Häufige Beschwerden über OP-Verzögerungen

Vorarlberg / 18.09.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Planung im neuen OP-Trakt funktioniert noch nicht so recht. KHBG

Land spricht von „unnötigen Verschiebereien“ und stellt Verbesserungen in Aussicht.

Feldkirch Beschwerden über fixierte und dann immer wieder verschobene Operationstermine sind im Landeskrankenhaus Feldkirch keine Einzelfälle mehr. Seit Inbetriebnahme der neuen OP-Spange häufen sich die Klagen (die VN berichteten). Ein Grund ist das Fehlen von OP-Personal. Da die OP-Spange in sogenannte Cluster eingeteilt ist, sich also mehrere Disziplinen einen OP-Saal teilen, muss auch das dort tätige Pflegepersonal auf diese Bereiche geschult sein. Wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard auf VN-Nachfrage versicherte, sollen die erforderlichen Ausbildungen bis November abgeschlossen sein und „unnötige Verschiebereien ein Ende haben“.

Wirbelsäulenexperte

Zudem werden Orthopädie und Unfallchirurgie früher als geplant zu einer Abteilung „Orthopädie und Traumatologie“ zusammengeführt. Die Aufgabe übernimmt der Leiter der Unfallchirurgie, Primar René El Attal. Laut Auskunft der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) stellt El Attal ein eigenes Team zusammen, dem auch ein Wirbelsäulenexperte angehört. Damit werde das orthopädische Versorgungsangebot aufrechterhalten. Nach dem Abgang des Orthopädie-Primars Christian Bach stand es zumindest teilweise infrage. Dies betraf vor allem Eingriffe im Zusammenhang mit Stenosen. Das sind Verengungen in Blutgefäßen oder anderen Hohlorganen. Bei älteren Menschen treten Stenosen häufig am Rückenmark auf. „Wegen Fehlplanungen werden jedoch kaum Operationen durchgeführt, die Patienten stattdessen mit Infiltrationen und Schmerztherapien vertröstet“, echauffiert sich ein 79-jähriger Betroffener aus Lauterach. Er ließ sich die Wirbelkanalstenose inzwischen in einer Klinik in Tirol beheben, will das Übel der Wartezeiten aber auf den Tisch bringen.

Vom OP-Tisch nach Hause

Viel Geduld benötigte auch eine betagte Frau, bis sie ein neues Kniegelenk erhielt. Als nach Monaten alle medizinischen Abklärungen unter Dach und Fach waren und der OP-Termin feststand, kam das böse Erwachen. Der Eingriff wurde kurz vorher abgesagt und ein neuer Termin vereinbart. Doch auch der hielt nicht, und das, obwohl die 88-Jährige bereits für die OP vorbereitet war. Sie wurde wieder nach Hause geschickt. Für die Angehörigen ein unhaltbarer und unmenschlicher Zustand. „Die Patienten stellen sich auf Operationen ein, haben Angst bzw. Respekt und sind froh, wenn es endlich soweit ist. Nach einer Verschiebung beginnt das Spiel von vorn“, spricht die Schwiegertochter der Seniorin von einer enormen psychischen Belastung, die da auf alle zukomme.

Tägliche Herausforderung

Die Krankenhausleitung verweist in ihrer Stellungnahme auf die Verantwortung als Akutspital, Notfälle sofort zu behandeln. Das bedeute jedoch nicht, dass die Beschwerden der anderen Patienten nicht ernstgenommen würden. Die Wartezeit bei planbaren Eingriffen richte sich aber ebenfalls nach der medizinischen Dringlichkeit. Auch kurzfristige OP-Absagen würden niemals leichtfertig erfolgen, wird betont. Es liege aber leider im Wesen eines Notfalls, dass sein Auftreten und der erforderliche Bedarf an OP-Kapazität nicht vorhergesagt werden könne, wird in einem Brief an die Familie der Seniorin um Verständnis gebeten. Die Reduzierung von Wartezeiten sei eine tägliche Herausforderung, heißt es, und: „Wir arbeiten mit vollem Einsatz an einer effizienten Organisation, auch durch Rekrutierung von zusätzlichem OP-Personal sowie mit Personalrotationen.“ Danach, so die Hoffnung, sollten ungeplante OP-Verschiebungen Einzelfälle bleiben und Wartezeiten durch den Vollbetrieb verringert werden. Derzeit liegen die Wartezeiten für ein künstliches Gelenk bei etwa 25 Wochen, bei Wirbelsäuleneingriffen sind es 18 Wochen.