Einsatz für die Spitzenforschung

Vorarlberg / 14.12.2019 • 15:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ingolf Schädler ist ein leidenschaftlicher Theaterbesucher. BUNDESMINISTERIUM

Ingolf Schädler ist ein Urgestein der österreichischen Innovations- und Technologiepolitik.

Ernest Enzelsberger

WIEN „Mein Job ist mein Hobby“, sagt der stellvertretende Sektionsleiter Ministerialrat Mag. Ingolf Schädler (66) in seinem Büro in Wien im Gespräch mit den VN.

Er sieht im EU-Beitritt Österreichs, der sich am 1. Jänner 2020 zum 25. Male jährt, den größten Antrieb für Österreich. Und Schädler weiß, wovon er spricht, denn er wird zu den „Urgesteinen“ der Österreichischen Innovations- und Technologiepolitik gezählt. Dafür wurde er auch mit dem Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg ausgezeichnet.

Seit März 2003 leitet der gebürtige Bregenzer den Bereich Innovation im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. In dieser Funktion ist er für die Entwicklung und Umsetzung der Innovations- und Technologiepolitik des Ressorts verantwortlich. Auf diesem Gebiet vertritt er Österreich als „hochrangiger Vertreter“ international in verschiedenen strategischen Beratungs- und Entscheidungsorganen, insbesondere in der EU. In diesem Zusammenhang leitet er immer wieder verschiedene Arbeitsgruppen und Initiativen. Zuletzt übte er über acht Jahre die Vorsitzführung in der „EU-Joint Programming Initiative Urban Europe“ aus.

Stipendium

„Eigentlich wollte ich ja Wirtschaftsjournalist werden“, erinnert sich Ingolf Schädler, doch es sollte ganz anders kommen. Er studierte Volkswirtschaft und Publizistik an der Universität Wien und bekam ein Stipendium für die John Hopkins University in Baltimore/USA, wo er sich der internationalen Politik widmete. An der Paul Nitze School of Advanced International Studies in Bologna setzte er seine Ausbildung fort. Seine berufliche Karriere startete Schädler im Bundeskanzleramt in Wien. Er war auch an den österreichischen EU-Beitrittsverhandlungen im Bereich Forschung und Entwicklung beteiligt und während der österreichischen EU-Präsidentschaft 2018 Verhandlungsführer für das nächste strategische Weltraumprogramm. Seit vielen Jahren ist er Mitglied des Aufsichtsrates des Austrian Institute of Technology sowie der Joanneum Research Forschungsgesellschaft. Derzeit steht das Projekt Silicon Austria Labs (SAL) nach mehrjähriger Gründungsphase vor dem Start. Schädler: „Das wird ein europäisches Spitzenforschungszentrum für elektronikbasierte Systeme. Im Netzwerk von Wissenschaft und Wirtschaft betreiben wir dort Forschung auf Weltniveau und legen die Grundlage für bahnbrechende Produkte und Prozesse.“ Zentrum und Sitz wird in Graz sein, Standorte wird es zusätzlich in Villach und Linz geben. Erklärtes Ziel ist es, an die Weltspitze vorzudringen.

Denn, so Schädler weiter: „Österreich ist einer der zentralen Mikroelektronik-Standorte in Europa. Es gibt bei uns mehrere große Firmen, wie beispielsweise Infineon oder AT&S, die exzellente Forschung in Teilgebieten der Mikroelektronik betreiben.“

Als Berater und Koordinator ist Schedler auch für ein weiteres großes Projekt tätig: Ende 2018 hat die EU-Kommission dem europaweit ersten „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI) für den Bereich Mikroelektronik zugestimmt – und so in Deutschland, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich den Weg frei gemacht für staatliche Förderungen in Höhe von insgesamt 1,75 Milliarden Euro. Diese werden eingesetzt, um die Entwicklung neuer mikroelektronischer Produkte bis zur ersten gewerblichen Nutzung über Branchen- und Ländergrenzen hinweg in Europa zu unterstützen. Auf diese Weise wird die Halbleiterkompetenz in der EU und in Deutschland gestärkt. „Diesem Projekt wird nun auch Österreich beitreten“, freut sich Schädler.

Vom Start weg war Schädler u. a. auch verantwortlich für die Entwicklung und Koordination der österreichischen Beteiligung am Europäischen Satelliten- und Navigationssystem Galileo. Er wurde dort auch von den 25 Vertretern der europäischen Mitgliedsstaaten im Verwaltungsrat der Galileo Aufsichtsbehörde zu ihrem ersten Vorsitzenden gewählt. Was macht Ingolf Schädler in seiner knapp bemessenen Freizeit? „Ich bin ein leidenschaftlicher Theaterfreund, gehe im Winter viel Skifahren und im Sommer Bergwandern und unternehme auch gerne Reisen, bei denen ich Kultur mit Sightseeing verbinde. Und ich komme natürlich gerne und regelmäßig nach Vorarlberg.“ In seiner Heimat Vorarlberg sieht er ein Erfolgsmodell. „Aber die Gefahr des Erfolges ist, dass man zu spät erkennt, dass sich die Dinge ändern. Vorarlberg ist extrem innovativ, aber es wird nachrüsten müssen“, so Schädler, der im Bereich Forschung und Entwicklung einen Nachholbedarf sieht, abschließend.

Zur Person

Mag. Ingolf Schädler

Geboren 1953 in Bregenz

Ausbildung Volks- und Hauptschule in Bregenz, Matura an der Handelsakademie 1972, Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik in Wien, John Hopkins University, Paul Nitz School Bologna

Beruflicher Werdegang Bundeskanzleramt, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Familie verheiratet, zwei Kinder