VN-Ombudsmänner appellieren an die Menschlichkeit

Vorarlberg / 12.11.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein starkes Duo im Kampf für Benachteiligte: Gottfried Feurstein und Erich Schwärzler (v.l.). VN/PAULITSCH

Gottfried Feurstein und Erich Schwärzler helfen vielen Menschen dann, wenn ihnen niemand mehr helfen kann.

Bregenz Gottfried Feurstein (80) und Erich Schwärzler (66) sind ein starkes Duo. Woche für Woche beraten sie Menschen, die mit Behörden, Versicherungen, Gerichten oder anderen Einrichtungen Probleme haben und nicht mehr weiterwissen. Sie hören zu, erkennen Sachverhalte und handeln. „Vielfach ist es ja nur eine Information, die Menschen hilft, ihr Problem lösen zu können“, weiß Feurstein aus jahrelanger Erfahrung. Oft ist es aber auch mehr, das die Ombudsmänner für ihre Klienten ehrenamtlich investieren und sich damit nicht immer beliebt machen.

Haftungsklage

Dabei sind die beiden Expolitiker auch immer wieder mit neuen Problemstellungen konfrontiert. Wie etwa unlängst Gottfried Feurstein. „Ich habe mich für eine Frau eingesetzt, die sich mit einer Haftungsklage wegen Verzögerung eines Bauvorhabens konfrontiert sah. Sie wurde auf rund 100.000 Euro verklagt, weil sich die Umsetzung des Projekts in die Länge zog und der Bauherr Schadenersatz forderte. „Die Frau kam mit ihren Einsprüchen nicht durch. Das ist ja in Ordnung. Aber dass jemand Angst haben muss, zur Kasse gebeten zu werden, nur weil er die Möglichkeiten des Rechtsstaates voll ausnützt, ist bedenklich“, weist Feurstein auf Entwicklungen hin, die ihm gar nicht gefallen.

„Möglichkeiten des Rechtsstaates müssen genützt werden können.“

Gottfried Feurstein, VN-Ombudsmann

Appell an Unternehmen

Menschlichkeit und Augenmaß vermisst Erich Schwärzler immmer wieder, wenn er sich für Hilfesuchende einsetzt. „Wir brauchen mehr Menschlichkeit und sollten auch Gesetze ändern, um mehr Spielräume für menschliches Handeln zu ermöglichen“, nimmt der frühere Landesrat als wichtigstes Erkenntnis seiner bald zweijährigen Tätigkeit als VN-Ombudsmann mit. Die Menschlichkeit geht ihm gelegentlich auch bei Arbeitgebern ab. „Ich sehe zum Beispiel viel mehr Möglichkeiten, Menschen mit Handicap zu beschäftigen“, kritisiert Schwärzler.

Als Beispiel für fehlendes Augenmaß erwähnt der ehemalige Spitzenpolitiker den Streit um eine Mauer, die ein Hausbesitzer als Abgrenzung seines Grundstücks aus nachvollziehbaren Gründen errichten wollte und die aus Landschafts- und Naturschutzgründen vorerst glatt abgelehnt wurde. „Da konnte ich ein Gespräch vermitteln und es kam am Ende eine gute, für alle tragbare Kompromisslösung heraus.“

Emotionen herausnehmen

Was beide Ombudsmänner beklagen: Strenge gesetzliche Regelungen entziehen den Bezirkshauptmannschaften jegliche Spielräume. „Das war früher noch etwas anders“, weiß Schwärzler.

Immer wieder müssen die Ombudsmänner versuchen, bei ihren Beratungen Emotionen herauszunehmen. Langjährige Konflikte mit tiefen Kränkungen bräuchten dann eine Versachlichung, um einen Ansatz zur Problemlösung zu finden. „Vor Weihnachten werden wohl wieder viele Personen, oftmals Alleinerziehende, mit großen finanziellen Sorgen zu uns kommen“, glaubt Feurstein. Nachsatz. „Wir tun für alle, was wir können.“