Klaus Hämmerle

Kommentar

Klaus Hämmerle

Anwalt der Schutzlosigkeit

Vorarlberg / 29.04.2021 • 05:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Was macht ein verantwortungsvoller Schuldirektor in Zeiten von Corona?
Er sieht zu, dass er seine Schule und die ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich schützt. Er tut alles, um Ansteckungen zu vermeiden und ein möglichst sicheres Umfeld an der Lernstätte zu gewährleisten.

Genau das hat Simon Hagen, Direktor der Volksschule Montfort in Rankweil, getan. Er, an dessen Schule gehäuft Infektionen auftreten, wollte für einen kurzen Zeitraum tägliche Tests durchführen lassen. Er tat dies auch im Wissen um die besondere Gefährdung einiger seiner Schüler. Diese sind durch Vorerkrankungen einem überdurchschnittlich hohen Risiko ausgesetzt. Es gibt nachweislich Kinder an der Schule, für die eine Infektion tödlich enden könnte. Hagen wusste mit seiner Vorgehensweise die überwältigende Mehrheit der Eltern hinter sich.

Dass drei Elternteile der insgesamt 250 Schüler gegen diese geplanten Maßnahmen auftraten, ist selbstverständlich legitim. Dass diese nicht das Gespräch mit dem Direktor suchten und sich gleich an den Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch wandten, ebenso. Wenn auch wenig taktvoll.

Was nun macht ein verantwortungsvoller Verteidiger von Kinder-und Jugendrechten mit dieser Situation? Michael Rauch hat seine Antwort darauf geliefert. Er stellt sich nicht etwa hinter die nachvollziehbaren Schutzinteressen der überwältigenden Mehrheit der Eltern und Kinder. Er verteidigt die Position der wenigen Aufbegehrer, nennt das Vorgehen des Direktors „unverhältnismäßig“ und beeinsprucht die vorgesehenen Maßnahmen bei der Bildungsdirektion.

Während also der Direktor seine Schützlinge so gut wie möglich zu schützen sucht, stellt sich der für den Schutz von Jugendlichen und Kindern zuständige Amtsträger gegen die größtmögliche Sicherheit für diese Kinder.   

Diese Einstellung des Kinder- und Jugendanwalts macht fassungslos. Er befeuert damit jene verschwindend kleine Minderheit im Land, die laut polternd, zum Teil anmaßend, unverschämt und beleidigend über Direktoren, Lehrer und Schulbehörden herfällt. Statt den Schutz für Kinder erhöhen zu wollen, fördert er ein Stück Schutzlosigkeit.

Die rechtlichen Bedenken von Michael Rauch gegen die geplanten Testmaßnahmen mögen gerechtfertigt sein. Seine Haltung ist es nicht.