Vom Alltag einer Alleinerzieherin

Vorarlberg / 30.07.2021 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vom Alltag einer Alleinerzieherin
“Wir sind ein gutes Team”, sagt Alleinerzieherin Sabrina Grass über sich und ihren Sohn Julian. VN/STIPLOVSEK

Sabrina Grass (40) träumt von einem Strandurlaub, einem kleinen Haus mit Garten und einer neuen Liebe.

Höchst Es gibt keine heile Welt. Das war Sabrina Grass (40) bereits als Kind klar. Weil ihre Mutter krank war, musste sich Sabrina häufig um den Haushalt kümmern. „Ich war früh selbstständig, habe mir das Frühstück immer selbst gemacht.“ Als sie 13 war, ließen sich ihre Eltern scheiden.

Mit 17 verliebte sie sich in einen 16-Jährigen. Nun träumte Sabrina den Traum, den viele träumen. „Ich wollte heiraten, zwei Kinder bekommen, ein Haus bauen und mit meinem Mann alt werden.“ Rückblickend meint Sabrina dazu: „Ich war richtig naiv.“ Im Jahr 2008 heiratete sie ihre Jugendliebe. 2010 kam Söhnchen Julian zur Welt. Nun war das Glück der kleinen Familie perfekt.

Nach dem Scheitern der Ehe in eine Krise geschlittert

Aber die Welt ist nicht heil. Nur wenige Monate nach der Geburt von Julian zerbrach die Ehe. Das katapultierte Sabrina von heute auf morgen in eine gewaltige Krise. „Es war, als ob man mir den Boden unter den Füßen weggezogen hätte. Das war der absolute Tiefpunkt in meinem Leben.“ Nun stand sie mit dem Kind allein da. „Ich hatte keine Wahl und musste es allein schaffen.“

Ein Leben ohne ihren Sohn Julian könnte sich Sabrina Grass nicht mehr vorstellen.
Ein Leben ohne ihren Sohn Julian könnte sich Sabrina Grass nicht mehr vorstellen.

Glücklicherweise fand sie schnell eine Arbeitsstelle bei einem Arzt. Das linderte ihre massive Existenzangst. Dass sie Beruf und Kind unter einen Hut bringen und außerdem noch die Ausbildung zur Ordinationsassistentin machen konnte, verdankt sie ihrer Ex-Schwiegermutter und ihrer Freundin. „Ohne die beiden hätte ich es nicht geschafft.“ Sabrina ist immens froh, dass sie Menschen um sich herum hat, die sie unterstützen. „Wenn man niemand hat, kann man unmöglich ein Kind großziehen.“ Eine besonders wichtige Bezugsperson für Julian ist die Oma. „Bei ihr hat mein Sohn ein zweites Zuhause. Wenn ich arbeite, ist er bei Oma Kati. Er übernachtet auch öfters dort.“ Auch zu seinem Vater hat Julian eine gute Beziehung. „Ich bin erleichtert, dass Julian gerne zu ihm geht.“ Trotz aller Unterstützung – die Verantwortung für das Kind lastet letztlich auf Sabrina. „Manchmal würde ich sie gern teilen oder abgeben.“

“Das Leben ist ein Kampf”

Das Leben ist ein Kampf. Das denkt die Alleinerzieherin oft, vor allem am Ende eines Monats, wenn der ganze Lohn verbraucht ist und sie keinen Cent auf die Seite bringt. „Das dreizehnte und vierzehnte Gehalt und der Steuerausgleich retten mich durchs Jahr“, zeigt die alleinerziehende Mutter auf, dass es nicht leicht ist, sich und ihr Kind mit einem Teilzeitjob durchzubringen.  In wenigen Jahren, wenn ihr Sohn die Mittelschule besucht, möchte Sabrina mehr arbeiten, damit sie ihrem Kind mehr bieten kann. „Julian war noch nie am Meer. Ich würde es ihm gerne zeigen.“ Aber solche Urlaube sind derzeit finanziell (noch) nicht drinnen.

“Mein Knuddel bedeutet mir alles. Ich möchte Julian niemals missen. Er bringt mich zum Lachen und macht mich stolz.”

Sabrina Grass, Alleinerzieherin

Manchmal hängt die 40-Jährige Tagträumen nach. Dann träumt sie von einem Strandurlaub, von einem kleinen Haus mit Garten, von einer neuen Liebe und von einer Zeit, in der sie wieder mehr Zeit für sich hat. „Die letzten zehn Jahre musste ich zurückstecken.“ Aber Sabrina tat dies gerne. Denn das Leben machte ihr mit Julian ein riesengroßes Geschenk. „Mein Knuddel bedeutet mir alles. Ich möchte Julian niemals missen. Er bringt mich zum Lachen und macht mich stolz. Zusammen haben wir schon vieles gemeistert.“ Auch Julian liebt seine Mutter über alles. „Er hat schon oft zu mir gesagt: ,Mama, du bist die beste Mama der Welt.‘“