Sein statt haben
„Ich möchte ein Buch“, sagt der Kunde. Er tritt entschieden auf. Außerdem ist er in Eile. „Irgendein bestimmtes?“, fragt der Verkäufer neugierig. „Für meine Frau“, antwortet der Kunde. Er hat sich vorbereitet. „Was liest sie denn gerne so?“ Es hätte ein hübsches Gespräch werden können. Aber jetzt blickt der Verkäufer in ein ratloses Gesicht. „Keine Ahnung“, steht auf der Stirn geschrieben. Auf Fangfragen war der Mann nicht vorbereitet.
Heuer haben die Besuchsregelungen zu Weihnachten die Präsente völlig aus dem Blickfeld gerückt. Schon wieder eine Duftkerze? Geschenkt! Was auch immer auf dem Gabentisch liegt, ist hoch willkommen, aber nicht mehr ganz so wichtig wie in anderen Jahren. Viel entscheidender ist, mit wem wir die Tage teilen.
Weihnachten wird heuer anders. Es geht mehr ums Sein als ums Haben. Gewiss, ersehntes Spielzeug wird seine Wirkung nicht verfehlen. Aber selbst die Kinder hätten mehr Freude dran, wenn sie es mit ihren Freunden wieder unbeschwert teilen könnten. Weihnachten 2020 wird weniger ein Fest der Erfüllung, sondern mehr der Erwartung werden. Worauf? Die Theologen sprechen von Erlösung. Es wird eine überaus intime Erfahrung werden.
Thomas Matt
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