Dauernd down

Vorarlberg / 15.01.2021 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Erinnern Sie sich noch an früher, als wir die Lockdowns und Wellen nummeriert haben? Klar, wir sind jetzt in Lockdown 2 haben wir naiv gesagt. Jetzt ist wieder einmal nahezu allen klar, was die Bundesregierung am Wochenende amtlich machen wird. Wir kommen nicht aus dem Lockdown heraus. Und ob die beschränkte FFP2-Öffnung des Handels dann als Lockdown Light 2a gilt, spielt überhaupt keine Rolle. Wir sind jetzt in der Dauerwelle angekommen, sozusagen.

Alle wissen, mit dem derzeitigen, angeblich harten, Lockdown lassen sich die Zahlen so einigermaßen unter Kontrolle halten – Wunder wirkt das alles nicht. Einerseits ist die Disziplin nicht mehr so, wie sie einmal war und andererseits steht ohnedies die aggressive B117-Variante vor der Haustüre, bzw. ist schon mitten unter uns. An vielen Beispielen lässt sich ablesen, was passiert, wenn der Lockdown beendet wird: die Zahlen gehen nach oben – am raschesten bislang in Irland, wo sich die Infektionszahlen innerhalb von drei Wochen verzehnfacht haben. Von Inzidenz 70 auf 929 pro 100.000 Einwohner in 20 Tagen.

Nur die optimistischsten Optimisten sagen Sätze wie “treffen wir uns, wenn die Gastronomie wieder offen hat” – denn die traurige Wahrheit ist, dass wir unseren Espresso noch länger alleine zuhause schlürfen werden, als uns lieb ist.

Am wichtigsten ist die Bildung. Schulen werden öffnen: voll, halb, im Schichtbetrieb? Eigentlich müsste man sagen: Hauptsache, dass! Die klugen Testvorhaben von Bildungsminister Heinz Fassmann schaffen ein Zeitfenster, in dem die Schulöffnung versucht werden kann. Die weiteren Wochen werden zeigen, ob Schulen länger geöffnet bleiben können.

Ja, wir werden einkaufen gehen dürfen. Wenn jedoch klar ist, dass nur eine Person mit FFP2-Maske in den Verkaufsraum darf, ist das auch eine andere Öffnung, als der Handel sie sich ursprünglich vorgestellt hat.

Die Hotellerie ist als Gesamtpaket epidemiologisch einfach zu unkalkulierbar: verhältnismäßig unproblematische Übernachtungen stehen kuscheligen Stuben und Wellnessbereichen entgegen.

Vielerorts wird “Planungssicherheit” gefordert, kein Hin und Her. In einer Pandemie gibt’s keine Planungssicherheit, leider. Aber am sichersten wäre, davon auszugehen, dass wir in einer Art andauerndem Notbetrieb sind. Es wird noch einige Wochen, Monate verhältnismäßig wenig möglich sein. Das ist unpopulär auszusprechen, doch wird auch von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Gesundheitsminister Rudi Anschober und Landeshauptmann Markus Wallner ausgesprochen werden müssen.

Politische Priorität auf der Impfung ist weiterhin goldrichtig, die Vorarlberger Impfgeschwindigkeit darf kein bißchen nachlassen. Die britische Mutation des Coronavirus wird erwartbar schneller um sich greifen, als wir den Impfstoff ins Land bekommen.

Mit jeder Corona-Impfung kommen wir der viel ersehnten Freiheit näher.

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.