Über 400 Kinder verweigern Tests an Pflichtschulen

Vorarlberg / 19.03.2021 • 05:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Über 400 Kinder verweigern Tests an Pflichtschulen
Der Nasenbohrertest an Schulen ist harmlos. Darin sind sich die Experten einig. Kinder, deren Eltern diese Tests verweigern, dürfen nicht in die Schule kommen. VN/STEURER

Verantwortlich dafür sind die Eltern. Sie machen es damit ihren Sprößlinge nicht unbedingt leicht.

Schwarzach “Die Kinder tun mir leid. Sie können ja nichts dafür. Ihnen wird der soziale Kontakt mit den Klassenkolleginnen und -kollegen vorenthalten. Ich finde das schlimm.” Sabine Bader (58), Direktorin der Volksschule Edlach in Dornbirn, findet klare Worte für jene Eltern, die seit dem Restart des Präsenzunterrichts die Zustimmung zu Selbsttests ihrer Kinder verweigern und ihnen damit den Zutritt zu den Schulen versperren. An der Volksschule Edlach sind es fünf Kinder von vier Elternpaaren, die sich nicht selbst testen dürfen.

“Den Kindern wird durch die Testverweigerung der soziale Kontakt vorenthalten.”

Sabine Bader, Direktorin Volksschule Dornbirn Edlach

Den Schülern werden Lernpakete mit nach Hause gegeben, die sie dort zu bearbeiten haben. “Ein regulärer Unterricht ist das wie zu Zeiten des Lockdowns jedoch nicht. Darauf haben sie auch keinen Anspruch”, erklärt die Schulleiterin. Für die Kinder ist das ein großes Handicap im Hinblick auf die Leistungsbeurteilung. Denn dieser müssen sie sich in der einen oder anderen Form stellen.

Unverrückbare Positionen

In der Mittelschule Bregenz-Stadt ist Direktor Bernhard Posch mit zwei Testverweigerern konfrontiert. “Bei den Eltern eines der Jugendlichen habe ich sogar noch ein gewisses Verständnis. Da geht es um Existenzängste in Bezug auf den Job. Im anderen Fall habe ich es jedoch mit einer ziemlich unverrückbar positionierten Person zu tun, die zudem für ihr Kind eine gesonderte Unterrichtsbetreuung fordert und mit dieser Forderung schon an der höchsten Stelle in der Bildungsdirektion vorstellig wurde. Selbstverständlich gibt es keinen Anspruch auf gesonderten Unterricht. Das Kind kann ja diese Tests machen und wäre im Präsenzunterricht dabei”, schildert Posch die Situation.

Zuerst waren es 690 Kinder

Es sind dies zwei Beispiele für Testverweigerungen an Schulen, repräsentativ für alle anderen Bildungsstätten, an denen das Verweigern des Testens mit schwerwiegenden Konsequenzen verknüpft ist.

Mit Stand 13. März sind es 425 Schülerinnen und Schüler, die den Selbsttest in der Schule verweigern. In der ersten Woche des Restarts der Schulen mit Präsenzunterricht waren es noch 690 Pflichtschüler, deren Eltern der Testung nicht zugestimmt haben. “Die Entwicklung der Zahlen belegen, dass sich der anfängliche Widerstand vieler Eltern inzwischen gelegt hat”, kommentiert Elisabeth Mettauer-Stubler, Leiterin der Kommunikation in der Bildungsdirektion (BID) Vorarlberg, die Situation. Eltern hätten gemerkt, dass ihre Kinder ohne Test auch an keinen Schularbeiten oder schulischen Tests teilnehmen können. “Zum anderen haben sie festgestellt, dass der Antigentest für die Schüler kein Problem darstellt”, weiß Mettauer-Stubler.

Testen nur für Schularbeit

Die Praxis habe Ängste verschwinden lassen, Anfragen und Beschwerden zum Thema seien weniger geworden, berichtet die BID-Pressesprecherin.

Grundsätzlich haben die dem Präsenzunterricht fernbleibenden Schüler ein Recht auf Bildung. Allerdings nur nach Möglichkeit der Ressourcen an den jeweiligen Schulen. Nachdem die Lehrer nun alle wieder mit Präsenzunterricht beschäftigt sind, genießt dieser Priorität.

Auch an den Schularbeiten dürfen nur getestete Schüler teilnehmen. “Es gibt Eltern, die lassen ihre Kinder lediglich für die Schularbeiten testen und danach wieder nicht, sodass sie nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können”, berichtet Mettauer-Stubler. Andere verweigern Tests grundsätzlich. Für diese müssen alternative Grundlagen der Leistungsbeurteilung gefunden werden, zum Beispiel Arbeitsaufträge, Mitarbeit im Distance Learning, Portfolios oder mündliche Prüfungen via Videokonferenz.

Was sich schulisch womöglich noch halbwegs kompensieren lässt, geht sozial nicht mehr. Die Testverweigerer bleiben von ihren Freunden und Schulkollegen abgeschnitten. Je länger das dauert, desto größer kann der Schaden werden.

Testverweigerer Pflichtschulen

Kalenderwoche 7 (15. bis 19. Februar): 690 Schüler (2 Prozent), 400 Volksschulen (2,3 Prozent), 290 Sekundarstufe I (1,8 %)

Kalenderwoche 8 (22. bis 26. Februar): 630 Schüler (1,9%), 390 Volksschulen (2,2%), 240 Sekundarstufe I (1,5 %)

Kalenderwoche 9 (1. bis 5. März): 490 Schüler (1,4 %), 290 Volksschulen (1,6 %), 200 Sekundarstufe I (1,2 %)

Kalenderwoche 10: 425 Schüler (1,3 %), 240 Volksschulen (1,4 %), 185 Sekundarstufe I (1,1 %)