich des Internets, der anfangs professionell verschlüsselt war, Waffen- und Drogengeschäfte und daneben verbotene sexuelle Angebote. Die Verschlüsselung wurde mit der Zeit immer mehr aufgeweicht, und bald konnte beinahe jeder, der mit Computern halbwegs umgehen kann, etwas aus dem Darknet bestellen. Vor allem minderwertige Drogen waren günstig zu bekommen. Die Bestellung wurde wie andere Päckchen auch ins Haus geliefert, vorausgesetzt die Sendung wurde nicht auf einem der kontrollierten Zollämter abgefangen, wie im Fall des 20-jährigen Vorarlberger Technikers.

Kein Spiel

„Ich dachte nicht, dass da überhaupt etwas bei mir ankommt“, beteuert der junge Unterländer, der 2017 insgesamt vier Bestellungen aufgab, als Angeklagter am Landesgericht Feldkirch. 521 Gramm Amphetamin und 25 Stück LSD-Trips wurden in Auftrag gegeben. „Wenn es angekommen wäre, hätte ich es an Freunde verschenkt, verkauft hätte ich nichts. Ich selbst nehme nichts, ich war einfach neugierig“, erklärt der junge Beschuldigte. Auch Verteidiger Ralf Pohler betont, dass sein Mandant mit 100 Euro Spielgeld versuchen wollte, ob so etwas überhaupt klappen kann. In Frankfurt am Main wurden die Sendungen vom Zollfahndungsamt abgefangen, die Polizei brauchte nichts weiter zu tun, als den Besteller ausfindig zu machen. Der bekam nun die Rechnung präsentiert, und der Preis für das Spiel ist hoch.

Strenge Strafe

Bezüglich einer Menge von 210 Gramm Amphetaminen wurde der Facharbeiter bereits im April vergangenen Jahres zu einer Geldstrafe und zehn Monaten bedingter Haft verurteilt. „Eine sehr hohe Strafe“, wie sogar die jetzt zuständige Richterin einräumt. Bei der Verurteilung für die weiteren Bestellungen kommt deshalb nicht mehr allzu viel dazu. 2400 Euro Geldstrafe für den Versuch des Suchtgifthandels. Geglückt ist der Kauf ja nicht. Die 100 Euro sind weg, eine Gegenleistung gab es nicht. Mildernd war das Alter unter 21 Jahren, dass alle Taten beim Versucht geblieben sind, das Geständnis und dass sich der junge Mann seitdem wohl verhalten hat. Auch dass die Qualität mit Sicherheit äußerst schlecht war, drückt die Strafe nach unten. Der Unterländer hat seinen Freundeskreis gewechselt, verdient gut und hat mit Drogen nichts mehr am Hut. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.