Personal als Knackpunkt für Pflegezukunft in Feldkirch

Vorarlberg / 05.12.2019 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Stadtrat Guntram Rederer und Haus-Gisingen-Pflegeleiterin Gertraud Treml haben sich mit den VN über die Situation der Pflege in Feldkirch unterhalten. VN/SCHWEIGKOFLER

Neubauprojekte für Pflege stehen an, Sorgen macht aber die Personalsituation.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch In Feldkirch gibt es fünf Pflegeheime mit insgesamt 241 Pflegebetten, wobei hier auch Kurzzeitpflegebetten mitgerechnet werden. Diese sind, wie der zuständige Stadtrat Guntram Rederer auf VN-Heimat-Anfrage mitteilt, „voll ausgelastet“. In Zahlen bedeutet das: Die Betten sind zu 98,5 Prozent belegt. Zusätzlich gibt es auch ein betreutes Wohnen der Stadt in Tosters (22 Betten) sowie ein privates Betreutes-Wohnen-Projekt von Russ-Preisträger Günther Lampert (6 Betten). „Aus meinem Blickwinkel gesehen ist es wichtig, das bisher Erreichte in Feldkirch gut abzusichern und es bedarfsorientiert weiterzuentwickeln“, erklärt Rederer. „Dazu muss mehrfach neu gebaut und vor allem für viel Pflegepersonal gesorgt werden.“

Anstehende Projekte

Das wohl wichtigste anstehende Projekt ist das Pflegeheim Nord. Die Stadt ist derzeit auf Standortsuche, um ein weiteres Pflegeheim in Feldkirch zu etablieren. Der Arbeitstitel verrät schon einiges – bei der Grundstückssondierung wird ein Standort im Bereich Feldkirch Nord, also etwa Altenstadt, bevorzugt. Mehr möchte Rederer aktuell noch nicht verraten, da hier Gespräche mit Grundbesitzern anstünden, denen er nicht vorgreifen wolle.Damit in Zusammenhang dürfte auch die Zukunft des Hauses Schillerstraße stehen. Das älteste Pflegeheim der Stadt habe noch immer einen „sehr guten Wohlfühlcharakter“, betont Rederer.

Der Bedarf an betreubarem Wohnen in Feldkirch ist vorhanden. Aus diesem Grund gibt es Planungen, hier weiter auszubauen. Sehr konkret ist (zusätzlich zum bestehenden) bereits ein zweites Projekt mit 25 betreubaren Wohnungen in unmittelbarer Nähe zum Haus Tosters. Hier könnte, im Idealfall, bereits 2020 der Spatenstich erfolgen. „In weiterer Folge werden in Gisingen, Nofels und dann im Zusammenhang mit dem neuen Haus Nord zusätzliche betreubare Wohnformen entstehen“, gibt der Sozialstadtrat Einblick in die Planungen der Stadt Feldkirch. Gisingen stehe dabei ganz vorne, hier wünscht sich Rederer auch eine betreute Senioren-WG. Dieses Angebot wäre für Feldkirch neu, in Rankweil hat man etwas Ähnliches vor einigen Jahren eingeführt.

Pflegepersonal gesucht

Bei der Seniorenbetreuung der Stadt Feldkirch sind derzeit 223 Personen beschäftigt, zusätzlich arbeiten auch im Antoniushaus rund 80 Pflegekräfte. Damit kommt man durch, auch weil es zwischen den Häusern in Feldkirch einige Pool-Arbeitsplätze gibt. „Wir müssen aktuell aber auch auf externen Pflegeservice zurückgreifen“, erklärt die Pflegeleiterin des Hauses Tisis, Gertraud Treml. „Einige ältere Mitarbeiter sind ausgeschieden bzw. scheiden bald aus.“

Tatsächlich ist das Personal das Sorgenkind. Rederer, er ist auch Direktor der Pflegeschule in Feldkirch, steht deshalb den Plänen zu einer Akademisierung der Pflege sehr skeptisch gegenüber: „Ich halte das für einen schweren Fehler.“ Er plädiert dafür, dass man Zugangsmöglichkeiten in den Pflegeberuf in allen Altersstufen schaffe. In Vorarlberg habe sich etwa das Placement-Programm von Conexia sehr bewährt. Auch die viel diskutierte Pflegelehre hält er für ein probates Mittel. „Wobei im ersten Jahr die Lehrlinge noch nicht an den Betten stehen sollten.“

Die angespannte Situation wird zusätzlich dadurch verschlimmert, dass in den Pflegeheimen in Feldkirch praktisch nur Menschen mit Pflegestufe 5 oder höher aufgenommen werden: die brauchen auch eine entsprechende Betreuung. Auch die gerontopsychiatrische Betreuung der Bewohner werde zunehmend wichtiger, erzählt Treml.

Flankierende Maßnahmen

Das Feldkircher Altenhilfekonzept steht auf vier Säulen: die fünf Krankenpflegevereine, die es im Stadtgebiet gibt, der größte Mobile Hilfsdienst (MoHi) des Landes, die 24-Stunden-Betreuung sowie eine Vielzahl von ehrenamtlichen Diensten. Im Haus Nofels sitzt die Servicestelle für Pflege und Betreuung, die das Case-Management durchführt: hier erhalten ratsuchende Feldkircher Beratung und Unterstützung. „Diese Maßnahmen führen dazu, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und ambulant versorgt werden können“, führt Rederer aus. Das erkläre auch die geringe Wartezeit trotz hoher Belegungsquote. Mittels Case-Management sei es auch gelungen, den als Folge der Abschaffung des Pflegeregresses befürchteten „Run“ auf die Einrichtungen abzuwenden, da darauf geachtet wird, dass nur Menschen mit einer entsprechenden Pflegestufe in den Heimen aufgenommen werden. Für Rederer ist klar: Wenn eine der Säulen wegbrechen würde, würde das zu starken Spannungen im gesamten System führen.