Schlechte Noten für die Bildungsdirektion nach erstem Jahr

Vorarlberg / 09.01.2020 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie wird der Maturavorsitz durch die Bildungsdirektion künftig geregelt? Das ist eine der Fragen an die Schulverwaltung. VN/SAMS

Zu unübersichtlich, zu unpersönlich, zu wenig effizient: Viele Schulleiter murren. Direktorin Marte-Stefani beschwichtigt.

Schwarzach Die Schulleiterin einer Volksschule im Rheintal möchte ihren Namen nicht nennen, wenn die Rede auf die Bildungsdirektion kommt. „Diese Behörde ist sehr unpersönlich. Man kann nicht mehr auf die vertrauten Ansprechpartner zurückgreifen. Die schultypenübergreifende Organisation ist von geringem Nutzen. Ich bin froh, dass ich über ein Netzwerk mit anderen Volksschuldirektorinnen und -direktoren verfüge, wenn es um gemeinsame Anliegen geht.“ Die Pädagogin beklagt zudem: „Die Bildungsdirektion gibt uns viel mehr Aufträge, als dass sie Serviceleistungen bietet.“

Rot-schwarze Schöpfung

Die Bildungsdirektionen feierten in allen österreichischen Bundesländern am 1. Jänner ihren ersten Geburtstag. Sie sind eine Schöpfung der ehemaligen rot-schwarzen Bundesregierung und haben die Schulabteilungen der Bundesländer mit den vom Bund bestellten Landesschulräten in eine große Schulbehörde verschmolzen. Diese ist nun für alle Schulen und alle Lehrer eines Bundeslandes zuständig. Die organisatorischen und pädagogischen Strukturen im Schulbereich wurden komplett verändert. In Vorarlberg wurden zwei schultypenübergreifende Bildungsregionen (Nord und Süd) geschaffen, die für alle Schulen einer Region zuständig sind. Ebenso sind das die neun Schulqualitätsmanager, die zum Teil aber zusätzlich zu ihrer Zuständigkeit für eine bestimmte Zone auch landesweit die Verantwortung für einen bestimmten Schultyp zu übernehmen haben.

Wer ist wofür zuständig?

„Vorher gab es klar erkennbare Zuständigkeiten, die jetzt nicht mehr so eindeutig zu erkennen sind. So kann ich es als Direktor etwa in einem Schultyp sowohl mit einem für die Bildungsdirektion Nord zuständigen Schulqualitätsmanager zu tun haben, als auch mit einem, der landesweit für diesen Schultyp zuständig ist“, zeigt Gebhard Hinteregger (63), Direktor des Gymnasiums und der HLW Riedenburg, ein Dilemma auf. „Bisher hatte ich es mit einem für den Schultyp zuständigen Landesschulinspektor zu tun. Das war’s.“ Verteufeln will Hinteregger die totale Umstrukturierung nicht. „Wahrscheinlich sind das die erwartbaren Anlaufschwierigkeiten. Gespannt bin ich allerdings, wie künftig die Maturavorsitzenden ausgewählt werden.“

Menschen statt Paragrafen

Christian Höpperger (50), Direktor an der MS Hard Mittelweiherburg, sieht derzeit eine große Diskrepanz zwischen gut klingender Theorie und erlebter Praxis. „Es gibt Überschneidungen und Doppelgleisigkeiten, die verwirrend sind. Ich hätte es lieber mehr mit Menschen als mit Paragrafen zu tun, räume aber auch ein, dass mehrere vertraute Ansprechpersonen in der Schulverwaltung fast gemeinsam in Pension gegangen sind.“

Es gibt Überschneidungen und Doppelgleisigkeiten, die verwirrend sind.“

Christian Höpperberger, Direktor MS Hard-Mittelweiherburg

Reinhard Sepp (56), Direktor des BRG/BORG Schoren Dornbirn, gibt sich zurückhaltend. „Die Zusammenführung von Pflichtschulen und Bundesschulen unter ein Dach ist verwaltungstechnisch eine gravierend Umstellung. Dass das am Beginn mit schwierigen Situationen verbunden ist, überrascht nicht.“ Als Fehlkonstruktion will Sepp die Bildungsdirektion jedoch – noch – nicht abqualifizieren.

Bitte um Geduld

Um Geduld bittet auch Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani (58). „Die Schaffung einer solchen Mischbehörde hat es vorher noch nie gegeben. Trotzdem glaube ich, dass uns das gut gelungen ist. Natürlich ist alles noch neu. Auch von den Personen her. Drei der insgesamt neun Schulqualitätsmanager sind zum Beispiel erst seit 1. Dezember im Amt.“ Marte-Stefani glaubt, dass sich die zusammengestellten Teams noch näherkommen müssen. Sie fordert Pädagogen mit Fragen auf, sich in der Behörde zu melden. „Ich danke den Schulen für ihr Verständnis.“