„Ich bin ein Freigeist.“

Vorarlberg / 28.04.2021 • 12:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Ich bin ein Freigeist.“
Künstlerin Karin Ellensohn plaudert mit der VN-Heimat über ihre Arbeit.Bischof

Karin Ellensohn (58) stellt aktuell in der Galerie Kukuphi ihre neuesten Exponate aus.

Koblach Für die in Koblach lebende Künstlerin Karin Ellensohn stellte die Zeit des Lockdowns eine besondere Herausforderung dar. Sie hatte kurz zuvor ihr neues Atelier im Kästle-Areal in Hohenems eröffnet und konnte aufgrund der geltenden Maßnahmen dort nun längere Zeit keine Workshops und Kurse anbieten. Dennoch nützte sie die gewonnene Zeit gut und bereitete eine Ausstellung in der Kellergalerie Kukuphi in Bludenz vor. Am vergangenen Samstag fand dort die Vernissage als Soft-Opening statt.

Wodurch wurde Ihr Interesse an Kunst geweckt?

ELLENSOHN Mein Vater malte und schnitzte gerne in seiner Freizeit. Seine Kunstbücher, Pinsel und Farben weckten schon in der Kindheit mein Interesse. Eine inspirierende Zeit für mich war vor allem das BORG Feldkirch. Das Fach Malen wurde von einem Professor unterrichtet, der die Kunst liebte und uns die Freiheit ließ, zu experimentieren.

Was bedeutet Kunst für Sie?

ELLENSOHN Diese Frage kann ich mit einem Satz beantworten. Kunst beginnt dort, wo Worte nicht mehr reichen.

In welcher Form haben Sie sich künstlerisch weitergebildet?

ELLENSOHN Ab dem Jahr 2000 besuchte ich unterschiedliche Kurse bei Künstlern. Ich ging immer gerne in die Natur, um Perspektiven zu skizzieren. Zudem las ich die Bücher meines Vaters und kaufte noch viele dazu. Und ich malte unentwegt. Als Kursleiterin von Workshops für Acryl-, Akt- und Zeichenkurse in Firmen gab ich meine Art zu malen weiter. Ausstellungen und Auftragsarbeiten folgten. Jetzt organisiere ich nur mehr ab und zu Kurse und male alleine in meinem Atelier in Hohenems.

Sie haben auch an der Akademie Hamburg ein Fernstudium absolviert?

ELLENSOHN Ja, ich habe mich dafür entschieden, damit ich Familie und meinen Beruf unter einen Hut bekomme. Ich wollte Kunst studieren. Aber bis heute habe ich es überhaupt nicht bereut, diesen Weg gewählt zu haben. Ich bleibe überzeugte Autodidaktin und Freigeist.

Wie sieht Ihre künstlerische Herangehensweise aus?

ELLENSOHN Ich treffe die bildnerischen Entscheidungen intuitiv und frei aus mir heraus.

Sie kommen ursprünglich aus Vandans. Wie ist es für Sie, sozusagen in der Heimat auszustellen?

ELLENSOHN Im Ländle habe ich schon öfters ausgestellt. So auch vor einigen Jahren in Vandans in der Galerie ad fontanas, meinem Geburtsort. Jetzt in Bludenz auszustellen ist – trotz dieser Zeit – eine tolle Erfahrung.

Die Galeristin Sigi Fritsche bezeichnet sie als sehr gewissenhafte und genaue Künstlerin. Finden Sie diese Beschreibung zutreffend?

ELLENSOHN Das mag beim Resingießen wohl stimmen, da dieses Medium einen eigenen Kopf hat. Sonst bin ich eher ein Mensch, der gerne mal was liegen lässt oder aufschiebt. Spontan, offen und auch diplomatisch. Und manchmal rede ich auch zu viel.

Seit drei Jahren arbeiten Sie mit Resin. Was ist das für ein Material und wie wenden Sie es an?

ELLENSOHN Resin, auch Epoxy genannt, kommt aus dem Englischen und bedeutet Harz. Es ist ein Zweikomponentensystem: Harz und Härter. Durch eine Mischung der beiden entsteht eine chemische Reaktion, das flüssige Resin wird zu einem festen Material. Learning by doing, heißt mein Motto.

Aus welchem Grund haben Sie für die aktuelle Ausstellung den Titel „Unentwegt bewegt“ gewählt?

ELLENSOHN Der Titel ist sowohl auf mich als auch auf meine Werke bezogen. Mit Resin zu arbeiten, war eine Herausforderung für mich und hieß für mich, einen anderen Weg einzuschlagen. Für die Bilder habe ich Marmormehl, Edelsteine, Kupfer- und Goldpasten in das fließende Resin eingearbeitet. Das sind alles Materialien, die im Inneren der Erde entstanden sind. Die jeweiligen Titel der ausgestellten Bilder und Tische, wie etwa „Veränderung“, „Energie“, „Vereinigung“, tragen Entwicklung, dieses Bewegtsein, unentwegt weiter.

Ausstellung

Die Ausstellung „Unentwegt bewegt“ ist bis 15. Mai in der Kellergalerie Kukuphi in Bludenz jeweils am Donnerstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 12 Uhr zu sehen. Ein Treffen mit der Künstlerin kann unter der Telefonnummer 0664/9284455 vereinbart werden. BI

Zur Person

Karin Ellensohn

Geboren 18. September 1962

Wohnort Koblach

Familie verheiratet mit Albert, zwei Kinder (Daniel, 29 Jahre; Melanie, 26 Jahre)

Hobbys Lesen, Wandern, Skifahren, Radfahren, in der Natur sein