Bald Feierabend für die VGKK

Vorarlberg / 27.12.2019 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das VGKK-Logo wird alsbald auch vom Computer verschwinden. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Das VGKK-Logo wird alsbald auch vom Computer verschwinden. VN/Stiplovsek

Obmann Manfred Brunner mit einem Ausblick auf die neuen Zeiten.

Dornbirn In wenigen Tagen beginnt für die Sozialversicherungsträger ein neues Zeitalter. Angerichtet dafür wurde bereits. Das Logo der Vorarlberger Gebietskrankenkasse vor dem Eingang zum Hauptgebäude ist einem neuen gewichen. Österreichische Gesundheitskasse, Servicestelle Dornbirn, steht dort jetzt zu lesen. Auch die Formulare tragen schon die neue Bezeichnung. „Der Blick ist nach vorne gerichtet. Der Gesetzgeber wollte eine Zentralisierung des Systems, daher müssen wir mit neuen Spielregeln arbeiten“, sagt Noch-VGKK-Obmann Manfred Brunner (57). In die nüchterne Feststellung hat sich ein Hauch von Wehmut geschlichen. Die zahlreichen Proteste gegen die Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen blieben bekanntermaßen erfolglos. Dass der Verfassungsgerichtshof einige Passagen der neuen Regelung im Nachhinein korrigierte, ist nur ein schwacher Trost. Das Kernproblem, die Einverleibung von Finanz- und Entscheidungskompetenzen, blieb. „Das muss man zur Kenntnis nehmen, auch wenn es einen nicht wirklich freut“, resümiert Brunner. Jetzt gehe es darum, möglichst viel für Vorarlberg in die neue Zeit zu retten.

Drei Anliegen

Ab 1. Jänner 2020 gibt es in den ÖGK-Landesstellen eine Parität von Dienstnehmern und Dienstgebern. Der Vorsitz wechselt halbjährlich. Die Funktionen übernehmen Jürgen Kessler, Direktor des Wirtschaftsbunds, für die Dienstgeber und Manfred Brunner für die Dienstnehmer. „Wir haben bereits vereinbart, dass wir in diesem ganzen Prozess die Dinge von Anfang an akkordiert angehen. Keiner wird einen eigenen Kurs fahren, wir planen die gesamte Arbeit gemeinsam, stimmen sie auch mit den Mitarbeitern im Haus ab. Ein Gegeneinander hatten wir bisher nicht und wollen es auch in Zukunft nicht“, erklärt Manfred Brunner im VN-Gespräch. Er formuliert drei Anliegen, für die beide in Wien eintreten möchten. „Wir wollen das Qualitätsniveau in diesem Vereinheitlichungsprozess, der gerade stattfindet, erhalten, bei der Harmonisierung der Tarife für unsere Vertragspartner die besondere Grenzsituation Vorarlbergs berücksichtigt wissen und weiterhin Innovationsmotor bleiben“, listet Brunner auf.

Frage der Finanzierung

Die kürzlich von der ÖGK veröffentlichten Beispiele von Leistungsharmonisierungen, die sich alle nach oben orientierten, bezeichnet der VGKK-Obmann als strategische Überlegung. Man wolle den Leuten zeigen, schaut’s, es wird alles besser, aber: „Wir müssen aufpassen, dass uns das am Schluss nicht auf den Kopf fällt, weil es unfinanzierbar ist.“ Die negative Gebarungsvorschau von 178 Millionen Euro, mit der die ÖGK startet, mache die Sache nicht einfacher. „Werden dann noch alle Tarife und Leistungen nach oben harmonisiert, wird sich die Finanzierungfrage sehr schnell stellen“, meint Manfred Brunner. Für 2020 hat seine ÖGK-Landesstelle ein finanzielles Erfordernis von 710 Millionen Euro beantragt. Ob das Geld zurück in den Westen fließt, wird sich weisen.

Spiel auf regionaler Ebene

Trotz möglicher Störfeuer, die es geben könnte, würde Brunner den Job wieder annehmen. „Jetzt ist er fast noch wichtiger.“ Es sei nämlich ein Irrglaube zu meinen, die meisten Entscheidungen würden in Wien fallen und die regionale Ebene brauche es nicht mehr. „Das wirkliche Spiel läuft auf genau dieser regionalen Ebene ab“, betont der 57-Jährige und ergänzt: „Hier sind unsere Vertragspartner. Wir verhandeln im Land, müssen zur Finanzierung aber halt künftig den Umweg über Wien nehmen.“ Er stelle sich der Herausforderung gerne, denn er sei auch ein Kämpfer. Wegen dem Geld – die Funktionsgebühr beträgt monatlich 1672 Euro brutto – tue sich dieser Job niemand an. „Das ist eine Herzensangelegenheit.“

Die neue Hinweistafel ist bereits aufgestellt und eine organisatorische Vorgabe damit erfüllt.
Die neue Hinweistafel ist bereits aufgestellt und eine organisatorische Vorgabe damit erfüllt.