Die neue Feedback-Kultur an den Pflichtschulen

Vorarlberg / 26.11.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lernen in der Schule. Bei den Kinder-Eltern-Lehrergesprächen sollen gemeinsam Lernfortschritte festgestellt und Ziele definiert werden. BERCHTOLD

Kinder-Eltern-Lehrergespräch statt Elternsprechtag. Bei den vielen Schulpartnern kommt das gut an.

Schwarzach Für Volksschuldirektorin Sabine Bader von der VS Dornbirn Edlach hat sich nur wegen des nun geltenden Gesetzes nichts verändert. „Wir haben bei uns schon seit acht Jahren Kinder-Eltern-Lehrer-Gespräche statt dem klassischen Elternsprechtag. Wir sind damit gut gefahren“, berichtet die Schulleiterin. An ihrer Bildungsstätte wird seit Einführung der alternativen Leistungsbeurteilung das Feedback-Gespräch im Dreierteam gesucht. „Das Kind ist dabei und darf dabei etwas zeigen, was es gut kann“, gibt Bader eine Vorstellung davon, welchen Part das Kind bei den sogenannten KEL (Kinder-Eltern-Lehrer)-Gesprächen einnimmt.

„Das Kind soll in den Feedback-Prozess eingebunden werden. Es steht ja auch im Mittelpunkt“, meint die Direktorin. Lehrerin Heide Flatschacher (45) schwört auf das von ihr schon lange praktizierte und nun vorgeschriebene Prozedere in der Kommunikation. „Natürlich bedeutet das KEL einen gewissen Aufwand und mehr Zeit. Aber diese Gespräche sind von einem wertschätzenden Umgang miteinander geprägt. Nach meinen kürzlich abgehaltenen KEL hat sich in der Nachbesprechung kein Kind dahingehend geäußert, dass es dieses Gespräch nicht haben möchte. Im Gegenteil: Einige meinten, sie möchten das wieder“, berichtet Flatschacher.

Klare Form

Auch an den Mittelschulen wird nur noch zu dritt bilanziert. „Ich finde die KEL gut“, sagt Karin Vogel (56), Lehrerin an der Mittelschule Lustenau Hasenfeld. Vogel begrüßt die klare Form des Kinder-Eltern-Lehrer-Gesprächs. „Es gibt einen fixen Zeitrahmen, einen genauen Termin, und am Ende stehen Zielvereinbarungen, die von allen Parteien festgelegt und unterschrieben werden“, zählt die Pädagogin die Vorzüge der KEL auf. Auch an der Mittelschule Lustenau Hasenfeld wird die neue Art der Kommunikation schon länger praktiziert.

Sprechtage noch möglich

Die KEL haben den Elternsprechtag in alter Form so gut wie ersetzt. „Natürlich können die Schulen autonom trotzdem noch einen klassischen Sprechtag abhalten“, schränkt Andreas Kappaurer (58), pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion Vorarlberg, ein. Ein solcher mache womöglich noch Sinn, „wenn die Eltern nicht nur mit den klassenführenden Lehrpersonen sprechen möchten, sondern auch mit anderen Fachlehrern“. Gesetzlich dazu angehalten sind die Pflichtschulen jedoch nicht mehr, einen Elternsprechtag abzuhalten.

„Die Pflichtschulen sind nicht mehr verpflichtet, Elternsprechtage abzuhalten.“

Andreas Kappaurer, Pädagogischer Leiter Bildungsdirektion

Eine endgültige Bilanz über die KEL möchte Kappaurer jedoch erst nach Ende dieses Schuljahres ziehen.

Noch kein einheitlich definiertes Meinungsbild zu den KEL-Gesprächen gibt es auch vonseiten der Eltern. „Wir wollen zu gegebener Zeit eine Analyse darüber machen“, sagt der Sprecher des Landeselternverbandes, Michael Tagger. Eine persönliche Analyse erlaubt sich Tagger trotzdem: „Ich finde die KEL gut. Man kann sie gut planen, man hat genügend Zeit fürs Gespräch, alle dürfen etwas sagen.“

Klare Eckpunkte

Die KEL-Gespräche gehören in der von ideologischen Gegensätzen geprägten Diskussion über Schule zu den allgemein anerkannten Reformschritten. Die Eckpunkte der Kinder-Eltern-Lehrer-Kommunikation sind klar definiert. Kinder sollen ganzheitlich wahrgenommen, Positives in den Mittelpunkt gerückt werden und alle Partner sich auf Augenhöhe bewegen. Die gemeinsam erstellte Vereinbarung über die nächsten Lernschritte soll darüber hinaus Transparenz gewährleisten.