Bewahrer des heimatlichen Kulturguts

Vorarlberg / 09.09.2021 • 16:43 Uhr
Dr. Franz Häfele war ein Pionier der Geschichtsforschung Vorarlbergs . kkh
Dr. Franz Häfele war ein Pionier der Geschichtsforschung Vorarlbergs . kkh

Franz Häfele forschte zu Hohenems und Vorarlberg, bis der Krieg seine Arbeit vernichtete.

Hohenems Am 23. Februar 1889 wurde Franz Häfele als Sohn des Engelbert Häfele (Schniederlis) und der Rosalia Kick in der Parzelle Erlach geboren, wo die Eltern ein bäuerliches Anwesen bewirtschafteten. 1913 maturierte Franz Häfele am Gymnasium in Feldkirch und studierte anschließend in Innsbruck Philosophie, insbesondere Heimatgeschichte. Seine Doktorarbeit „Beiträge zur Geschichte des Grafen Jakob Hannibal von Hohenems“ war schon ein Heimatthema, mit dem er 1917 in Innsbruck zum Doktor der Philosophie promovierte. Nachdem er die Lehramtsprüfung abgelegt hatte, unterrichtete er von 1917 bis 1919 am Gymnasium in Dux in Böhmen.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie kehrte er nach Vorarlberg zurück und arbeitete wenige Jahre als Bibliothekar der Arbeiterkammer. In den Jahren 1922 bis 1929 widmete er sich ganz seinen Forschungen und verdiente seinen Lebensunterhalt mit bäuerlicher Arbeit auf dem elterlichen Hof.

Heimatgeschichtle Werke

Im Jahr 1922 brachte Dr. Franz Häfele das Buch „Bilder und Aufsätze aus der Geschichte Vorarlbergs und seiner Umgebung“ heraus. Ein heimatgeschichtliches Werk, anschaulich geschrieben und doch wissenschaftlich treu und genau, wurde es zu einer Fundgrube der Landesgeschichte und Heimatforschung. Von 1929 bis 1938 leitete Dr. Franz Häfele die Volksbüchereien in Bregenz und Dornbirn, bis er 1938 als Bibliothekar ins Landesarchiv in Bregenz eintrat. Dieser Tätigkeit, die ganz seinem Wesen entsprach, entriss ihm bald der Zweite Weltkrieg, da er zur Dienstleistung in der öffentlichen Verwaltung herangezogen wurde.

Ein Schicksalsschlag traf Häfele und seine Familie bei Kriegsende: Im Zuge der Kampfhandlungen bei der Einnahme Vorarlbergs durch französische Truppen wurde das Anwesen der Familie beschossen und stand lichterloh in Flammen. Während der Vater vergeblich Löschversuche unternahm, mussten seine Frau Dora und die acht Kinder ins Freie flüchten, wo sie neben den Kämpfenden im dichten Kugelhagel standen. Schmerzlicher als der Verlust aller materiellen Werte – eine umfangreiche Bibliothek und eine wertvolle Münzsammlung hatten dazugehört – war für den Forscher die Vernichtung seiner wissenschaftlichen Arbeiten, die einen bedeutenden Teil seines Lebenswerkes darstellten. Zum Glück hatte Häfele schon vorher manche seiner Abhandlungen in wissenschaftlichen Zeitschriften und Vorarlberger Lesebüchern veröffentlicht. Von den vielen Abhandlungen die einen speziellen Hohenems-Bezug haben seien hier einige angeführt: „Hohenems und das Nibelungenlied“, „Hohenems in vergangenen Zeiten“, „Aus dem Sagenschatz von Hohenems“, „der Dichter Rudolf von Ems“. Dr. Franz Häfele sammelte schon als Gymnasiast Hohenemser und Vorarlberger Sagen und rettete so viel heimatliches Kulturgut vor dem Vergessenwerden.

Entbehrungen

Es lässt sich nur erahnen, was wir im zweiten Band seiner umfassenden Geschichte Vorarlbergs noch alles erfahren hätten. Doch die Sorge um die Seinen, die Mühen um den Aufbau seines Anwesens sowie der Wiederaufbau seiner Heimat, der Verlust seiner wissenschaftlichen Lebensarbeit, die Entbehrungen der Nachkriegszeit und eine nicht ausgeheilte Grippe führten am 19. April 1947 zum allzu frühen Tod des großen Hohenemsers. bet