Die lange Reise des legendären „Falken“ im Vorkloster

Vorarlberg / 28.04.2021 • 17:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Viele Gäste und Nachtschwärmer waren im Falken bzw. im Ballhaus zu Gast.<span class="copyright">fst/2</span>
Viele Gäste und Nachtschwärmer waren im Falken bzw. im Ballhaus zu Gast.fst/2

Erst Badeanstalt dann Nachttreff, später Casino. 2020 erfolgte der Abbruch.

Bregenz Mit dem Bau der Eisenbahn zwischen 1870 und 1884 trat Bregenz in eine Wachstumsphase ein, die besonders das Vorkloster (das damals zur Gemeinde Rieden gehörte) betroffen hat. Damals entstand ein regelrechter Industriegürtel, der sich von der Stadt bis zur Riedenburg zog. Zum neuen Zentrum des Vorklosters entwickelte sich das Quellenviertel. Noch 1857 war der Bereich der Quellenstraße ein großes Feld ohne Häuser, in den 1880er-Jahren setzte ein wahrer Bauboom ein und schon um 1900 waren die Quellenstraße und ihre Seitenstraßen zur Gänze verbaut.

Turm und Quellen

Der charakteristischer Turm über dem Eingang des Falken wachte fast eineinhalb Jahrhunderte lang über das Quellenviertel. Die häufig zu Tage tretenden Quellen, denen das Quellenviertel seinen Namen verdankt, wurden schon von den alten Römern geschätzt, heißt es bei Samuel Jenny. Bereits 1848 hatte Johann Sutter die Heilkraft dieser Quellen wiederentdeckt und das „Publikum zum zahlreichen Besuche“ in sein Mineralbad eingeladen. 1869 inserierte Gebhard Frener seine „Badeanstalt und Gasthof Rohner“ mit einer Abbildung des Gasthofs Falken.

Bad im Vorkloster ab 1874

Eröffnet wurde das „Bad im Vorkloster“ im Mai 1874. Badbesitzer war Gebhard Frener. Er gab dem „verehrten Publikum bekannt, dass er sein Bad im Vorkloster zum allgemeinen Gebrauch mit 1. Juni wieder eröffnet“. Das war die Geburtsstunde des „Badhotels Rohner“, des späteren Falken. Sogar ein Shuttle-Dienst wurde eingerichtet. Per „Chaise in Bregenz beim Gasthause des Herrn Gebhard Feßler“ konnte man sich um 8 und 14 Uhr ins Vorkloster kutschieren lassen.

Kaspar Rohner übernahm

Ab 1883 führte Gebhard Freners Witwe den Betrieb. Sie verkaufte dann die Badeanstalt samt Gasthof an Kaspar Rohner. „Um 1880 als Metzgerei und Gasthaus Rohner bekannt, wurde das Haus zu einem ‚Badhotel‘ umgestaltet. Das Haus präsentierte sich als schönes Hotel mit Gast- und Fremdenzimmern, einem großen Saal („Falkensaal“), schattigem Garten und einer gute Küche. Besonders in den Vordergrund gestellt wurde die günstige Lage, nur zehn Minuten vom „Staatsbahnhof“ in Bregenz und gar nur fünf Minuten vom Bahnhof Vorkloster entfernt. Auch das Postamt war nah und letzter Schrei der Technik war ein eigener Telefonanschluss mit der Nummer 174.

Strom durch Wasser geleitet

Voller Stolz priesen 1909 Hotelbesitzer Kaspar Rohner und sein Bruder Franz Josef, der als Bademeister tätig war, auf einem Informationsblatt die Vorzüge des bislang unbekannten „Lothanninbades“ an – eine Neuerung mit vielfältigen Wirkungsweisen. Das Besondere an diesem Bad war der Strom, der durch das mit Tannin und zahlreichen Kräuterextrakten versetzte Wasser geleitet wurde.

Legendäre Feste im Falkensaal

Nach den beiden Brüdern Rohner übernahm die Familie Geißelmann im Jahre 1925 die Rohner’sche Badeanstalt. Im legendären Falkensaal wurde u.a. im Fasching das erste Notruffeschtle und der Vorklöstner Ball gefeiert, der Falken war das Zuhause des Duos Geißelmann – und für manche Florianijünger der nahen Feuerwehr (die damals in der Ilgagasse zu Hause war), war der Falken ein zweites Zuhause. Sogar Bürgermeister Fritz Mayer, den man nur selten in Gastlokalen sah, fühlte sich hier wohl.

Kultlokal Ballhaus

Bis 1989 blieb der Falken im Familienbesitz der Geißelmanns, ehe er verkauft wurde. Er diente als „Ballhaus“, ein legendärer Treff für junge Nachtschwärmer, ehe der Besitzer abermals wechselte, die Pension endgültig geschlossen wurde und aus dem Falkensaal ein Privat-Casino wurde. 2020 wurde der Falken abgerissen, was auf dem Grundstück weiter geschehen soll, ist noch unbekannt.

Bereits vor rund 20 Jahren existierten Pläne für eine Neugestaltung unter Einbeziehung des „Forum-Kaufhauses“, doch für die damaligen Zeiten waren die geplanten Neubauten noch undenkbar, „da sie zu hoch waren und den Blick auf den Pfänder verstellen würden“. Die Zeiten haben sich geändert. Fst

Im vergangenen Jahr wurde der Falken abgerissen.
Im vergangenen Jahr wurde der Falken abgerissen.