Gericht: Nachbarin des Schmuckdiebstahls bezichtigt

Vorarlberg / 23.01.2020 • 19:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Angeklagte war keine Diebin, sondern vielmehr eine hilfsbereite Nachbarin. ECKERT

Freispruch für hilfsbereite Frau, die von verstorbenen Eheleuten großuzügig beschenkt wurde.

Christiane Eckert

Feldkirch Seit 2007 kümmerte sich die Nachbarin um das betagte Ehepaar. Der Gesundheitszustand der Rentner verschlechterte sich zunehmend, dennoch war die 43-jährige Dornbirnerin immer da, wenn sie gebraucht wurde. Das bestätigen bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch auch diverse Krankenpflegerinnen und Betreuungspersonen. Die Nachbarin war weder angestellt noch über eine Hilfsorganisation für die Hilfsbedürftigen eingeteilt, sondern sie war freiwillig und unentgeltlich für die ehemaligen Geschäftsleute da. Dieses Bild ergibt jedenfalls das Beweisverfahren. Vor allem die ältere Dame wollte sich revanchieren und schenkte der Hilfsbereiten zu besonderen Anlässen wie Geburtstag oder Weihnachten wiederholt Schmuck. „Ich hatte keine Ahnung, was die Sachen konkret wert waren“, räumt die nun wegen schweren Diebstahls Angeklagte ein.

29.000 Euro „Beute“

Die Anklagebehörde legt ihr zur Last, sie habe sich eigenmächtig am Schmuck bedient, und das nicht zu schmal. 29.000 Euro, was die Erben in der Folge ärgerte. „Meine Mandantin hatte das volle Vertrauen des Ehepaars, sie wusste deren Safe-Code, erledigte finanzielle Dinge und zahlte auch die Pflegekräfte“, setzt sich Verteidigerin Emelle Eglenceouglu für die 43-Jährige ein. Diese sitzt im Verhandlungssaal, weint und ist betrübt, dass man ihr solch schwere Vorwürfe anlastet. Mehrere Zeugen werden befragt, aber immer wieder wird bestätigt, dass das Ehepaar großzügig Schmuck verschenkte, nicht kleinlich war und sich für Hilfe regelmäßig erkenntlich zeigte. „Sie sagte zu mir immer, ich sei eine ‚Perle‘“, so die Angeklagte. Die 43-Jährige verfügte auch über eine uneingeschränkte Bankvollmacht des Ehepaars.

Steuerersparnis

Die Erbin kann nicht recht glauben, dass die mittlerweile Verstorbene der Angeklagten erlaubt hatte, verbleibenden Schmuck sogar selbstständig aus dem Safe zu entnehmen. Die 43-Jährige hält entgegen, dass die Rentnerin sie vor ihrem Tod aufgefordert habe, den Schmuck mit nach Hause zu nehmen. Das habe sie aber abgelehnt, weil sie ihn im Safe für sicherer aufbewahrt hielt. Die betagte Dame habe ihr den Schmuck ohne großes Aufsehen geben wollen, um Steuern zu sparen. „Du bist nicht mit mir verwandt, sonst musst Du einen Haufen Steuern zahlen“, habe sie gemeint. Nach einem ausführlichen Beweisverfahren liegen fast nur entlastende Zeugenaussagen vor, somit Freispruch. Das Urteil ist rechtskräftig.