Maria Bauer-Debois: eine Schulleiterin mit ganz viel Herz

Vorarlberg / 03.09.2021 • 10:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Maria Bauer-Debois: eine Schulleiterin mit ganz viel Herz
Maria Bauer-Debois ist nicht nur mit Leidenschaft Schuldirektorin, sondern auch Großmutter. Sarah, Jakob, Johanna und Sophia sind ihre Augensterne.

Maria Bauer-Debois leitet mit Begeisterung das Schulheim Mäder – und das seit knapp 20 Jahren. Privat musste sie in dieser Zeit einige Schicksalsschläge verkraften.

Mäder Maria Bauer-Debois (67) kam in den Genuss einer behüteten und glücklichen Kindheit und Jugend. Ihre Eltern waren liebevoll und tolerant. Sie ließen ihrer Tochter viel Freiraum und förderten so ihre Selbstständigkeit. Ihr Vater, ein Psychologe, war kriegsversehrt. „Ich bin mit dem Thema Behinderung aufgewachsen. Papa hat im Krieg ein Bein verloren. Er ging mit Krücken.“ Maria und ihre drei Geschwister unterstützten ihren invaliden Vater, wenn er Hilfe brauchte.

Bereits als Mädchen fühlte sich Maria zu kleinen Kindern hingezogen. „Ich wusste, dass ich einmal mit Kindern arbeiten möchte.“ Nach der Matura ließ sich die Linzerin drei Jahre lang zur Sonderschullehrerin mit Schwerpunkt Sprachheilpädagogik und allgemeine Sonderschule ausbilden. „Ich war damals eine der ersten, die diese Ausbildung in Österreich gemacht hat.“

Tochter war schwer gehandicapt

Der Berufseinstieg in einer Sonderschule in Leonding hielt, was er versprach. „Die eineinhalb Jahre dort haben mir sehr gefallen. Es war für mich ganz toll. Kinder geben einem viel.“ Ende der 70er Jahre übersiedelte Maria mit ihrem Mann, einem Vorarlberger, ins Ländle. Ihre neue Arbeitsstelle war die Sonderschule Feldkirch. Dort unterrichtete sie einige Jahre.

1981 wurde die Lehrerin zum ersten Mal Mutter. Ihre Freude war riesig. Denn: „Ich liebe Kinder und wollte eine eigene Familie.“ 1984 kam ihre zweite Tochter zur Welt. „Magdalena war schwerst- und mehrfachbehindert. Sie war voll auf Pflege angewiesen.“ Dass gerade sie einem gehandicapten Kind das Leben schenkte, sieht sie nicht als Zufall an. „Solche Kinder werden immer in die richtige Familie geboren.“ Maria übernahm die volle Verantwortung und zog auch dieses Kind groß wie die anderen zwei (gesunden) Töchter. Aber ein pflegebedürftiges Kind zu haben, verändert einen. „Durch Magdalena begann ich mich an kleinen Dingen zu erfreuen, an einer Blume am Wegrand, an einem Spaziergang.“ Magdalena zeigte ihrer Mutter aber auch, was wirklich wichtig ist im Leben. „Das Wichtigste ist die Gesundheit. Geld ist nicht wichtig, das Auto nicht und auch das Haus nicht.“

Maria Bauer-Debois mit ihrer pflegebedürftigen Tochter Magdalena (Mitte) und Tochter Katharina.
Maria Bauer-Debois mit ihrer pflegebedürftigen Tochter Magdalena (Mitte) und Tochter Katharina.

Im Jahr 2002 starb Magdalena mit 19 Jahren in den Armen ihrer Mutter. „Wir wussten, dass sie sterben würde. Aber für eine Mama ist der Tod des Kindes das Allerschlimmste.“ Es tröstete sie, „dass Magdalena ein glückliches Leben hatte und in ihrer Welt glücklich war“. Eine Woche später wurde Maria zur Direktorin des Schulheims Mäder bestellt. Ihre fachlichen und persönlichen Qualifikationen sowie ihre langjährige Berufserfahrung – zuletzt hatte Maria in Integrationsklassen einer Volks- und Mittelschule gearbeitet – hatten ihr diese Tür geöffnet.

Brustkrebs überlebt

Dass der Tod der Tochter mit der Bestellung zur Schulleiterin zusammenfiel, wertet sie nicht als Zufall, sondern als göttliche Fügung. „Ich glaube, dass eine höhere Macht Verschiedenes lenkt.“ Magdalena, so vermutet Maria, konnte gehen, „weil sie wusste, dass ihre Mama jetzt eine andere große Aufgabe hat“. Eines weiß die Pädagogin ganz sicher: „Ich hätte diesen Job nie machen können, wenn Magdalena noch gelebt hätte.“ Die Leitung der Schule, in der 70 junge Menschen mit Körper- und Schwermehrfachbehinderungen pädagogisch, therapeutisch und medizinisch in ihrer Entwicklung individuell begleitet werden, war für Maria aber nie nur ein Job. „Für mich ist es Berufung.“

Die 67-Jährige hätte schon längst in Pension gehen können. „Aber warum soll ich aufhören, wenn es mir Spaß macht und ich mit den Lehrern was bewegen und auf die Füße stellen kann?“ Es beglückt sie, in der Schule jeden Tag Wunder miterleben zu dürfen. „Wenn ein Kind zum ersten Mal ein paar Schritte macht oder erstmals mit dem Löffel selbst isst, läuft die ganze Schule zusammen und applaudiert. Das sind unsere Erfolge.“ Maria findet es „toll“, dass sie noch arbeiten und in der Schule das weitergeben kann, was ihr ihre Eltern mitgegeben haben, Liebe und Einfühlungsvermögen. „Wir sind wie eine große Familie. Ich bin die Mama.“ Selbst als sie vor zwei Jahren an Brustkrebs erkrankte, kam sie an ihren Arbeitsplatz. „Ich war nur wenige Tage weg.“ Die zweifache Mutter und vierfache Großmutter hat die Krankheit gut überstanden. „Ich habe einen stärkeren Lebenswillen und mehr Energie als vorher.“

Maria Bauer-Debois bereitet sich derzeit auf den Schulstart vor. <span class="copyright">Nikolaus Walter</span>
Maria Bauer-Debois bereitet sich derzeit auf den Schulstart vor. Nikolaus Walter

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