“Vieles ist möglich, wenn man es versucht”

Vorarlberg / 17.06.2020 • 17:02 Uhr
Für Bruno Kühne ist es entscheidend, sein Leben aktiv zu gestalten. BI
Für Bruno Kühne ist es entscheidend, sein Leben aktiv zu gestalten. BI

Bruno Kühne gestaltet sein Leben trotz Blindheit sehr erfolgreich.

Feldkirch „Früher gab es für blinde Kinder keine Frühförderung. Ich hatte jedoch das Glück, dass mein Vater mir intuitiv die richtige Unterstützung geboten hat. Er ist mit mir in die Berge gegangen, sogar auf die Schesaplana, hat alte Waschmaschinen mit nach Hause gebracht und mich sie auseinanderbauen lassen. Er war Schuhmacher und bezog mich in alle seine Tätigkeiten auf eine ganz natürliche Art und Weise mit ein“, erinnert sich Bruno Kühne an seine Kindheit. Er wurde blind geboren. Da es in Vorarlberg damals noch keine Ausbildungsmöglichkeiten für ihn gab, besuchte er in Wien die Volks- und Hauptschule, auch eine Büroausbildung absolvierte er dort: „Ich hatte Heimweh, denn ich war im Internat und vermisste meine Familie, aber auch die Freiheit, die ich gewohnt war, sehr.“ Sein erster Arbeitsbereich war beim Zollamt Feldkirch als Telefonist und in der EDV. Durch die permanente Erweiterung seiner Computerkenntnisse wagte der innovative junge Mann im Jahr 1995 den Schritt in die Selbstständigkeit. In seiner Firma betreut er Betriebe mit einem Mitarbeiterstand bis zu dreißig Leuten.

In die Fußstapfen des Vaters

Als Blinder waren gute Schuhe für ihn immer sehr wichtig, da er dadurch besseren Bodenkontakt hatte und somit auch das Gleichgewichtsgefühl nicht beeinträchtigt wurde. Vor rund sieben Jahren lernte er die Modelle von Barfuß-Schuhen kennen. „Es sind Schuhe, in den man wie barfuß läuft. Sie haben keine Absätze, eine dünne Sohle und sind in der Zehenbox breiter geschnitten. Dadurch wird die Muskulatur im Fuß trainiert. Ich habe Schuhe von verschiedenen Herstellern zwei Jahre lang ausprobiert und bin davon begeistert.“ Seine positiven Erfahrungen mit diesen Schuhen setzt er in einer neuen Geschäftsidee um: Er eröffnete 2015 das Geschäft „Schuhe wie barfuß“ in Feldkirch.

Der gesundheitliche Aspekt der Barfußschuhe erfuhr viel Resonanz und zog zahlreiche Kunden auch aus dem benachbarten Ausland an. Da es bislang nur sehr wenige Geschäfte mit einem solchen Angebot in Österreich gab, eröffnete der engagierte Unternehmer ein weiteres Geschäft in Innsbruck und vor Kurzem erst eine Filiale in Bludenz. „Auch Ärzte, Physiotherapeuten und Personal-Trainer arbeiten mit uns zusammen“, freut sich der sozial engagierte Unternehmer. Großen Wert legt er auf die Zusammenarbeit in seinem Team. Insgesamt sechs Mitarbeiter sind derzeit bei ihm beschäftigt, die fachkundige Beratung der Kunden ist in diesem Bereich essenziell.

Abhängigkeit ist schwierig

Die Blindheit selber störe ihn nicht, sondern vielmehr die daraus entstehende Abhängigkeit: „Ich brauche immer einen Assistenten, um meinen Beruf ausführen zu können. Ich kann ja nicht mit den Schuhschachteln mit der Bahn oder dem Bus fahren. Auch privat, wenn ich am Abend spontan jemanden besuchen möchte, bin ich eingeschränkt. Die technische Entwicklung erleichtert zwar einiges, so ist es beispielsweise nun möglich, mir die Post mit dem Handy vorlesen zu lassen. Auch Schuhe kann ich aussuchen, mit der Farbe wird es jedoch schwierig.“ Sehr wertvoll ist für ihn die Arbeitsassistenz des MOHI Dornbirn, ohne diese Unterstützung könnte er keine Firma führen. Vielseitig war Bruno Kühne immer schon, neben seinen Firmen war er auch als Leistungssportler aktiv, er reist gerne und bietet für andere blinde Menschen über die Firma „dafür“ Beratungen im EDV-Bereich an. Und er plant schon sein nächstes Projekt: ein mobiles Schuhgeschäft in Form eines Schuh-Trucks. „Vieles ist möglich, wenn man es versucht“, ist Kühne überzeugt. BI

Zur Person

Bruno Kühne

wagte trotz Blindheit den Schritt in die Selbstständigkeit.

Geboren 7. Juni 1966

Familie Tochter Lena

Wohnort Feldkirch

Hobbys Musik, Reisen, Sport