Spitalsärzte auf Kassenstellen

Vorarlberg / 20.04.2021 • 18:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neues Modell soll Versorgungsprobleme in der Augenheilkunde lindern. Ausschreibung läuft.

Dornbirn Die prekäre Versorgungssituation bei niedergelassenen Augenfachärzten beschäftigt auch Land und ÖGK. Wie berichtet, ist es aufgrund zahlreicher unbesetzter Kassenstellen derzeit kaum möglich, für Vorsorgeuntersuchungen der Augen zeitnah einen Termin zu bekommen. In den meisten Fällen heißt es stattdessen bis zu einem halben Jahr warten.

Mehr Ausbildungsstellen

„Die Situation ist bekannt, eine schnelle Änderung gestaltet sich jedoch schwierig“, räumen Landesrätin Martina Rüscher und ÖGK-Landesstellenvorsitzender Jürgen Kessler im VN-Gespräch ein. Es fehle schlicht an Ärzten. Um die durch Pensionierungen und sonstige Abgänge aufgerissenen Lücken zu füllen, setzt die ÖGK unter anderem auf Teilstellen. Dieses Modell soll Spitalsärzte animieren, neben dem Krankenhaus auf einer halben Kassenstelle zu arbeiten. Eine österreichweite Ausschreibung läuft. Das Land wiederum hat beim Bund angeklopft und ersucht, die Augenheilkunde als Mangelfach zu bewerten, um mehr Ausbildungsstellen zu bekommen, wobei hier auch die Ärztekammer mitspielen muss.Derzeit gibt es im Land knapp 23 Kassenstellen. In den vergangenen vier Jahren wurden 3,5 Planstellen neu geschaffen. Zusätzlich ordinieren zehn Wahlärzte. Freie Kassenstellen warten aktuell in Lingenau, Bregenz (Neueröffnung im April), Rankweil, Feldkirch, Hohenems und Bludenz auf Nachbesetzungen. Dazu kommen zwei vakante 50-Prozent-Stellen in Dornbirn und Bregenz. Laut Rüscher ist das Thema schon in zahlreichen Sitzungen besprochen worden, auch mit der Fachgruppe. Aus ihrer Sicht müsste die Anzahl der Ausbildungsstellen im LKH Feldkirch dringend erhöht werden. Derzeit gibt es sieben. Das Problem dabei ist, dass es Fachärzte braucht, um ausbilden zu können. Es ist also eng, sowohl im stationären wie niedergelassenen Bereich. Der verzeichnete 2019, 2020 und 2021 keine einzige Bewerbung aus dem LKH Feldkirch.

Zudem gibt es auch in der Augenabteilung eine lange Warteliste. So berichtet etwa ein Leser, dass er trotz eines Attests seines Augenarztes und Überweisung zur OP erst am 24. November 2021 einen Termin für eine Voruntersuchung erhalten hat. Die Überweisung selbst wurde bereits am 26. Jänner 2021 ausgestellt. „Wir müssen Ärzte von außen holen und ihnen zeigen, wie attraktiv die Ausbildung in Vorarlberg ist“, sagt Martina Rüscher. Sie spricht sich für attraktivere Kassenverträge aus und bemängelt, dass Wahlärzte nicht mehr versorgungswirksam sind. Jürgen Kessler wendet ein, dass es nicht zwingend an den Rahmenbedingungen scheitert. Er verweist auf die zahlreichen Bemühungen auch vonseiten der Gemeinden, eine Infrastruktur für Ärzte bereitzustellen und die von Ärztekammer und ÖGK geschaffenen flexiblen Job-Sharing-Modelle.

Schwieriger Zugang

Dringend etwas ändern muss sich laut dem ÖGK-Landesvorsitzenden aber am Zugang zum Medizinstudium, der viele Interessenten abwirft. Das Modell der Teilstellen hält Kessler für eine gute Möglichkeit, die gegenwärtige Talsohle in der Augenheilkunde zu durchschreiten und berichtet von positiven Gesprächen mit der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG). Es gebe auch bereits Standortvorschläge: „Wir gehen diesen Weg weiter.“

„Die Situation ist bekannt, eine schnelle Änderung gestaltet sich jedoch schwierig.“