Warum Schullandesrätin Schöbi-Fink strikt gegen Schulschließungen ist

Auch von einer ins Spiel gebrachten Verlängerung der Herbstferien hält Barbara Schöbi-Fink wenig.
Bregenz Im Krisenstab der Bundesregierung sind Schulschließungen aufgrund der steigenden Coronazahlen plötzlich wieder ein Thema. Noch gibt es dagegen heftigen Widerstand. Im VN.at-Interview begründet die Vorarlberger Schullandesrätin, warum Schulschließungen ihrer Meinung nach kontraproduktiv wären und drückt ihre Freude darüber aus, dass an den heimischen Bildungsstätten nun der schnell auswertbare Antigentest gemacht wird.
Im Krisenstab der Bundesregierung gibt es trotz Ablehnung des Bildungsministeriums Überlegungen, Schulen wieder zu schließen. Was sagen Sie dazu?
Ich liege diesbezüglich auf einer Linie mit Minister Heinz Faßmann. Eine erneute Schließung von Schulen wäre absolut kontraproduktiv und widerspricht dem Hausverstand. Was würde mit den Kindern und Jugendlichen passieren? Sie wären nicht einmal abgesondert, jeglicher Kontolle, welche es an den Schulen gibt, entzogen, und die Eltern wären wieder vor große Betreuungsprobleme gestellt. Auch hätte die Schule als sozialer Begegnungsort wieder ausgedient. Für mich sind solche Überlegungen absolut nicht nachvollziehbar. Auch mit der überlegten Verlängerung der Herbstferien kann ich nichts anfangen. Im übrigen bin ich sehr froh darüber, dass ab kommender Woche der Antigentest den PCR-Test an den Schulen ersetzt. Dieser ermöglicht eine sofortige Auswertung und macht daher vieles leichter.
Aber die Zahlen steigen auch in den Schulen dramatisch.
Ja, aber die Schule unterscheidet sich nicht von anderen Bereichen. In Vorarlberg gibt es 57.000 Schüler und 6500 Lehrer. Mit dem Betreuungs- und Verwaltungspersonal sowie den Eltern ist ein Viertel aller Menschen in unserem Land irgendwie mit der Schule in Kontakt. Warum soll es also dort mit den Zahlen anders sein als beim Rest der Gesellschaft?
“Die Schule unterscheidet sich bei Corona nicht von anderen Bereichen.“
Barbara Schöbi-Fink, Schullandesrätin
Was bereitet Ihnen als Schullandesrätin am meisten Sorgen?
Am meisten Sorgen bereitet mir nicht das, was in den Schulen passiert. Die größte Sorge bereitet mir das Verhalten der Menschen in ihrer Freizeit. Dort, wo wir nichts steuern können. Die Schulen sind auf die Situation bestens eingestellt. Die vom Bildungsministerium verordneten Maßnahmen werden befolgt und eingehalten. Nur wenn alle Menschen sich ihrer Verantwortung bewusst sind, können wir gut durch die Krise kommen.
Sollte es härtere Maßnahmen an den Schulen geben?
Nein. Ich halte den Weg, den wir jetzt gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden, der Bildungsdirektion und den Schulen gehen, für einen guten. Abgesonderte Klassen werden im distance-learning weiterhin beschult, bis sie nach zehn Tagen Quarantäne wieder in die Schule dürfen. Kinder haben eine bestmögliche Bildung verdient. Es ist wichtig, dass wir kein Kind verlieren.
Sind Sie mit dem Krisen- bzw. Coronamanagement an den Schulen zufrieden?
Natürlich gibt es immer wieder Anregungen, wie wir die Abläufe verbessern können. Diese nehmen wir auch gerne auf, um uns weiterentwickeln zu können. Es läuft derzeit aber schon sehr viel ruhiger als zu Beginn des Schuljahres. Die Kommunikation und die Abläufe zwischen Schule, 1450, Rotem Kreuz, Infektionsteam und Bildungsdirektion sind nun besser eingespielt. Das System ist komplex. Alle leisten ihr Bestes.
Sind die Schulen ausreichend mit Coronaequipment aller Art ausgestattet?
Die Kommunen als Schulerhalter statten unsere Schulen mit den notwendigen Reinigungsmitteln aus. Das Land Vorarlberg hat zudem jeder Schule pro Klasse je ein Notfalldepot an Einwegmasken zur Verfügung gestellt. In der digitalen Infrastruktur gibt es trotz der Aktion”School Kids Online” und dem Engagement der Gemeinden noch Luft nach oben. Aktuell prüfen wir noch einmal, ob alle Schülerinnen und Schüler der fünften Schulstufe mit Endgeräten ausgestattet sind.
Wie groß ist die Eigenständigkeit der Bildungsdirektion Vorarlberg, wenn es um konkrete Maßnahmen an unseren Schulen geht?
Das Bildungsministerium hat mittels Verordnung klare Vorgaben für alle Schulen in Österreich definiert. Das halte ich auch für sinnvoll. Es ist innerhalb dieser Verordnung dennoch genug Spielraum für Maßnahmen der einzelnen Bildungsdirektionen vorhanden, um auf regionale Besonderheiten entsprechend einzugehen.
Von Elternvertreter Michael Tagger ist die Anregung gekommen, noch einmal einen Schulgipfel mit allen Beteiligten abzuhalten, um die beim letzten Treffen dieser Art vereinbarten Maßnahmen zu optimieren. Was halten Sie davon?
Diese Idee verdient es, genau geprüft zu werden.
Haben Sie persönlich mit der Coronaentwicklung der letzten Wochen gerechnet?
Dass es nicht einfach wird, habe ich mir schon gedacht. Auch mit Verdachts- und positiven Fällen an den Schulen habe ich gerechnet. Das liegt ja auch an der kälteren Jahreszeit und wurde von den Experten vorausgesagt.