Blutwerte im Blick und im Griff

Vorarlberg / 06.06.2020 • 12:00 Uhr
Blutwerte im Blick und im Griff
Über diesen Transmitter am Oberarm werden die Zuckerwerte weitergeleitet. KHBG

Am LKH Feldkirch werden Glykosesensoren neuester Bauart implantiert.

Feldkirch Nicht nur der medizinische Fortschritt kommt Patienten bei der Behandlung von Krankheiten zugute. Auch technische Entwicklungen können den Umgang damit erleichtern. Ein Beispiel dafür ist der Diabetes. Beim insulinpflichtigen Typ 1-Diabetes müssen Betroffene mehrmals am Tag ihren Blutzuckerwert mittels Stich in den Finger messen. Inzwischen gibt es implantierbare Systeme, die dieses Prozedere auf ein Minimum reduzieren, den Blutzucker kontinuierlich messen und im Falle einer drohenden Unterzuckung Alarm schlagen. „Sie tragen außerdem wesentlich zu einer Verbesserung der Langzeitzuckerwerte bei“, erklärt Oberarzt Alexander Vonbank von der Diabetesambulanz im Landeskrankenhaus Feldkirch.

Sporterprobt

Dort wird seit Kurzem einer der neuesten, auf dem Markt befindlichen Glykosesensoren angeboten. Es handelt sich um das Eversen-System von Roche, laut Vonbank auch eines der genauesten. Rund 150 dieser Sensoren wurden bislang implantiert, zur Hauptsache bei Typ 1-Diabetikern, aber ebenso bei Typ 2-Diabetikern, die mehrmals täglich messen und Insulin zuführen müssen. Der jüngste Patient ist 19, der älteste Mitte 70. Bei allen hat sich die Blutzuckereinstellung deutlich verbessert. „Auch viele Sportler verwenden dieses System, weil sie damit flexibler sind“, merkt der Internist an. Der Sensor tut rund 180 Tage seine Arbeit, dann muss er gewechselt werden.

Unauffällige Kontrolle

Platziert wird das Stäbchen unter der Haut am Oberarm. „Der Patient erhält eine lokale Betäubung, dann wird mit einem Skalpell ein winziger Schnitt gemacht und der Sensor eingesetzt“, erläutert Alexander Vonbank den 10 bis 15 Minuten dauernden Eingriff. Es ist kein Nähen der Wunde nötig, zwei Kleber reichen zur Heilung. Auch der Sensor ist sofort startklar. Ein Transmitter, der über dem Sensor angebracht ist, sendet die Daten ans Handy oder eine entsprechende Uhr. Vonbank: „Auf diese Weise lässt sich überall und jederzeit unauffällig der aktuelle Blutzuckerwert kontrollieren. Droht eine Unterzuckerung, vibriert der Transmitter. Der Sensor verfügt außerdem über eine Tendenzanzeige, aus der schon früh ein fallender oder steigender Wert abgelesen werden kann.“

Erstattungskritierien

Nach der Implantation erhalten die Patienten eine Einschulung auf das System, und sie sind regelmäßig in Betreuung. „Die Auswertung der Daten ermöglicht auf Dauer eine gute Blutzuckereinstellung“, bestätigt Alexander Vonbank. Die Patienten selbst müssen nur noch zweimal pro Tag blutig messen. Die Therapie wird zwar von der Sozialversicherung bezahlt, trotzdem bestehen Ausschließungsgründe. „Sie macht nämlich nur Sinn, wenn der Träger bewusst einen Nutzen daraus ziehen kann und will“, betont der Arzt. Bequemlichkeit findet keine Unterstützung. Es gibt klare Erstattungskriterien. Auch der behandelnde Mediziner muss in seinem Antrag an die Kasse argumentieren, warum das System empfohlen wird. Vor einer Implantation wird deshalb die individuelle Situation des Patienten genau analysiert. Wichtig ist Alexander Vonbank zudem eine gute Aufklärung über Vor- und Nachteile. „So müssen die Patienten wissen, dass vom Schnitt eine kleine Narbe zurückbleibt.“ Die Annahme, das könnte vor allem junge Damen abschrecken, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: „Sie wollen das trotzdem.“

In Kürze soll das System dahingehend erweitert werden, dass es auch mit einer Insulinpumpe kommuniziert. In der Diabetesambulanz des Landeskrankenhauses Feldkirch werden jährlich etwa 5000 Patienten behandelt. Um Systeme wie jenes von Roche implantieren zu können, braucht es eine Zertifizierung. „Die haben wir“, sagt Alexander Vonbank, der auch die gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten betont.

Oberarzt Alexander Vonbank bezeichnet dieses System als eines der genauesten.
Oberarzt Alexander Vonbank bezeichnet dieses System als eines der genauesten.