Reinhard Haller

Kommentar

Reinhard Haller

Die James Bondin

Vorarlberg / 01.08.2019 • 07:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Offenbar überlegen die Macher der James-Bond-Filme ernsthaft, die 007-Rolle hinkünftig mit einer Frau zu besetzen. Das ursprünglich machohafte und sexistische Bild des Agenten Ihrer Majestät habe sich überlebt und soll dem Zeitgeist angepasst werden. Zudem müssten die Frauen aus der bisher dekorativen Funktion befreit und ihrer wahren Bestimmung, jener der unbesiegbaren Hauptfigur, zugeführt werden. Deshalb sei der Schritt zu einem weiblichen Bond logisch.

„Vielmehr soll die Anpassung bei den wenig konstruktiven männlichen Zügen wie Arroganz, Empathielosigkeit und Gewaltverherrlichung erfolgen.“

Auch wenn dem Illusorischen, Übertriebenen, Grotesken und Ironischen in den Bond-Kultfilmen Rechnung getragen und den Fans nicht der Spaß verdorben werden soll, darf man dieses Verständnis von Emanzipation hinterfragen. Da wird nicht versucht, eine Gleichschaltung in positiven Eigenschaften und prosozialen Bevorzugungen zu erreichen. Vielmehr soll die Anpassung bei den wenig konstruktiven männlichen Zügen wie Arroganz, Empathielosigkeit und Gewaltverherrlichung erfolgen. Wäre da eine umgekehrte Emanzipation, bei der die männliche Figur des Geheimagenten mit einigen echt weiblichen Zügen entschärft würde, nicht viel menschenfreundlicher? Überraschenderweise ist von Frauenrechtsorganisationen kein Aufschrei gegen diese Emanzipationsinterpretation zu hören, im Gegenteil, manche sprechen von einem feministischen Meilenstein.

Selbst ein augenzwinkernder Blick in die jüngere Kriminalgeschichte zeigt, dass das mit weiblichen Killeragenten ohnehin nichts werden kann: Als 2007 in Heilbronn eine Polizeimeisterin von unbekannter Täterschaft mit Kopfschuss getötet und ein Kollege lebensgefährlich verletzt wurde, konnte man am Tatort DNA-Spuren einer weiblichen Person sichern. Dasselbe Muster war in der Folge bei 40 anderen Verbrechen – darunter sechs Tötungen – in Deutschland, Frankreich und Österreich zu finden. Schon fahndete man weltweit nach der Mörderin ohne Gesicht, der eiskalten Serienkillerin, wahrscheinlich aus ukrainischen Syndikaten kommend, nach der perfekten Verbrecherin. Niemals hinterließ sie eine Spur – mit Ausnahme ihrer DNA. Und die stammte gar nicht vom Phantom, sondern von einer Gehilfin im kriminaltechnischen Labor, in dem die Proben zusammenliefen und verunreinigt wurden. Selbst mit DNA-Technologie, dem kriminologischen Wundermittel schlechthin, ist es also nicht gelungen, eine Killerfrau zu kreieren.
Deshalb, liebe James-Bond-Produzenten: Wenn ihr es mit der Emanzipation wirklich ernst meint, nehmt den Männern die Lizenz zum Töten unbedingt weg, aber stülpt sie um Himmels Willen nicht den Frauen über!

Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller ist Psychiater, Psychotherapeut
und früherer Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene.