„Ich wusste, dass sie sterben wird“

Vorarlberg / 13.10.2019 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mord im Kinderdorf: Als eine 21-jährige Mutter von ihrem Ex-Freund erwürgt wurde.

Dornbirn 25. August 2012: In dem im idyllischen Dornbirner Ortsteil Knie gelegenen SOS-Kinderdorf schockiert ein furchtbarer Mord das ganze Land. Ein 26-jähriger Bosnier erwürgt seine ehemalige Partnerin in deren Wohnung. Dann legt er sich seelenruhig schlafen, wacht wieder auf und zündet sich eine Zigarette an. Später wird er den Kriminalisten sagen: „Ich wusste, dass sie sterben wird.“

Finanzielle Probleme

Die Beziehung, die der 26-jährige Bosnier mit der jungen Vorarlbergerin pflegte, stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Norbert Schwendinger, damals Morddezernatsleiter, sagt warum: „Ursprünglich planten die beiden zu heiraten. Ein gemeinsames Kind war unterwegs. Doch dann wurde die Hochzeit abgesagt. Wegen finanzieller Probleme. Denn der Bosnier ging keiner Beschäftigung nach und wohnte bei seinem Vater.“ Weil der 26-Jährige bereits in seiner Jugend mehrmals straffällig geworden war, hatte ihn sein Senior zu Angehörigen in die Heimat geschickt. „Doch dort fühlte er sich nicht wohl und kehrte nach Vorarlberg zurück, wo er Anfang 2011 die Vorarlbergerin kennenlernte. Im April 2012 kam dann die gemeinsame Tochter auf die Welt“, erinnert sich Schwendinger.

Inzwischen war das Touristenvisum des 26-Jährigen abgelaufen, wieder musste er zurück nach Bosnien. Doch nicht für lange. „Im August war er wieder hier und nahm Kontakt mit der Vorarlbergerin auf“, so der damalige Chefermittler. Obwohl er wusste, dass die 21-Jährige die doch zu komplizierte und belastende Beziehung inzwischen beendet hatte. Schwendinger: „Er ließ sich von seinem Vater nach Dornbirn fahren, kaufte sich einen Sechserträger Bier und ging zu seiner Ex-Freundin in die Wohnung, wo auch die vier Monate alte Tochter im Gitterbett lag. Die beiden konsumierten das Bier und zunächst schien alles in Ordnung abzulaufen.“

Kaltblütiges Handeln

Bis der 26-Jährige einen verhängnisvollen Wunsch äußerte. Er wollte die Tochter zu sich nehmen, wenigstens vorübergehend. Doch die Vorarlbergerin verweigerte das, es kam zum Streit. Der Bosnier fiel über die Frau her, legte sich auf ihren Rücken und würgte sie, bis der Tod eintrat. „Das Opfer hatte sich vehement gewehrt. Der Täter gab bei seiner späteren Vernehmung an, die Frau hätte ihn mit einem Messer attackiert, doch das glaubten wir ihm nicht. Schließlich hat er dabei auch nie das Wort Notwehr erwähnt“, schildert der Ex-Morddezernatsleiter.

Vielmehr habe er äußerst kaltblütig gehandelt, die Tote nach der Tat angezogen, auf eine Couch ins Wohnzimmer gelegt und sei dann selbst schlafen gegangen. Ins Nebenzimmer, wo die kleine Tochter lag.

Nachdem er die Wohnung verlassen hatte, machte die Kinderdorfmutter die entsetzliche Entdeckung und alarmierte die Polizei. Der Bosnier wurde verhaftet.

Der Rest war reine kriminalistische Formalität: „Zunächst war die Todesursache unbekannt und es war die zeitlich längste Obduktion einer Leiche, die ich je erlebt habe. Das umfangreiche Geständnis des Tatverdächtigen hingegen war das schnellste, das mir untergekommen ist“, sagt Schwendinger. Der Täter wurde später wegen Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Zur Person

Norbert Schwendinger

Pensionierter Chef­ermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg, seit dem 1. August in Pension

Geboren 5. Dezember 1958

Familie in Lebensgemeinschaft,
zwei Kinder

Lesen Sie im nächsten Teil: Den Stiefvater mit 74 Messerstichen ermordet.