Impfen, Infektion und Auffrischung
Impfkoordinator Robert Spiegel hat Antworten auf drängende Fragen.
Dornbirn Seit bald einem Jahr wird in Vorarlberg gegen das Coronavirus geimpft. Inzwischen verfügen 255.177 Personen über eine Vollimmunisierung, das entspricht einem Prozentsatz von knapp 64 Prozent. Die dritte Dosis haben sich 70.000 Impfwillige abgeholt. Trotzdem bestehen immer noch Unsicherheiten. Robert Spiegel, Allgemeinmediziner und Impfkoordinator der Ärztekammer, gibt Antworten auf oft gestellte Fragen.
Habe ich ungeimpft eine Covid-19-Infektion durchgemacht: Wie lange gelte ich als genesen?
Spiegel Der Genesenen-Status gilt derzeit für sechs Monate.
Muss oder soll ich mich nach einer Covid-19-Infektion noch impfen lassen, und wenn ja, warum?
Spiegel Die Antwort lautet Ja. Die erste Impfung ist vier Wochen nach Genesung möglich, die zweite Impfung wird nach sechs Monaten empfohlen. Benötigt man einen grünen Pass, etwa bei internationaler Reisetätigkeit, kann eine Zweitimpfung je nach Impfstoff nach drei bis zwölf Wochen erfolgen.
Ab wann ist nach einer Vollimmunisierung eine Boosterung angezeigt?
Spiegel Die reguläre Auffrischung wird nach 6 bis 9 Monaten empfohlen, ist aber bereits nach vier Monaten möglich. Auch das Nationale Impfgremium steht hinter einer früheren Boosterung, besonders im Hinblick auf die aktuelle Lage ist eine frühe Auffrischungsimpfung dringend zu empfehlen.
Habe ich geimpft eine Covid-19-Infektion durchgemacht: Benötigte ich noch eine Auffrischung?
Spiegel Ist es nach der ersten Impfung zu einer Infektion gekommen, soll die zweite Impfung vier Wochen nach der Genesung erfolgen. Fand die Infektion nach der zweiten Impfung statt, wird eine Boosterung nach 6 bis 9 Monaten empfohlen, sie ist bei Bedarf aber auch nach vier Wochen möglich.
Zählt die Zeit ab dem Ende der Absonderung oder ab einem negativen PCR-Test?
SpiegelDie Zeit zählt ab Genesung.
Welche allergischen Reaktionen gelten bei einer Covid-Impfung als kritisch?
Spiegel Es ist jegliche anaphylaktische Reaktion auf eine vorausgegangene Impfung sowie auf Inhaltsstoffe der Impfstoffe. Im Gespräch mit dem Impfarzt kann die entsprechend notwendige Vorgangsweise festgelegt werden. In den Impfzentren werden Allergiker unter notärztlicher Aufsicht und zum Teil mit antiallergischer vorbeugender Abdeckung geimpft.
Wer bestätigt, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht gegen Covid-19 geimpft werden kann?
Spiegel Diese Bestätigung stellt der betreuende Arzt aus.
Wann treten Reaktionen ein, wenn sie denn eintreten?
Spiegel Als Impfreaktion gelten Symptome, die 24 bis 48 Stunden nach der Impfung auftreten. Diese sind individuell sehr verschieden und klingen im Regelfall nach 48 Stunden ab. Unerwünschte Nebenwirkungen treten meist drei Wochen nach der Impfung auf und sollten medizinisch abgeklärt werden.
Gibt es bei der Covid-19-Impfung Langzeitfolgen? Kennt man solche von anderen Impfungen?
Spiegel Wie bei allen anderen Impfungen auch können in sehr seltenen Fällen Langzeitfolgen auftreten. Schon seit der Pockenimpfung, die 1796 eingeführt wurde, wissen wir um die Folge etwa einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung). Generell gilt jedoch, dass der Nutzen der Impfung, der Schutz vor Erkrankung und schwerer Erkrankung sowie die Reduktion der Ansteckungen die verschwindend geringen Nebenwirkungen bei Weitem übersteigt.
Viele warten auf den sogenannten Totimpfstoff. Was unterscheidet ihn von den mRNA-Impfstoffen?
Spiegel Totimpfstoffe sind inaktivierte Krankheitserreger, die sich im Körper nicht vermehren und so nicht infizieren können. Sie lösen eine entsprechende Immunantwort aus, das heißt, es bilden sich Antikörper gegen den aktiven Krankheitserreger. Totimpfstoffe haben in der Regel eine schwächere Immunantwort, weshalb sie in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden müssen. Bei mRNA-Impfstoffen wird nach Injektion dem Körper vorübergehend ein Bauplan für das Virusprotein zur Verfügung gestellt, der damit Antikörper bilden kann. Die RNA wird nach kürzester Zeit von den Zellen abgebaut. Auch dieser Impfschutz muss aufgefrischt werden.
„Im Hinblick auf die aktuelle Lage ist eine frühere Auffrischung empfohlen.“