Wüste Haue für Gemahl mit dem Regenschirm

Vorarlberg / 13.11.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rechtsanwalt Gernot Klocker über seinen Mandanten am Bezirksgericht Dornbirn: „Er ist das Opfer einer völlig zerstrittenen Ehe.“ VN

Hoffnungslos zerrüttete Ehe gipfelte in pausenlosem Horror für Familie. Ein Fall für das Bezirksgericht.

Dornbirn Hier herrscht bittere Feindschaft statt süße Glückseligkeit im Bund fürs Leben: Diese Eheleute würdigen sich bei der Verhandlung am Bezirksgericht Dornbirn keines Blickes. Und falls doch, dann nur mit verächtlichen Zornesblitzen in den Augen. Auf der Anklagebank sitzt der 38-jährige Mann, kopfschüttelnd und verständnislos wider dem gegen ihn erhobenen Vorwurf, der da lautet: Er habe seine Gattin im Schlafzimmer über die Bettkante geschleudert und ihr dadurch Prellungen und Hämatome verpasst.

Ein Hechtsprung

„Sie ist eine notorische Lügnerin!“, legt der Beschuldigte vor Richter Frank Plasinger los. „Denn sie hat mich damals selbst aufgefordert, sie zu schlagen. Aber so etwas tue ich nicht und tat es auch nicht. Und so verrückt es klingt: Anschließend verletzte sie sich mit einem Hechtsprung selbst. Und zwar absichtlich!“

Wie verlogen das doch alles sei, was die da behaupte. Aber warum der ganze Hickhack? „Sie hat meinen ganzen Kram aus dem Schrank geworfen und mich aufgefordert, aus dem Haus zu verschwinden! Obwohl die Liegenschaft mir gehört, ich habe sie von meinen Eltern geerbt. Ich bezahle den Unterhalt für die Kinder, den Kredit und alle anderen Kosten.  Sie aber drohte mir, mich umzubringen oder zumindest ins Gefängnis zu befördern, wenn ich nicht abhaue! Ich fühlte mich verletzt und unterdrückt.“

Verteidiger Rechtsanwalt Gernot Klocker schlägt eine Bresche für seinen Mandanten: „Er ist das Opfer einer völlig zerrütteten und zerstrittenen Ehe.“ Anschließend nimmt die 34-jährige Ehefrau als Zeugin Stellung. Auch sie lässt kein gutes Haar am Gatten: „Wir sind seit 2006 verheiratet. Er hat mich immer wieder geschlagen und als blöde Schlampe und Simulantin bezeichnet.“

„Und wie war das mit dem Schirm?“, spricht Richter Plasinger einen weiteren Gewaltakt in diesem maroden Lebensbund an. Schließlich soll die 34-Jährige ihren Mann dereinst auf der Straße mit einem Schirm wütend und tobend attackiert haben. „Er hat mich gepackt“, sagt das angebliche Opfer, „aber da es damals regnete und ich zufällig einen Schirm in der Hand hatte, wehrte ich mich damit.“ Die Gegenseite kontert unverzüglich: „Und sie schlug und schlug damit zu und hörte nicht auf!“

Freispruch im Zweifel

Um sein letztes Wort vor der Urteilsverkündung gebeten, beteuert der Angeklagte einmal mehr seine Unschuld: „Es kann nicht sein, dass man im österreichischen Rechtsstaat mit etwas belastet wird, das man nicht getan hat. Und ich sage noch einmal: Meiner Frau geht es nur um Macht, Gier und das Grundstück.“ Der Richter ist von den Aussagen der Klägerin nicht überzeugt, er fällt den Freispruch im Zweifel.  Der Noch-Ehemann geht zufrieden von dannen (die Scheidung steht bevor). Seine Frau seufzt enttäuscht „Schade . . .“.