„Wir sind weniger wert als ein Molch im Ried“

Vorarlberg / 07.12.2019 • 09:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die neue „Siedlung Feldmoos“ von oben: Geplant sind sechs Neubauten samt Tiefgarage. VOGEWOSI

Anrainer im Bregenzer Feldmoos sind enttäuscht über Gerichtsentscheidung. Vogewosi wiegelt ab.

Geraldine Reiner

Bregenz Der Streit spießt sich vor allem am sumpfigen Boden rund um die Siedlung Feldmoos im Bregenzer Stadtteil Weidach. Die Vogewosi-Wohnanlage wurde im Jahr 1964 ohne Pilotierung errichtet. Es kam zu Absetzungen, wodurch die elf Gebäude mit den Jahren in eine deutliche Schieflage geraten sind. Laut der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft kommt eine Sanierung aus geotechnischer Sicht nicht in Frage. Ein Großteil der über 50 Jahre alten Häuser soll daher abgerissen und neu gebaut werden (die VN berichteten).

Die Bodenverhältnisse sind es auch, die elf unmittelbaren Anrainern Angst machen. Ihre Häuser sind ebenfalls nicht pilotiert und bewegen sich bereits, wenn ein Lkw vorbeifährt oder ein Baum gefällt wird. Da sie durch die Bauarbeiten Schaden an ihrem Eigentum befürchten, sind sie vor Gericht gezogen. Seit wenigen Tagen ist nun klar: Die Vogewosi darf die Bagger auffahren lassen. Das Landesverwaltungsgericht hat den Beschwerden keine Folge gegeben. „Wenn wir irgendwelche Molche wären, die auf einer Wiese wohnen, auf der man bauen will, würde alle schreien: Um Himmels willen. Dass wir als Bewohner von Bregenzer weniger wert sind als ein Molch im Ried, ist irgendwie nicht einzusehen“, ärgert sich Anrainerin Manuela Vonmetz über die Entscheidung.

„Nicht zu verhindern“

Die alten Gebäude können laut Vogewosi nicht mehr saniert werden. Die Anrainer bezweifeln das:  "Man hat sie verlottern lassen und jetzt heißt es plötzlich, man kann nicht mehr sanieren", sagt Manuela Vonmetz.
Die alten Gebäude können laut Vogewosi nicht mehr saniert werden. Die Anrainer bezweifeln das: „Man hat sie verlottern lassen und jetzt heißt es plötzlich, man kann nicht mehr sanieren“, sagt Manuela Vonmetz.

Dass durch die Bauarbeiten kleinere Schäden auftreten, davon geht man auch bei der Vogewosi aus. „Das kann man nicht verhindern, das ist aber nicht nur im Feldmoos so“, sagt Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz. Die Wohnbaugesellschaft stehe jedoch zu ihrer Verantwortung und zur Haftung, die ein Bauträger und Bauherr zu tragen habe. „Es werden Beweissicherungen an den Nachbargebäuden vorgenommen. Wenn Schäden entstehen, dann trägt sie die Vogewosi“, versichert der Geschäftsführer.

Die Siedlung Feldmoos besteht aktuell aus elf Häusern. Acht davon will man abreißen und durch sechs Neubauten samt Tiefgarage ersetzen. Die restlichen drei bleiben stehen, da mit fünf Eigentümern kein Konsens über einen Wohnungsverkauf gefunden werden konnte. Vorgesehen sind drei Bauetappen. Dass sich die gesamte Bauzeit über sechs Jahre ziehen soll, ist ein weiterer Punkt, der den Anrainern sauer aufstößt.

Anrainer sind skeptisch

Hans-Peter Lorenz versichert zwar, dass das Vorhaben in einer für die Anrainer schonenden Art und Weise ausgeführt werde. Manuela Vonmetz und ihre Mitstreiter sind dennoch skeptisch. Dass die Lkw so fahren, wie es der Plan vorschreibt, sei unwahrscheinlich. „Auf die Frage, ob die Vogewosi so versichert ist, dass unsere Gesamtschäden abgedeckt sind, haben wir auch keine Antwort bekommen“, berichtet sie.

Die Anrainer haben noch die Möglichkeit, binnen sechs Wochen Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof oder eine außerordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof einzulegen. Ob sie das machen, wollen sie kommende Woche entscheiden. „Das ist auch eine Kostenfrage“, ergänzt Vonmetz. Bei der Vogewosi wartet man jedenfalls ab. Erst wenn Klarheit herrscht, sollen die Detailplanungen in Angriff genommen werden.