Bergdrama am Zimbajoch: Mit Petras Tod zerplatzten viele Träume

Vorarlberg / 29.07.2020 • 16:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bergdrama am Zimbajoch: Mit Petras Tod zerplatzten viele Träume
Das glückliche Paar in Kärnten. Rene und Petra reisten gerne. PRIVAT

Petra Felder stürzte am Zimbajoch in den Tod. Die junge Krankenschwester hatte noch viel vor: zum Beispiel nach Afrika gehen und Gutes tun.

Reuthe Mit Petras Tod müssen gleich mehrere Menschen ihre Träume begraben. Rene Felder, ihr Ehemann, träumte davon, mit ihr durchs Leben zu gehen und mit ihr alt zu werden. Der 29-jährige Bregenzerwälder lernte Petra vor acht Jahren kennen. Sie weckte Gefühle in ihm, die er bis dahin nicht gekannt hatte. „Ich wusste nicht, dass man so lieben kann.“ Petra und Rene waren ein harmonisches Paar. „Wir mochten uns sehr und haben nie gestritten.“ Rene brachte seiner Freundin die Berge näher. „Wir haben fast jeden Berg im Bregenzerwald gemacht.“  

Filmreifer Heiratsantrag

Sie reisten aber auch gerne zusammen. „Wir waren in Norwegen, in Amerika, in Afrika und auf Bali.“ Auf der indonesischen Insel machte der Zimmermann seiner Liebsten einen filmreifen Heiratsantrag am Strand.  „Ich bin auf die Knie gegangen und habe sie gefragt, ob sie mich heiraten will.“ Im Vorjahr feierte das Paar Hochzeit. „Wir haben am 19. Juli geheiratet.“

Das Glück ist der hübschen Braut anzusehen.
Das Glück ist der hübschen Braut anzusehen.

Aus dem Freudentag wurde ein Jahr später ein Unglückstag. Am 19. Juli 2020 bestieg Petra mit ihrem Ehemann und ihrem Schwager die Zimba. Beim Abstieg rutschte die 29-jährige Frau auf einem ausgesetzten Steig aus und stürzte anschließend etwa 150 Meter über senkrechtes Gelände ab. Dabei zog sie sich tödliche Kopfverletzungen zu.

“Ich hätte mir für meinen Sohn keine bessere Frau vorstellen können.”

Christa Felder, Schwiegermutter von Petra

Ihr plötzlicher Tod schockte die ganze Familie. Petras Schwiegermutter Christa ist 55 Jahre alt. „Aber so einen schweren Schicksalsschlag habe ich noch nie erlebt.“ Als ihr Sohn Petra zum ersten Mal mit nach Hause brachte, dachte sich Christa: „Das wäre ein Mädchen für Rene. Die gefällt mir.“ Der erste Eindruck täuschte sie nicht. Petra entpuppte sich als perfekte Schwiegertochter. „„Es gab nichts auszusetzen an ihr. Ich hätte mir für meinen Sohn keine bessere Frau vorstellen können.“ Die Wertschätzung beruhte auf Gegenseitigkeit. Petras beste Freundin Magdalena (30) erinnert sich noch daran, wie Petra einmal zu ihr sagte: „Ich habe den allerbesten Ehemann und die beste Schwiegermutter der Welt.“ Christa kämpft mit den Tränen. Sie greift zu einem Taschentuch und tupft damit ihre Augen ab. Petra fehlt ihr nicht nur als Mensch. Christa schmerzt auch, dass sie schlagartig ihres Traumes beraubt wurde. „Ich hätte so gerne Petras und Renes Kinder gehütet.“

Bergdrama am Zimbajoch: Mit Petras Tod zerplatzten viele Träume
Petra Felder (29) starb an ihrem ersten Hochzeitstag in ihren geliebten Bergen. Sie stürzte am Zimbajoch in den Tod. Privat, Montafontourismus

Nach dem Weggang ihrer besten Freundin muss auch Magdalena ihre Zukunft neu denken.  „Petra und ich wollten Kinder bekommen und gemeinsam Schesawagen schieben“, verrät Magdalena, wovon sie beide träumten. Aber die Freundinnen hatten noch viel mehr vor. „Petra als Krankenschwester und ich als Lehrerin wollten irgendwohin gehen, wo wir mehr bewirken können, nach Afrika zum Beispiel, um Gutes zu tun.“ Mit Petra verlor Magdalena „eine Seelengefährtin und einen Menschen, von dem man alles haben konnte. Petra war sehr einfühlsam und feinfühlig. Sie merkte sofort, wenn es mir nicht gut ging.“ Auch ihre offene Art machte sie beliebt. „Sie redete mit jedem und brachte Menschen zusammen. Petra nahm jeden so, wie er war und hatte keine Vorurteile.“

Das Schicksal erfüllte ihr den Wunsch

Dass man sie überall gemocht hat, zeigte sich auch nach ihrem Ableben. Die Totenwache musste in einer großen Halle abgehalten werden, weil ganz viele Menschen Petra ihre Ehre erweisen wollten. „900 Menschen sind gekommen. Das hat es in Vorarlberg vermutlich noch nie gegeben“, mutmaßt Rene. Die große Anteilnahme rührte den verwaisten Ehemann. Auch dass er einen Tag vor ihrem Tod mit ihr und der Familie noch den Hochzeitstag gefeiert hat, tröstet ihn.  „Da habe ich Petra gesagt, wie sehr ich sie liebe.“ Und noch etwas schenkt ihm Trost. „Petra sprach öfters davon, dass sie vor mir gehen möchte, weil sie sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen könne.“

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