Causa Häusle: „Lang ist´s her“

Vorarlberg / 11.11.2019 • 17:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Richter Gruntram Fischer (l.) und Andreas Böhler führen die Verhandlung im Mammutprozess um den Häusle-Umweltskandal. SAMS

Zeugen erinnern sich nur noch bruchstückhaft und unsicher, vieles sei ein Missverständnis.

Christiane Eckert

Feldkirch „Klar, es ist lange her, das hören wir in diesem Verfahren sehr oft“, kommentiert der beisitzende Richter Guntram Fischer beim fortgesetzten Prozess am Landesgericht eine der Zeugenaussagen. Ereignisse aus dem Jahr 2012 sind lange her, das ist Fakt. Das Beweisverfahren gestaltet sich allerdings umso schwieriger, je weniger Erinnerungen im Hauptverfahren präsent sind. Dass bei den Zeugenaussagen im Ermittlungsverfahren teilweise noch ganz konkrete Anschuldigungen oder Namen genannt wurden, während jetzt nichts mehr fix ist, macht die Sache nicht einfacher. Dass Arbeiter wie Baggerfahrer oder Maschinisten bei ihrer Arbeit in ihren Schwerfahrzeugen ihr Augenmerk nicht auf Nagellackfläschchen oder Batterien lenkten, kommt auch immer wieder zur Sprache – und auch dieser Umstand ist nachvollziehbar.

Rätselraten

Der erste am Montag einvernommene Zeuge, ein Landwirt und damals vor über acht Jahren Baggerfahrer bei der Recyclingfirma, sagte vor der Polizei beispielsweise, er habe gesehen, wie einer der Angeklagten Hartstoffe in die Drainage eingefüllt habe. Im Prozess sagt derselbe Zeuge aus, dass er gar nicht wisse, was Hartstoffe seien. Man habe ihm damals Fotos gezeigt und er habe keine Vorstellung gehabt, was Hartstoffe seien. Dass er damals die betreffende Person belastete, weil er bestätigte, sie habe diverse Fläschchen, Batterien und dergleichen eingebaut, wird dem Mann offenbar erst im Prozess bewusst. „Sie verwendeten dauernd den Begriff Hartstoffe und wissen heute nicht, was das überhaupt ist?“, wundert sich nicht nur Staatsanwältin Konstanze Manhart.

Keine Ahnung

Unsicher auch die Aussage des Maschinisten, der sieben Jahre bei der Firma arbeitete. Auf jede dritte Frage antwortet er mit „keine Ahnung“ und mit „wenn ich das damals gesagt habe, wird es schon stimmen“. So unter anderem ein Gespräch, bei dem er einen Vorgesetzten angeblich fragte, ob er kein schlechtes Gewissen habe, derartiges Material ins Gelände einzubauen. Dieser habe ihm die Hände entgegengestreckt und gefragt: „Haben diese Hände gearbeitet?.“ Beisitzender Guntram Fischer stutzt: „Das ist kein alltägliches Gespräch, trotzdem können Sie sich nicht erinnern?.“ Vieles kommt vom „Hörensagen“ und vieles bleibt fragmentarisch.

Keine „Kontrollfahrten“

Auch zum Thema, was der ehemalige Geschäftsführer Martin Bösch damals persönlich mitbekommen haben musste, weil er sich selbst vor Ort vergewissert haben soll, dass alles korrekt läuft, verwässern die Belastungen. War einst noch die Rede von „regelmäßigen Kontrollfahrten“, heißt es nun:  „Er war ab und zu auf der Straße unterwegs. Ob er hergeschaut hat, weiß ich nicht, ich hatte keine Zeit ihn zu beobachten, wenn ich am Radlader saß.“