Rheindelta-Gemeinden: Mit Appellen und Flyern gegen Corona

Die betroffenen Gemeinden kämpfen gemeinsam.
Fußach Peter Böhler schwante nichts Gutes, als er am Montagmorgen um 7.15 Uhr in seinem elektronischen Postfach eine E-Mail von Landeshauptmann Markus Wallner vorfand, in dem er gebeten wurde, alsbald ins Landhaus zu kommen. „Eine leise Ahnung, dass es etwas mit den gestiegenen Coronainfektionen zu tun haben könnte, war da“, erzählt der Fußacher Bürgermeister. Deshalb überraschte ihn die Entscheidung des Landes, eine vorläufige Ausreisetestpflicht für das Rheindelta zu verfügen, nicht wirklich. Schon eher, dass die Fallzahlen in der 4000-Einwohner-Gemeinde plötzlich zunahmen. „Es war bei uns ja lange Zeit sehr ruhig“, fügt Böhler an. Am Montag gab es in Fußach 18 aktiv Positive, am Dienstag waren es 16 Betroffene. Höher sind die Zahlen in den Nachbargemeinden. In Höchst kletterte die Zahl von 61 auf 63, in Gaißau zeigt die Statistik 22 nachgewiesene Infektionen.
Beunruhigte Gemeindechefs
In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die drei Bürgermeister Peter Böhler, Reinhard Eberle und Herbert Sparr auf ihren Gemeindewebseiten an die Bevölkerung gewandt. Darin heißt es unter anderem: „Es beunruhigt uns jetzt sehr, dass es viele nicht mehr so genau mit der Einhaltung der Covid-19-Regeln nehmen und die Anzahl der Infizierten wieder stark steigt. Um weiterhin die Modellregion Vorarlberg und das gesellschaftliche Leben im Rheindelta aufrecht zu erhalten, appellieren wir an das Verantwortungsgefühl und die Disziplin von euch allen. Es ist, trotz Lockerungen, steigender Temperaturen und den damit verbundenen Outdoor-Aktivitäten wichtig, die geltenden Regeln zu respektieren und einzuhalten. Einen weiteren Schritt in Richtung Normalität erreichen wir sicherlich auch durch die Covid-19-Schutzimpfung, die in Vorarlberg sehr gut angenommen wird.“ Abschließend dann der eindringliche Appell: „Nur wenn wir alle zusammenhalten, können wir das Virus in die Schranken weisen.“
Stau am Landestestbus
Die Worte scheinen anzukommen. „Die Bevölkerung zeigt sehr viel Verständnis für die Maßnahme“, weiß Peter Böhler aus Gesprächen. Natürlich gebe es auch kritische Stimmen, aber: „Im Grunde ist den meisten daran gelegen, das bisschen Freiheit, das wir bekommen haben, zu verteidigen.“ Darauf lassen laut dem Gemeindechef auch die Testzahlen schließen. Bislang wurden an drei Tagen rund 300 Tests durchgeführt, inzwischen ist das Angebot auf 400 bis 470 aufgestockt worden. Stauerscheinungen gab es am Landestestbus, der am Dienstagmorgen auf dem Kirchplatz in Höchst auffuhr. Die Ankündigung, dort seien Tests auch ohne Anmeldung möglich, lockte schon früh zahlreiche Testwillige an. Die Folge war eine Warteschlange. „Mit Anmeldung geht es rascher“, flicht Böhler augenzwinkernd ein.
Zusätzlich gestalteten die Bürgermeister einen Flyer, in dem sämtliche Informationen, die ab heute, Mittwoch, gelten, zusammengefasst sind. „Alle Bürger sollen den gleichen Wissensstand haben“, sagt Peter Böhler. In Fußach machten sich Pensionisten mit ihren Fahrrädern auf den Weg, um die Flyer unter die Leute zu bringen.