Katastrophenszenario Zugkollision in Lauterach

Vorarlberg / 14.09.2019 • 12:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bergen mit dem Schweissbrener, Verletzte versorgen: Die Einsatzkräfte ware auf das Äußerste gefordert. VN/Steurer
Bergen mit dem Schweissbrener, Verletzte versorgen: Die Einsatzkräfte ware auf das Äußerste gefordert. VN/Steurer

Hunderte Einsatzkräfte bei der Großübung „Zug 19“ in Lauterach und Wolfurt.

Lauterach, Wolfurt Am 29. August 1988 stießen im Bereich des Bahnhofs Wolfurt der Expresszug „Pfänder“ und ein Eilzug zusammen. Mehrere Waggons wurden aus den Gleisen gehoben und zum Teil so verbogen, dass die Einsatzkräfte erst nach mehreren Stunden bis in den letzten Winkel vordringen konnten, um nach möglichen Überlebenden zu suchen. Fünf Menschen kamen ums Leben, 46 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später, am 30. August 1989, prallten auf der Vorarlbergbahn der Expresszug „Montfort“ und der Eurocity Bavaria südlich von Bregenz zusammen. Ein Fahrgast wurde getötet, 16 Personen teilweise schwer, mehrere weitere leicht verletzt.[8]

Große Herausforderungen

Schwere Zugunfälle wie diese stellen meist große logistische und technische Herausforderungen für die Einsatzkräfte dar. Das Land Vorarlberg hat sich deshalb entschieden, hier den Schwerpunkt für die Großübung „Zug 19“ an der Bahnstrecke zwischen Lauterach und Wolfurt zu setzen. Übungsannahme war die Kollision eines Güterzugs mit einem Personenzug, die sich gegen 9 Uhr ereignet. Mehr als 500 Personen diverser Blaulichtorganisationen und rund hundert Darsteller von Verletzten nahmen teil.

Schwangere Frau und Chemikalien

Die Herausforderungen hatten es in sich. Galt es doch, als primäre Maßnahme zahlreiche Verletzte aus den Waggons zu bergen. Unter ihnen eine hochschwangere Frau, die vor Ort entbunden werden musste.

Nervenaufreibende Darstellung: Eine schwangere Frau musste vor Ort entbunden werden.
Nervenaufreibende Darstellung: Eine schwangere Frau musste vor Ort entbunden werden.

Anschließend kam es noch zu einem Gefahrenguteinsatz, den der anwesende Landesfeuerwehrinspektor Hubert Vetter so beschrieb: „Beim Güterzug kam es zum Auslauf von verschiedenen Chemikalien, was zu einem gefährlichen, nicht berechenbaren Mix der Substanzen führte. Deshalb mussten Chemiker und Spezialisten der Feuerwehr eingesetzt werden.“

Entsetzte Zugpassagiere bei ihrer Bergung durch die Feuerwehr.
Entsetzte Zugpassagiere bei ihrer Bergung durch die Feuerwehr.

Eine weitere Besonderheit stellte auch die Wasserrettung vor eine neue Herausforderung. Erstmals wurde der Abtransport von Verletzten auf Gleisen mit Hilfe von Booten geübt. Wie das funktioniert, erklärte ÖWR-Landesleiter Sebastian Helbock den VN: „An Hochwasser- und Eisrettungsbooten werden Räder montiert, die auf den Gleiskörpern rollen können.“

An der Übung waren unter anderem die Feuerwehr, das Rote Kreuz, der Samariterbund, die Wasserrettung, das Kriseninterventionsteam (KIT), die ÖBB, die Landeswarnzentrale und die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) beteiligt.

Das Zusammenspiel zwischen den Einsatzkräften wie Rettung und Feuerwehr funktionierte hervorragend.
Das Zusammenspiel zwischen den Einsatzkräften wie Rettung und Feuerwehr funktionierte hervorragend.