Ein Hund, abgemagert und alleingelassen

Vorarlberg / 30.10.2019 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die wegen Tierquälerei angeklagte Frau wies jede Schuld von sich. ECKERT

Deutsche wegen Tierquälerei am Landesgericht Feldkirch angeklagt.

Christiane Eckert

Feldkirch Der Cavalier King Charles Spaniel kam bereits als Welpe zu der 43-jährigen Deutschen. Doch im 13. Lebensjahr fehlte er der Lindauerin offenbar nicht allzu sehr. „Er ist aus dem Auto rausgesprungen und war verschwunden“, erklärt sich die Angeklagte am Landesgericht Feldkirch für nicht schuldig. Sie habe den Hund weder vernachlässigt noch habe sie ihm etwas angetan oder ausgesetzt. Sie habe mit dem Verschwinden rein gar nichts zu tun. Im Dezember vergangenen Jahres wurde der schwarz-weiße Spaniel in Lochau am Straßenrand von Arbeitern gefunden. Er war abgemagert, verletzt und musste schlussendlich eingeschläfert werden. Die Staatsanwaltschaft hat zum einen angeklagt, dass das Tier ausgesetzt wurde, was allerdings im Verfahren nicht bewiesen werden kann. Zum anderen wirft man der Ex-Besitzerin vor, sie habe das Tier bereits zuvor vernachlässigt, denn es liegen Mängel vor, die nicht in kurzer Zeit entstehen können.

Kieferbruch und Entzündungen

Der Hund war abgemagert, hatte einen unbehandelten Kieferbruch und eine Entzündung, Krallen und Zähne waren in einem verwahrlosten Zustand. Bezüglich der Vernachlässigung besteht ein rechtliches Problem. „Tatort“ wäre Deutschland, wo die Frau wohnt, zudem ist sie in Österreich Ausländerin, die Richterin bezeichnet es als „Auslandstat einer Ausländerin“. Ergebnis dieser Konstellation ist, dass sie gar kein strafbares Verhalten prüfen darf, weil sie dafür nicht zuständig ist und somit freisprechen muss. Den Kindern erzählte die Angeklagte übrigens, dass der Hund verstorben sei. Von „Entlaufen“ keine Rede. Ob die deutschen Gerichte sich nun der Sache annehmen, ist offen.

Einziger Fehler

Die Frau findet sich selbst nur in einem einzigen Punkt schuldig, nämlich, dass sie den Hund nicht als verschwunden gemeldet habe. Sie erzählt nichts von Suchaktionen, aufgehängten Zetteln oder Inseraten, sie berichtet nicht von „Nachgefragt“ oder Anrufen. „Er ist einfach verschwunden gewesen“, sie kann nicht einmal mehr angeben, wann genau. Aussetzen ist nicht nachweisbar, für Vernachlässigung ist man juristisch nicht zuständig, somit Freispruch. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig.