Bewegte Geschichte des „Zollhauses“

Zahlreiche Geschichten ranken sich um das Gasthaus Zoll.
Bregenz Im Jahr 1517 erhielt die Stadt Bregenz von Kaiser Maximilian die Erlaubnis, eine Brücke über die Bregenzerach zu errichten und für ihren Erhalt einen Brückenzoll einzuheben. Reich wurde die Stadt aber damit nicht, im Gegenteil.
Besser ging es da den Gasthäusern, wo die Fuhrleute und Pferdehändler gerne einkehrten. Zwei Gasthäuser standen einst an der Achbrücke nach Lauterach, der „Engel“ und der „Zoll“. Vom „Engel“ ist so gut wie nichts mehr bekannt, außer sein Standort, wo später die Autowerkstatt Anwander stand.
Verkehrspolitische Rolle des „Zolls“
Vom „Zoll“ jedoch weiß man mehr, weil das Haus eine verkehrspolitische Rolle gespielt hat, denn lange Zeit wurde dort eine Brückenmaut eingehoben. Rudolf Wacker (1893–1939) hat in den späten zwanziger Jahren das Zollhüsle mit der Achbrücke in seiner unverkennbaren Malweise festgehalten.
Ziemlich weit zurück lässt sich die Existenz einer Mautstelle an diesem Platz nachweisen.
1840 werden Zollhaus und Garten von keinem Geringeren als von Eduard Mörike erwähnt. Dieser befand sich auf der Durchreise in Bregenz und schrieb in sein Tagebuch: „Bei der Brücke über die Ach vom Wirtshaushof zeichnete ich den Pfannenberg und das Kirchlein auf der Höhe, welches ein Wallfahrtsort ist.“ Wieder gut eine Generation später wird dann der „Zoll“ eingehend beschrieben. Hugo Niedermaiers Geschichtchen aus dem Büchlein „Wie die Alten sungen“ handeln zum Teil vom Stammtisch im „Zoll“. Da trafen sich der alte Zimmermeister Hagen, der krumme Fink (er trug ein schlechtes Kunstbein), der städtische Bauinspektor Bandel, der Schuhmacher Kloser. Winder, der Wirt, trug eine Quastenmütze, damals beliebtes Zeichen für den Chef des Hauses. Winder war leutselig, humorvoll und leicht verschmitzt, wie es sich für einen echten Wirt gehört.
Gebäude wurde saniert
1924 übernahmen Ludwig und Maria Germann die Zollwirtschaft, anfangs in Pacht, dann erwarben sie den Besitz. Kurz danach wurde das Haus gründlich renoviert und dabei das alte Fachwerk wieder sichtbar gemacht. Maria Germann waltete in der Küche und wurde alsbald für ihre Spezialitäten bekannt: Nierle, Beuschl
und „sure Kuttla“. Stammgast war auch der als Bregenzer Original bekannte Pepi Ölz, der einmal des Nachts vor lauter Durst ein Schiebefenster eindrückte und sich mit seiner Runde in der Stube breitmachte, worüber die Hausleute, die im oberen Stockwerk schon schliefen, nicht wenig überrascht waren.
Achbrücke gesprengt
In den Maitagen 1945 wurde die Achbrücke gesprengt, das Gasthaus wurde in Mitleidenschaft gezogen und erhielt einige Sprünge mehr. Mehr noch setzten dem Haus die Nachsprengungen durch die Franzosen zu, doch ging der Betrieb nach wie vor weiter.
Neubau war nicht möglich
Nach einigen Jahren übernahm Vevi Gobber den Betrieb in Pacht. Eine neue Achbrücke wurde geplant, und das war zugleich das Ende des so romantischen Hauses. Zwar wehrte sich Vater Germann, denn er wünschte einen Neubau im alten Stil, doch seine Eingaben wurden von der Behörde dreimal zurückgewiesen. Ein Architekt aus Kärnten, der die Brücke entwarf, plante ein „Ensemble“ von Brücke und Zollhaus.
„Gourmet-Tempel“
Das Ende des traditionsreichen Gasthauses ist rasch erzählt. Einige Jahre lang führte es der Pächter Kurt Kleber, dann übernahm es Ernst Huber und machte daraus einen „Gourmet-Tempel“, dessen Ruf weit über Bregenz hinaus reichte. Politische Schlagzeilen machte damals die Auseinandersetzung zwischen dem Bregenzer Kulturchef Oskar Sandner und Vizebürgermeister Werner Schelling. Ende 1989 pachtete Huber erst am Leubühel ein Lokal, dann das von ihm erworbene Deuringschlößle in der Oberstadt und später übernahm er den „Adler“ auf der Fluh. Im Gebäude des ehemaligen Gasthauses Zoll zog schließlich ein Friseur ein. Fst
