Gericht: Dem Arbeitskollegen sexuelle Übergriffe unterstellt

Vorarlberg / 19.04.2021 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Dem Arbeitskollegen sexuelle Übergriffe unterstellt
Mit ihrer Klage hatte eine 46-jährige Wirtschaftsexpertin vor Gericht keinen Erfolg. Symbol/VN/Paulitsch

Angestellte muss für Verleumdung knapp 3000 Euro Prozesskosten des Gegners übernehmen.

Bregenz, Feldkirch Eine 46-jährige Wirtschaftsexpertin trat im Jänner 2018 ihre neue Arbeitsstelle bei einem international tätigen Vorarlberger Industriebetrieb an. Auf Grund ihrer Zusatzqualifikationen begrüßte man sie gerne in einer der Verkaufsabteilungen. Ein Arbeitskollege wurde beauftragt, die „Neue“ einzuschulen. Der 34-Jährige ist Techniker. Doch bei der Einschulung haperte es von Anfang an. Er setzte gewisse Dinge voraus, sie empfand sein Verhalten als ungeduldig und unsensibel.

Offenbar hatte die Frau Schwierigkeiten damit, gewissen Abläufen zu folgen. Es gab Beschwerden, neue Versuche, Unverständnis und Ungeduld trafen aufeinander. Schlussendlich fragte die Frau nichts mehr und machte, was sie für richtig hielt. Dann kam der Kollege dahinter, dass dieses „Weiterwurschteln“ Kunden verärgert hatte, es kam zum Streit. Als das Arbeitsverhältnis der Frau aufgelöst wurde, äußerte die Angestellte Vorwürfe, der jüngere Kollege hätte sie sexuell belästigt.

Klage auf Unterlassung

Der 34-Jährige wollte diese Verunglimpfung nicht hinnehmen. Er klagte auf Unterlassung. Auch die angeblich sexuell Belästigte wollte sich nicht geschlagen geben. Im Gegenteil, sie klagte auf 3000 Euro.

Der Kollege habe immer auf ihre Brüste gestarrt, gesagt, ihm werde dabei ganz heiß. Einmal sei er auf einem Gymnastikball unter ihrem Schreibtisch auf ihre Beine zugerollt, habe mit seinem Kopf ihre Oberschenkel berührt und gefordert, sie solle ihn massieren. Er habe eine andere Kollegin am Arbeitsplatz massiert, diese habe gestöhnt und sie hätten über Sex geredet. „Keine der Behauptungen stimmte“, kann Olivia Lerch, Rechtsanwältin des Verleumdeten, nur den Kopf schütteln.

Im Prozess unterlegen

Das Gericht stellte fest, dass sich die Kommunikation zwischen den beiden Streitteilen von Anfang an schwierig gestaltet hatte. Dass in dem Großraumbüro keiner der 20 bis 30 Mitarbeiter etwas von den angeblichen Belästigungen mitbekam, scheint dem Gericht seltsam.

„Der Beklagte macht den Eindruck, dass er sich sehr um die Wahrheit bemüht“, so heißt es im Urteil. „Das Vorbringen der Klägerin, sie wäre in ihrer Würde verletzt worden, konnte das Gericht jedenfalls nicht nachvollziehen“, zitiert Lerch aus dem Urteil. „Mein Mandant hat seine Kollegin weder diskriminiert noch sexuell belästigt“, zeigt sich die Anwältin über den siegreichen Ausgang erfreut. Auch beim Begehren, die Frau solle gefälligst derartige Äußerungen unterlassen, war der Techniker erfolgreich. Auch die Kosten dieses Verfahrens von über 800 Euro musste die Frau übernehmen.