Parteien sind uneins über Hauskrankenpflege

Vorarlberg / 23.09.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Sicherung von guten Pflegestrukturen wird zu einer immer größeren Herausforderung. FOTO: ÖGKV

Politische Parteien sehen Zukunftsfähigkeit der Vereinsstruktur unterschiedlich.

Schwarzach Die Sicherstellung einer adäquaten Pflege zählt, wie immer wieder betont wird, zu den größten Herausforderungen. Hauptgrund ist der demografische Wandel. Die Menschen werden älter, und damit steigt auch der Pflegebedarf. In Vorarlberg sind bereits jetzt mehr als 69.000 Personen 65 und älter. Ihre Zahl steigt bis 2030 auf 91.000 und bis 2040 auf über 108.000 an. Das entspricht einem Anteil von 25,5 Prozent. Bis 2100 gehören laut Hochrechnung der Statistik Austria von 432.500 Einwohnern fast 30 Prozent zur Betagten-Generation. Im Vorfeld der Landtagswahl hat der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband Vorarlberg (ÖGKV) den Status der Pflege bei den Parteien abgefragt. Interessantes Detail: An der Organisation der Hauskrankenpflege scheiden sich die politischen Geister. ÖVP, Grüne und FPÖ sind mehr oder weniger für eine Beibehaltung der Strukturen, SPÖ, Neos und der ÖGKV zeigen sich hingegen skeptisch. Ein auf ehrenamtlicher Basis geführter Verein könne den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, meint etwa ÖGKV-Vorsitzende Beate Fleisch-Halbeisen.

Neue Arbeitszeitmodelle

Konsens herrscht in der Ansicht, dass der Pflegeberuf einer besseren gesellschaftlichen Anerkennung bedarf. Dazu müssten entsprechende Maßnahmen gesetzt werden. Auf dem Wunschzettel steht eine vermehrte positive Berichterstattung in der Öffentlichkeit, auch um Nachwuchs für den Pflegeberuf zu gewinnen. Ein heißes Eisen ist die hohe Fluktuation in allen Bereichen der Pflege. Viele Mitarbeiter verabschieden sich oft schon nach einem Jahr aus ihrem Beruf. „Hier sind Unternehmen und Politik gefordert, attraktive Rahmenbedingungen zur Mitarbeiterbindung zu schaffen“, sagt Beate Fleisch-Halbeisen. An Beispielen nennt sie Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Entwicklung lebensabschnittsgerechter Arbeitszeitmodelle. Mit dem Bildungsangebot zeigt sich der Landesverband zufrieden. Die Einführung eines Fachhochschullehrgangs für den gehobenen Dienst wird als Meilenstein bezeichnet. „Wenn alle bestehenden Ressourcen erhalten bleiben, besteht kein Bedarf an zusätzlichen Ausbildungswegen“, glaubt Fleisch-Halbeisen.

Was die Zukunft der Hauskrankenpflege betrifft, braucht es ihrer Ansicht nach vor allem eine Professionalisierung in der Führung und Organisation. Auf fachlicher Ebene sei diese durch das Pflegepersonal bereits vorhanden. Begründet wird das Ansinnen mit zunehmenden komplexen Aufgaben. Die ÖVP bezeichnet die Organisation der Hauskrankenpflege mit 66 örtlichen Vereinen und einem Dachverband als mehr denn je zeitgemäß. Sie führt eine aktuelle Fachdebatte an, in der sorgende Gemeinschaften bzw. Gemeinden als zukunftsweisend gelten. In diesen Konzepten wird unter anderem überlegt, wie die Bevölkerung aktiv und mitverantwortlich in die Betreuung und Pflege eingebunden werden kann. Die Vereinsbasis sollte deshalb so lange wie möglich erhalten bleiben. Ähnlich äußert sich Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker für die Grünen. Es gelinge damit, das Pflegethema in die Breite zu bringen.

Finanzierung über Spenden

Cornelia Michalke (FPÖ) spricht von einer unverzichtbaren Säule, stellt aber die Frage, ob mit einer reinen Organisation auf Vereinsbasis weiterhin das Auslangen gefunden werden kann. Manuela Auer (SPÖ) hält die regional unterschiedlichen personellen Ressourcen sowie die Notwendigkeit, einen großen Teil der Finanzierung über Spenden und Mitgliedsbeiträge leisten zu müssen, für problematisch. Für Daniel Matt (Neos) wiederum ist nicht die Form der Organisation entscheidend, sondern die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Versorgungsbereichen. Hier gebe es seit Jahrzehnten ungelöste Probleme.

Hauskrankenpflege Vorarlberg

66 Ortsverbände

62.000 Mitglieder

500 ehrenamtliche Funktionäre

330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

8300 betreute Patienten

304.308 Leistungsstunden

15,9 Millionen Euro Budget, davon

37,6 Prozent Eigenleistung