Zwischen den Fronten von Mensch und Wildtier

Vorarlberg / 08.08.2020 • 10:30 Uhr
Zwischen den Fronten von Mensch und Wildtier
Es gibt viele Fragen, mit denen sich Wildbiologe Hubert Schatz (55) täglich auseinandersetzen muss. VN-Redakteur Klaus Hämmerle stellte ihm einige davon.  VN

Besonders in Drohnen sieht Wildbiologe Hubert Schatz ein Problem.

Lustenau, Schoppernau Der erste Blick auf grüne Berghänge und tiefe Wälder mag täuschen: Auf beinahe jedem Fleck Vorarlbergs treffen Bedürfnisse von Land- und Alpwirtschaft, Tourismus, Grundstückseigner und die Naherholungswünsche der Vorarlberger aufeinander, oft auch mit Konfliktpotenzial. Hubert Schatz (55) ­vertritt als Wildökologe des Landes die Stimmlosen: Das Vorarlberger Wild und dessen Notwendigkeit nach Rückzugsorten und Lebensräumen.

Wie geht es der Vorarlberger Natur derzeit?

Schatz Der Sommer 2020 ist von der klimatischen Situation her ein guter. Wir haben nicht zu hohe Temperaturen, genug Niederschläge und Nahrung. Was aber die Nutzung der Natur anbelangt, ist diese auffallend hoch.

 Wie hat sich die Situation coronabedingt entwickelt?

Schatz Wir sind es im Tourismusland Vorarlberg gewohnt, dass sich viele Menschen in den Lebensräumen der Tiere aufhalten. Während des Corona-Lockdowns haben sich ausnahmsweise wenige Menschen in der Natur aufgehalten. Tiere wie Gämse drangen in Bereiche vor, an denen man sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Nun hat Urlaub in der freien Natur, auch dort zu übernachten, massiv zugenommen. Außerdem hatten wir noch nie so viele Radfahrer in der Natur. Das schafft neue Raumnutzungen und damit Probleme.

Was ist eine besondere Unart?

Schatz Ein großes Thema sind Drohnen, mit denen man Bilder macht von Wildtieren und nah heranfliegt. Das ist eine neue Störquelle, die sehr massiv ist für die Wildtiere. Die Tiere werden sich nicht daran gewöhnen. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, dass solche Drohnen eine klare Genehmigung brauchen und insgesamt stark eingeschränkt werden.

Wir haben bekanntlich Gebiete mit viel Rotwild. Wäre da der Wolf ein Gewinn?

Schatz Der Wolf ist ein wichtiger Regulierungsfaktor, insbesondere bei Rotwild. Und er hätte in natürlichen Lebensräumen, wo der Mensch wenig hineinpfuscht, seine Wertigkeit. Der Wolf ist aber auch ein Anpasser. Schafe werden rasch zum Opfer des Wolfs, weil sie keinen Fluchtinstinkt haben. Wir haben eine viel genutzte Kulturlandschaft. Wenn ein Wolf auftaucht, schlägt er rasch bei Nutztieren zu, was verständlicherweise zu großer Aufregung führt.

Wie sieht das Spannungsverhältnis zwischen Tourismus und Natur aus?

Schatz Meistens ist es so, dass man ein Angebot entdeckt und man muss hinterherlaufen. Es wäre wünschenswert, man könnte sich vorher austauschen. Manche Tourismusdestinationen versuchen aber vor Ort mit den Jägern oder Jagdaufsehern auszukommen. Das ist aber eher die Ausnahme.

Bei uns ist TBC ein großes Problem. Warum kommen wir da nicht weiter?

Schatz Es gibt nicht in ganz Vorarlberg ein TBC-Problem, sondern nur in gewissen Bereichen des Silber- und Klostertals. Ein Beitrag, dies in den Griff zu bekommen, ist die Senkung des Wildbestandes, um die Infektionsketten zu unterbinden.