Spielsüchtiger prellt Ex-Landtagsabgeordneten um 170.000 Euro

Vorarlberg / 07.11.2020 • 05:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Spielsüchtiger prellt Ex-Landtagsabgeordneten um 170.000 Euro
Der 61-jährige Italiener wurde am Freitag zu einer Haftstrafe verurteilt. EC

Der Italiener gewann und verlor, von einem ehemaligen Landtagsabgeordneten „lieh“ er sich jahrelang hohe Summen.

Feldkirch Der 61-jährige Italiener ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Mensch. Er hat elf Kinder, in Deutschland vier Vorstrafen und er verzögerte immer wieder den Prozess in Feldkirch. Wegen Betruges wurde er bereits in Baden-Württemberg zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. In Feldkirch bekommt er eine Zusatzstrafe von weiteren 15 Monaten. Davon muss er allerdings nur fünf absitzen. Die Haft in Deutschland, so sagt er, sei schrecklich gewesen. Er weint und berichtet, dass er dort vergewaltigt worden sei. Sein Verteidiger zweifelt nicht an dieser Geschichte, immerhin wurden Verletzungen festgestellt, die das alles glaubwürdig erscheinen lassen. Der Mann ist auch im Prozess in Feldkirch weinerlich, fast hysterisch. Er erzählt von mehreren Selbstmordversuchen, auch sein Anwalt bestätigt, dass er mit seinem Mandanten kaum ein vernünftiges Gespräch führen konnte, ohne dass dieser in Weinkrämpfe ausbrach.

Wie gewonnen, so zerronnen

Der Italiener spielte jahrelang, vor allem in der Schweiz, weil dort die Bestimmungen angeblich lockerer sind. Dabei hatte er nicht nur Pech. Sein Verteidiger legt eine Auszahlungsbestätigung vor, wonach der heute 61-Jährige an Automaten einmal 948.000 Schweizer Franken mit nach Hause nahm. Er spielte im Casino in Konstanz und in Baden bei Zürich, hin und wieder Black Jack, hauptsächlich aber an Automaten. Im Casino habe er auch den Vorarlberger Politiker kennengelernt. Dieser sei ebenfalls Casinostammkunde gewesen. „Jahrelang wanderten Beträge zwischen den beiden Spielern hin und her, wie viel mein Mandant dem anderen schuldet, lässt sich kaum feststellen“, sagt der Anwalt. Angeklagt ist ein Betrag von 170.000 Euro. Zum Teil gibt es schriftliche Bestätigungen der Schulden.

Drei Jahre Geld geliehen

Der Vorarlberger lieh dem Italiener drei Jahre lang Geld, laut Verteidigung offenbar selbst nach dessen Anzeigenerstattung. Als „Darlehenszweck“ wurden zumindest offiziell Dinge wie Geld für eine Firmengründung, Kosten für einen Flug, Rechtsanwalt oder Fahrzeuge festgehalten. Auch einen Pizzaofen wollte der Betrüger angeblich anschaffen und täuschte diesen Zweck vor. Dass die Geldgeschäfte zum Teil zwölf Jahre zurück reichen, macht die Rekonstruktion nicht unbedingt einfacher. Die Verteidigung bezweifelt ein wenig, dass das Opfer tatsächlich an diese Darlehenszwecke glaubte, vielmehr sei es ein Hin- und Herschieben von Geldbeträgen zwischen zwei Spielern gewesen, meint zumindest der Anwalt. Der Italiener ist geständig, bereut und wird rechtskräftig verurteilt. Das Opfer verzichtet auf eine Rückzahlung. Ihm ist klar, dass alles andere ohnedies keinen Sinn macht.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.