Mit verliebtem Herzen in den Ernst des Lebens

Vorarlberg / 10.09.2019 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eleonora und ihre jüngere Schwester Izabella kamen Hand in Hand in die Schule. ROLAND PAULITSCH

47.000 Schüler starteten am Montag ins neue Schuljahr. Die VN mischten sich unter die 180 Schüler der Volksschule Mittelfeld in Dornbirn.

Dornbirn Viel Zeit hatte sie nicht, um aufgeregt zu sein. Denn Hannah (6) war bis vor wenigen Tagen noch in Griechenland. Die Urlaubseindrücke sind noch nicht verblasst. „Ich war auf einem Piratenschiff“, erzählt sie, während sie auf den Beginn ihrer ersten Schulstunde wartet. Diesen Urlaub wird die Taferlklasslerin so schnell nicht vergessen. Denn in Griechenland verliebte sich das Mädchen zum ersten Mal in seinem Leben. Es verlor sein Herz an Simon, den Animateur. Seiner Mutter Nicole entging das natürlich nicht. „Als wir abreisten, hat sie Simon drei Mal Tschüss gesagt.“

„In der Nacht vor der Einschulung schlief Hannah sehr unruhig.“

Mutter Nicole

Am vergangenen Wochenende waren ihre Gedanken aber nicht bei Simon, sondern beim bevorstehenden Schuleintritt. „Schon im Kindergarten konnte Hannah es kaum erwarten, in die Schule zu kommen“, zeigt Nicole auf, dass ihre Tochter sich schon lange auf „den Ernst des Lebens“ freut. Je näher die Einschulung rückte, desto aufgeregter wurde Hannah. „In der Nacht auf Montag schlief sie sehr unruhig“, plaudert ihre Mutter aus dem Nähkästchen.

Taferlklasslerin Hannah hat eine besonders schöne Schultüte. "Mama hat sie gemacht."  Roland Paulitsch
Taferlklasslerin Hannah hat eine besonders schöne Schultüte. „Mama hat sie gemacht.“ Roland Paulitsch

Hannah hat sich im Klassenzimmer in die erste Reihe gesetzt. Sie möchte im Unterricht alles mitbekommen. „Ich freue mich brutal auf die Schule“, sagt die ABC-Schützin und strahlt übers ganze Gesicht. Sie stellt sich Schule schön vor. „Da darf man schreiben, lesen, rechnen und zeichnen.“ Die Sechsjährige ist erpicht darauf, all das zu lernen. Schließlich möchte sie einmal „Tierdoktor“ in einem Zoo werden. „Opa sagte, dass ich viel lernen muss, wenn ich das später machen möchte.“

Auch bei Eleonora (9) löst der Schulbeginn freudige Gefühle aus. „Mir macht Schule Spaß.“ Die angehende Drittklässlerin überlegt kurz, warum das so ist. Dann meint sie: „Ich freue mich auf die Schulfreunde und Mathe.“ Die Ferien verbrachte die Tochter eines ungarischen Ehepaars, das seit sechs Jahren in Vorarlberg lebt, bei der Großmutter in Ungarn. „Dass ich bei Oma sein konnte, war das Schönste. Wir haben viel gebadet“, denkt sie gerne an die „coolen“ Ferien zurück. Sie ist in Begleitung ihrer Mama Judith und ihrer Schwester Izabella (6) zur Schule gekommen. Izabella, die heute ihren ersten Schultag erlebt, wirkt etwas verängstigt. Eleonora versteht ihre Angst nicht. Denn: „Ich habe Izabella gesagt, dass die Schule gut und schön ist und Spaß macht.“

„Ferien waren cool“

Wie Eleonora fand auch Jonah (9) die Ferien „extrem cool“. Der Viertklässler in spe beginnt vom Prater zu schwärmen, dass er dort Flipper gespielt hat und auf der Wildwasserbahn fuhr. Er erwähnt auch, dass er sich mit Freunden aus der Nachbarschaft getroffen hat. „Ohne sie wäre ich viel öfter am Computer gesessen.“ Die letzten zwei Ferienwochen bereitete sich der Bub auf die Schule vor. „Mama hat mit mir Rechtschreiben geübt.“ Jonah, der mit Leidenschaft beim SC Admira Dornbirn Fußball spielt, ist ein sehr guter Schüler. „Ich hatte im Zeugnis lauter Einser, nur in Deutsch eine Zwei“, sagt er stolz und begibt sich in seine Klasse.

Vom Mitschüler gemobbt

Ahmed (8) sitzt bereits im Klassenzimmer. Er hat die Klasse gewechselt, weil er im ersten Schuljahr gemobbt wurde. „Ein böser Bub hat mit mir immer geschimpft und nicht zugelassen, dass andere mit mir spielen und reden“, sagt er mit belegter Stimme. Mutter Dalia drückt ihren Sohn fest an sich. Das vergangene Schuljahr war auch für sie nicht lustig. „Ahmed kam oft weinend von der Schule heim“, erzählt Dalia, die mit ihrer Familie 2015 aus dem Irak flüchtete und auf der Flucht fast verblutet wäre, weil sie ein ungeborenes Kind verlor. Im Moment weiß Ahmed nicht, ob er lachen oder weinen soll. Denn der Schulstart weckt in ihm gemischte Gefühle. Einerseits freut er sich aufs Lernen, andererseits hat er Angst, dass er wieder schikaniert werden könnte.

Mutter Dalia begleitete ihren Sohn Ahmed in die Schule. kum