Kein Lagezuschlag für Vorarlberger Lehrer

Bildungsminister Faßmann über Lehrermangel, Matura und Coronaregeln.
Wien Bildungsminister Heinz Faßmann sieht aktuell keine Zeichen für eine Verschärfung der Coronamaßnahmen an den Vorarlberger Schulen. Sie seien nicht verdächtig, bald die höchste Sicherheitsstufe zu erreichen. Abwasseranalysen zeigten, dass der rasante Anstieg der Coronazahlen wieder abflache, wenngleich die Spitzen noch nicht erreicht seien. Zum Lehrermangel erklärt er, Vorarlberg zu unterstützen. Eine Art Lagezuschlag für Lehrer schließt Faßmann aber aus. Für die Elementarpädagogik, Nachmittagsbetreuung und Unterstützungspersonal kündigt er mehr Geld an; auch eine Regelfinanzierung.
„Die Schulen zahlen den Preis für die Unvernunft der Minderheit“, sagte der pädagogische Leiter der Bildungsdirektion in Vorarlberg, Andreas Kappaurer. Wie hoch ist der Preis?
Faßmann Ich versuche den Preis möglichst klein zu halten, indem die Schule funktioniert und offen bleibt. Die Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Schuljahr viel auf sich geladen und eine Solidarität mit den Älteren gezeigt. Ich möchte nicht, dass sie jetzt aus Solidarität mit den Ungeimpften abermals die Last der Pandemiebekämpfung auf sich nehmen.
In den Schulen Niederösterreichs, Oberösterreichs und Tirols tritt Sicherheitsstufe drei in Kraft. Das heißt: keine Schulveranstaltungen, nur digitale Sprechtage, Maskenpflicht im Unterricht in der Oberstufe. Gibt es auch Pläne für eine Stufe vier?
Faßmann Nein. Der Stufenplan hat sich bewährt. Ich sehe keine Notwendigkeit, ihn zu verändern.
Weitere Verschärfungen sind nicht angedacht?
Faßmann Es gibt die Möglichkeit, situationsabhängig an den Standorten zu verschärfen. Ein Schuldirektor kann dies bei entsprechender Lage mit der Bildungsdirektion vereinbaren.
Home Schooling schließen sie aus?
Faßmann Als flächige durchgängige Maßnahme schließe ich das aus. Wir haben derzeit vier geschlossene Schulen und 160 geschlossene Klassen, bei 58.000 Klassen in ganz Österreich. Wir sind weit weg von einer eskalierenden Lage.
Ändert ein Lockdown für Ungeimpfte etwas am Stufenplan?
Faßmann Nein.
Abwasseranalysen gewähren Ihnen einen gewissen Blick in die Zukunft. Was sehen Sie?
Faßmann Derzeit zeigt die Abwasseranalytik, dass es zwar noch Anstiege gibt, aber nicht mehr dieses exorbitante Hinaufschnellen der Zahlen. Plafonds sind vielleicht noch nicht erreicht, aber es kehrt eine gewisse Beruhigung ein.
Stimmt Sie das optimistisch?
Faßmann Sehr.
In den Vorarlberger Schulen herrscht derzeit die zweite Sicherheitsstufe. Wie wahrscheinlich kommt Stufe drei?
Faßmann Vorarlberg ist nicht so Stufe-drei-verdächtig. Die Abwasseranalyse zeigt, dass Vorarlberg gar nicht so schlecht unterwegs ist.
Wie wird die Matura aussehen?
Faßmann Eher so, wie die Matura, die wir kennen: mit einem schriftlichen und mündlichen Teil, auch mit einer Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten. Die Einrechnung der Jahresnote in die Maturanote hat sich außerdem bewährt und bleibt.
Vorarlberg kämpft mit einem Lehrermangel. Was tun Sie dagegen?
Faßmann Vorarlberg befindet sich in einer besonderen Situation, weil vor allem die Schweiz und Liechtenstein attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Wir unterstützen das Land, welches versucht, über eine Werbekampagne mehr Studenten für die Pädagogische Hochschule zu gewinnen. Wir unterstützen Vorarlberg auch dabei, Pakete mit Stellenangeboten zu schnüren, die bereits eine Unterkunft bieten. Und wir versuchen, PH-Absolventen aus anderen Bundesländern zu werben.
Braucht es gewisse finanzielle Anreize, etwa einen Lagezuschlag?
Faßmann Wenn man in Vorarlberg mit einem Lagezuschlag beginnt, müsste man wahrscheinlich im Waldviertel mit einem Lageabschlag rechnen. Damit würden wir mit dem Prinzip brechen, im öffentlichen Dienst gleiche Gehälter zu bezahlen, die sich lediglich nach Verwendung, Qualifikation und Dienstalter unterscheiden. Die Berücksichtigung eines Lagezuschlags in Abhängigkeit zum Dienstort wäre ein fundamentaler Wechsel.
Was hätte ein Rechtsanspruch auf die Nachmittagsbetreuung oder Ganztagsschule verändert?
Faßmann Im Bereich der Ganztagsschule und Nachmittagsbetreuung besteht der Rechtanspruch im Grunde schon. Die Schulerhalter müssen eine Infrastruktur bereitstellen, wenn eine bestimmte Mindestanzahl von Eltern Bedarf anmeldet. Es gibt auch die Forderung eines Rechtsanspruchs im Bereich der Elementarpädagogik. Da muss man fragen: Was steht am Beginn? Der Rechtsanspruch oder der qualitative Ausbau, der dann den Rechtsanspruch realistisch werden lässt. Ich wähle den zweiten Weg. Es wäre eine Frotzelei, zu sagen, es gibt einen Rechtsanspruch, aber keine Plätze.
Viele Gemeinden holen das vom Bund zur Verfügung gestellte Geld nicht ab, weil es für den Ausbau der Nachmittagsbetreuung nur eine Anschubfinanzierung gibt. Sie wissen nicht, wie es später mit der Finanzierung weitergeht.
Faßmann Richtig. Das ist eine Investitionsbremse. Die Gemeinden fragen sich zurecht, ob sie auf den Kosten sitzen bleiben. Deswegen streben wir eine nachhaltige Finanzierung von drei Bereichen an: Elementarpädagogik, Nachmittagsbetreuung und administratives sowie psychologisch-soziales Unterstützungspersonal.
Was heißt nachhaltig?
Faßmann Die Finanzierung muss in den Finanzausgleich, wie sie bereits für den Pflichtschulbereich geregelt ist. Da ist sie an die Schülerzahlen gekoppelt. Ähnlich muss man das in den drei von mir aufgezählten Bereichen machen.