Faire Chancen für alle Kinder

Vorarlberg / 29.10.2019 • 15:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Armut schmälert die Entwicklungschancen vor allem der Kinder. CARITAS

Caritas legt im November den Schwerpunkt auf Armutsbekämpfung.

Feldkirch Das „Haus Mutter&Kind“ im Rosamichlweg in Feldkirch: Es ist bis auf den letzten Platz belegt. 14 Frauen und 18 Kinder können hier zur Ruhe kommen. Frauen, die delogiert wurden, deren Beziehungen auseinandergebrochen sind, die Schutz vor dem rabiaten Partner suchen. „In der Zeit ihres Daseins in der Wohngemeinschaft sind wir eine Art von Ersatzfamilie“, erzählt Stellenleiterin Doris Müller. Zuweilen ist das Haus aber zu klein, deshalb soll es jetzt erweitert werden, kündigte Caritasdirektor Walter Schmolly gestern Dienstag bei einer Pressekonferenz an, in deren Rahmen die für November geplanten Schwerpunkte präsentiert wurden. Es geht einmal mehr um die Bekämpfung der Armut, wobei ein spezieller Fokus auf der am stärksten gefährdeten Gruppe, nämlich die der Alleinerziehenden liegt. „Die Armut und Armutsgefährdung von Kindern mitten in unserem wohlständigen Land fordert uns alle“, betonte Schmolly.

Hohes Armutsrisiko

In Vorarlberg gibt es etwa 10.600 alleinerziehende Mütter. Zusammen mit den Kindern sind es knapp zehn Prozent der Bevölkerung. Der Anteil der Alleinerziehenden mit Armutsrisiko beträgt rund 40 Prozent. „Armut grenzt Menschen aus, schmälert die Entwicklungschancen von Kindern und macht Angst vor dem Morgen“, fasste der Caritasdirektor die Misere zusammen. Als Kernprobleme neben dem täglichen Lebenskampf bezeichnete Fachbereichsleiter Michael Natter die Schwierigkeit, leistbaren Wohnraum zu finden sowie fehlende bzw. erschwerte Zugangsmöglichkeiten zu günstigen und bedarfsgerechten Kinder- sowie Schülerbetreuungsangeboten. „Wir brauchen eine Unterbrechung der sozialen Vererbung von Armut“, sagte Natter.

Walter Schmolly zeigte sich überzeugt, dass „die Vorarlberger sich faire Chancen für jedes Kind wünschen“. Die Menschen seien auch zum Engagement in diesem Sinne bereit. Als Beispiele nannte er die Lerncafés, in denen 68 Freiwillige tätig sind, das „Haus Mutter&Kind“ mit 10 Freiwilligen sowie die 267 Sozialpaten, die sich um Familien in Krisensituationen kümmern. Schmolly sieht ebenso die Politik in der Pflicht. Konkret sind Bundes- und Landesregierung in der Ausgestaltung der Sozialhilfe, der Weiterentwicklung des Bildungssystems, der Schaffung von leistbarem Wohnraum, aber auch von leistbarem und gesundem Essen für jede Familie und jeden Haushalt gefordert. Dass Tausende Kinder keine fairen Chancen haben, könne sich eine Gesellschaft nicht leisten.

Finanzielle Überbrückungshilfe

Die Caritas selbst will mit dem Ausbau von drei neuen Lerncafé-Standorten sowie der Erweiterung des „Mutter&Kind“-Hauses ihren Beitrag leisten. Zudem erhalten Familien im Bedarfsfall zusätzlich zur Sozialberatung auch finanzielle Überbrückungshilfen. Um das bewerkstelligen zu können, bittet die Caritas um Unterstützung durch Spenden, und sie ist dankbar für Menschen, die sich als Freiwillige einbringen.

Fakten & Daten

2458 Haushalte haben sich in diesem Jahr bereits an die Beratungsstelle „Existenz&Wohnen“ gewandt, mitbetroffen sind 1922 Kinder.

28 Mütter mit 38 Kindern haben von Jänner bis Anfang Oktober ein vorübergehendes Zuhause im Haus „Mutter& Kind“ gefunden. Das bedeutet eine Steigerung von 17 Prozent.

260 Kinder verbessern in neun Lerncafés ihre schulischen Noten.