Mit Abstand unterm Narrenhut zusammenrücken

Vorarlberg / 11.11.2020 • 05:30 Uhr
Mit Abstand unterm Narrenhut zusammenrücken
Der Fasching kommt, zwar mit Krapfen, aber ohne große Feierlichkeiten. VN/STEURER

Die Fasnatzünfte starten still in die fünfte Jahreszeit.

Buch Dieses Jahr wird es am heutigen 11. November zur 11. Stunde ungewöhnlich ruhig auf Vorarlbergs Dorfplätzen sein. “Mir ist zu Ohren gekommen, so mancher Zunftmeister werde allein auf dem Platz stehen und um 11.11 Uhr der Faschingssaison entgegenwinken”, weiß Michel Stocklasa zu berichten, seines Zeichens Präsident des Verbands der Vorarlberger Fasnatzünfte. Manch andere werden den Faschingsbeginn digital begehen, sei es auch nur mit einem Foto in den sozialen Netzwerken. Stocklasa selbst wird den Auftakt in Feldkirch begehen, so wie es die Vorgaben ermöglichen: Zu sechst mit großen Sicherheitsabstand und Guggamusik vom Band.

Michel Stocklasa sorgt sich darum, wie gut die Fasnat die Pandemie überstehen wird. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Michel Stocklasa sorgt sich darum, wie gut die Fasnat die Pandemie überstehen wird. VN/Paulitsch

Für die organisierte Narretei ist es ein Faschingsbeginn zwischen Bangen und Hoffen. Auf der einen Seite ist derzeit durch den Lockdown der Vereinszweck nicht erfüllbar. “Masken kennen wir natürlich, aber die Narretei ist schwer vereinbar mit Abstand halten und digitalen Veranstaltungen”, räumt Stocklasa ein. Andererseits solle der Faschingsauftakt nicht als Ausrede genutzt werden, um die Corona-Auflagen zu konterkarieren. “Wir müssen nun unseren Beitrag leisten, auch wenn es wirklich schwer fällt”, betont der Narren-Präsident, der für über 150 Zünfte im ganzen Land spricht. Das Kredo sei nicht umsonst Humor mit Verantwortung.

Facettenreiches Brauchtum gefährdet

Der Lockdown und die Pandemie treffen die Fasnatzünfte jedoch hart. Selbst wenn sich die Zahlen schnell senken würden, sieht es auch für den Hochfasching düster aus. Große Veranstaltungen wie der Gildenball oder auch die Landesgardegala wurden bereits abgesagt und auch viele Umzüge dürften wohl nicht stattfinden. “Ein Faschingsumzug ist immer ein Kraftakt des Veranstalters”, betont Stocklasa. Mit den Auflagen bezüglich Abstand, den zu erwartenden Reisebeschränkungen für Gästegruppen und der Ungewissheit, wie sich die Situation entwickle, werde die Organisation eines Umzuges verunmöglicht. “Im Ehrenamt kommt man schnell drauf, dass es sowohl finanziell wie organisatorisch nicht mehr verhältnismäßig ist”, bittet er um Verständnis. Der Wille sei durchaus da gewesen: Noch vor dem Lockdown wurde eine Schulung zum Covid-Beauftragten organisiert, 45 Teilnehmer waren bereits angemeldet.

“Die Narretei vereint Kultur, Brauchtum und Ehrenamt, nun wird es still. Das macht natürlich auch etwas mit einer Gesellschaft”, bedauert der Narrenpräsident. Gerade der Facettenreichtum und die starke Verankerung in der Bevölkerung zeichne die Vorarlberger Fasnat aus. Nun werde es für so manche Zunft zur Herausforderung, sich selbst motiviert und die Leute beisammen zu halten. “Es wird nicht für jeden Verein gegeben sein, dass sie auf dem selben hohen Niveau wieder starten können, dass sie bisher hatten”, fürchtet Stocklasa. Es werde mehr als nur Kreativität brauchen, um dem Narrenwesen nach der Pandemie wieder Leben einzuhauchen. “Wir alle müssen nun mit Abstand zusammenrücken.”

Hoffnung liegt auf Funken

Da die derzeitigen Unsicherheiten wie auch Auflagen Planungen für große Faschingsumzüge absurd erscheinen lassen, legt der Verband seine Hoffnungne eher auf ein anderes Brauchtum mit tiefer Verankerung in der Vorarlberger Seele: dem Funken. “Die Spielräume sind bei den Funken anders gelagert”, bestätigt Stocklasa. So sei er hier weit einfacher, kurzfristig die Pläne anzupassen, Abstände einzuhalten und Vorbereitungen zu treffen. Auch dürften viele das Bedürfnis haben, mit dem Winter auch das Virus auszutreiben. “Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt”, erinnert Stocklasa an ein bekanntes Zitat.