Ein Jahr Corona: Und wie geht es Ihnen?

Vorarlberg / 25.02.2021 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ein Jahr Corona: Und wie geht es Ihnen?
Vor allem an der Grenze zu Deutschland sieht man öfters Polizeibeamte sehen. Sie kontrollieren die Einreiseregeln.  VN/PAULITSCH

Die VN möchten wissen, wie Sie das Coronajahr erlebt haben.

Schwarzach Vor einem Jahr sah die Welt noch ganz anders aus. Man feierte Fasching, ging auf Konzerte oder gemütlich Essen, die Kinder konnten zum Fußballtraining. Dem Wortschatz waren Begriffe wie Absonderung, Lockdown und Inzidenz fremd. Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln kannte man aus den Fernsehen, Desinfektionsmittelspender aus dem Krankenhaus, Grenzen aus der Vergangenheit. Wir schüttelten uns die Hand und trafen uns mit der ganzen Familie. Dann kam Corona. Am 25. Februar 2020 wurden die ersten zwei Fälle in Österreich bekannt. Das Virus änderte alles. Mittlerweile befindet sich das Land im Dauerlockdown mit Kontaktbeschränkungen.

Die Coronakrise hat viele Facetten. Manche genießen die Ruhe, die Entschleunigung. Andere leiden von Beginn an. Sie möchten nicht eingesperrt sein. Tausende Menschen verlieren ihren Job, Tausende sind in Kurzarbeit. Unternehmen stehen vor dem Aus, Familien vor dem Kollaps. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist teilweise überbelegt. Wer ein Job hat, darf arbeiten; viele schönen Dinge in der Freizeit sind nicht erlaubt Menschen ziehen sich zurück, viele sterben. Allein in Vorarlberg sind es 273 Menschen.

Wie geht es Ihnen? Die VN möchten wissen, wie Sie das erste Jahr der Coronakrise in Österreich erlebt haben. Schreiben Sie uns, wir möchten alle Facetten der Krise zeigen.

Wir freuen uns über Ihre Geschichten an redaktion@vn.at oder Gutenbergstraße 1, 6858 Schwarzach.

Ich arbeite seit dem Jahr 2009 als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und bin im Stadtspital Dornbirn tätig. Die Coronazeit war und ist eine Herausforderung. Die Strukturen haben sich geändert, auch der Aufwand ist deutlich gestiegen. Da eine eigene Station für Covid19-Patienten im Spital eingerichtet wurde, mussten wir plötzlich Patienten aus anderen Fachgebieten betreuen. Dazu kamen regelmäßige Tests und mehr Schutzausrüstung. Zudem ist auch die Ungewissheit fordernd. Niemand weiß genau wie es weitergeht. Während es im ersten Lockdown im Krankenhaus noch relativ ruhig war, änderte sich die Situation ab Herbst und besonders im November, als die Zahlen stark angestiegen sind. Das haben wir natürlich auch extrem gemerkt. Mittlerweile hat sich das Ganze wieder etwas entspannt. Die Coronastation konnte aufgelassen werden. Derzeit herrscht eigentlich wieder ein normaler Betrieb, viele Eingriffe werden nachgeholt. Claudia Berkmann (32), diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Dornbirn

12 Monate Corona: Home Schooling, Distance Learning, Schichtbetrieb. Jede dieser Phasen stellte die Resilienz aller Beteiligten auf eine harte Probe. Nun sind wir im Hybridunterricht angelangt und stehen wieder vor Herausforderungen: Wie erreichen wir gleichzeitig die Anwesenden und jene, die über ihre Computer zugeschaltet sein sollten? Können die Wochenpläne erfüllt werden? Und warum funktioniert der Beamer nicht! Folgende Einsicht sollte aber nach einem Jahr der emotionalen Achterbahnfahrt außer Diskussion stehen: Schule ist systemrelevant. Sie ist Marktplatz für den Austausch von Ideen, Ort zum Erkunden von Identitäten, Fixpunkt im Tagesablauf. Es ist offenkundig, wie wichtig all diese Faktoren für junge Menschen sind, um mental und körperlich gesund zu bleiben. Hierin sehe ich nun unseren Auftrag für die nächsten zwölf Monate: Weniger Leistungsdruck, dafür mehr emotionale Begleitung. Erst durch Empathie und Solidarität können wir wieder jene Kraft und Zuversicht zurückgewinnen, die wir brauchen, um gemeinsam aus der Krise herauszukommen. Jürgen Schacherl (43), Lehrer am BG Bludenz

Eva Pawlik Schreiber, Yoga Shiatsu, Hohenems
Eva Pawlik Schreiber, Yoga Shiatsu, Hohenems

Ich bin seit 2004 Shiatsupraktikerin, seit 2013 wieder als Hauptberuf. Der erste Lockdown hat uns allen geholfen Ruhe zu bewahren. Es war still und man hatte Verständnis nach den schrecklichen Bildern aus Italien. Sechs Wochen durften wir nicht arbeiten. Wir erhielten eine finanzielle Unterstützung um unsere Fixkosten decken zu können. Wir Shiatsupraktiker haben verstärkte Hygienemaßnahmen getroffen, am 2. Mai durften wir aufsperren. Leider mussten wir Mitte November wieder zusperren, bis 6. Dezember. Wieder gab es finanzielle Unterstützung. Wir mussten wieder alle Termine verschieben, es gab nie einen Cluster oder Einzelfälle in einer Shiatsupraxis. Am 7.Dezember durften wir wieder aufsperren bis 25. Dezember, dann zuerst die Meldung der Bundesregierung, dass wir am 18. Jänner aufsperren dürfen, dann doch erst am 25.Jänner, dann doch erst am 8. Februar. Allein am 5. Februar haben mir zehn Kunden abgesagt, weil sie in der Woche drauf keinen Testtermin bekommen haben. Warum ist Selbsttesten nicht erlaubt? Wer bezahlt mir, wenn Kunden ausbleiben, weil es keinen Testtermin gibt? Wir müssen noch länger mit den Viren leben. Deshalb bitte, so lebenswert wie möglich. Eva Pawlik Schreiber, Shiatsupraktikerin, Hohenems