Anwalt, Autor und Atomgegner

Vorarlberg / 20.09.2019 • 17:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dr. Rudolf Seewald: Umweltschützer aus christlicher Überzeugung. Hämmerle
Dr. Rudolf Seewald: Umweltschützer aus christlicher Überzeugung. Hämmerle

Im 103. Lebensjahr starb Rechtsanwalt i. R. Dipl.-Vw. Dr. Rudolf Seewald.

DORNBIRN Vor der Vollendung seines 103. Lebensjahren starb Rechtsanwalt i. R. Dipl. Vw. Dr. Rudolf Seewald. Damit hat sich ein langes, bewegtes Leben voller Tatendrang und Wissensdurst vollendet. Kurz vor seiner Geburt am 1. Dezember 1916 war Kaiser Franz Joseph I. gestorben. Rudolf Seewald hat daher einen unglaublichen Wandel in allen Lebensbereichen erlebt.

Er war ein engagierter Umweltschützer – aus seiner christlichen Überzeugung und dem Respekt vor der Schöpfung heraus. Rudolf Seewald war auch ein engagierter Leserbriefschreiber und verfasste zahlreiche Reiseberichte für die VN.

Er wurde in eine Lustenauer Stickereifabrikantenfamilie geboren und kam mit zehn Jahren in das Jesuitenkolleg Stella Matutina in Feldkirch. Nach der Matura studierte er in Graz Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre.

Im Jahre 1940 wurde der Gerichts­praktikant zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Er überlebte zwei Feldzüge in Russland mit allem Grauen, das er später in seinem Buch „Der endlose Weg“ festgehalten hat. Mitten im Krieg heiratete er.

Nach einer schweren Verwundung in der Schlacht von Monte Cassino kam er zur Genesung ins Jordanbad bei Biberach. In der Nachkriegszeit eröffnete Rudolf Seewald eine Rechtsanwaltskanzlei. 1946 wurde seine Tochter Ursula geboren, zehn Jahre später kam sein Sohn Wolfgang zur Welt.

Das war nun die Zeit, in der sich Rudolf Seewald seine Leidenschaft für die große weite Welt erfüllen konnte. Damals, als noch keine Touristenströme unterwegs waren, hatte er das Glück, touristisch noch unentdeckte Stämme und Regionen in Afrika und Asien zu besuchen. Er beschäftigte sich auch intensiv mit fremden Kulturen und Religionen.

Auch den Sprachen seiner Reiseziele wollte er sich annähern und so lernte er mehrere europäische Sprachen und versuchte sich auch in Hebräisch und Arabisch. Seine Russischlehrerin für viele Jahre war die Mutter des heutigen Stardirigenten Kirill Petrenko.

Ein sehr schmerzliches Ereignis war 1973 der unerwartete Tod seiner Frau Rita. Rudolf Seewald heiratete später noch einmal, seine zweite Frau starb 2009.

In diesen Jahren begann er, seine schriftlichen Aufzeichnungen zu sichten und sie in Buchform zusammenzufassen. So entstanden im Laufe der Zeit neun Bücher. Sein letztes Buch stellte er Ende November 2016 im Kulturhaus in Dornbirn vor. Es handelt von den großen Fragen der Menschheit. Zuvor hat er auch schon Bücher über Buddha und Jesus Christus sowie über seine Tätigkeit als Anwalt und seine Kriegserlebnisse herausgebracht.

Rudolf Seewald war auch politisch sehr interessiert. Als passionierter Bergsteiger und ausgezeichneter Fotograf hatte er auch immer ein Auge für die Natur und die Bergwelt. Eine weitere seiner Leidenschaften war die Astronomie.

Bis zum 99. Lebensjahr erfreute er sich bester Gesundheit. Dann veränderte ein Fahrradunfall sein Leben. In den letzten Lebensjahren war er gesundheitlich schwer beeinträchtigt. Zudem hatte er fast alle seine Freunde durch Tod verloren.

Seine Freude war die wachsende Familie, die vier Enkelkinder zu denen sich 2015 und 2016 noch zwei Urenkel gesellten.

Kämpfer gegen Atomkraft

Die Vorarlberger Umweltaktivistin und Dr.-Toni-Russ-Preisträgerin Hildegard Breiner führt zu seinem Tod aus: „Voll Dankbarkeit erinnere ich mich an die achtziger und neunziger Jahre des Atomwiderstands mit ihm.“ Und weiter: „Als Gründer und Präsident der ,Vorarlberger Rechtsanwälte gegen Atomgefahren‘ hat er viel Zeit und Arbeit in die Abwehr der atomaren Bedrohungen in Richtung Deutschland und Schweiz gesteckt und dabei immer auf die größere Wirksamkeit durch das gemeinsame Auftreten mit der ,Vorarlberger Plattform gegen Atomgefahren‘ und mit dem Naturschutzbund gebaut. Wir haben nicht nur demonstriert, sondern auch Zehntausende Unterschriften gegen Laufzeitverlängerungen, technisch fragwürdige Aufrüstungen usw. gesammelt und sie dann in den Ministerien in München und Bern übergeben. Und Wackersdorf: Am ,Österreichertag‘ haben Dr. Seewald und ich unsere Einwände vor etwa 2000 Teilnehmenden vorgetragen. Gerade da wir bis heute die rein juristisch sehr begrenzten Möglichkeiten ausreizen müssen, fehlt uns ein leidenschaftlicher Kämpfer wie Rechtsanwalt Rudolf Seewald.“ EE