Dämpfer für die S18

Vorarlberg / 01.12.2021 • 18:48 Uhr

Die geplant Riedstraße schneidet in vielen Bereichen unterdurchschnittlich ab. Ihre Zukunft bleibt unklar.

WIEN, Lustenau Ein gutes Zeugnis sieht anders aus. Die S18 schneidet in der Evaluierung der Asfinag-Projekte durch das Verkehrsministerium in vielen Bereichen unterdurchschnittlich ab. Eine finale Bewertung sei zwar noch nicht möglich, heißt es aus dem zuständigen Ressort. Die bisherigen Varianten – ob Untertunnelung oder Umfahrung – hätten sich aber nicht als optimal erwiesen. Für die Bewertung hat Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) das Umweltbundesamt hinzugezogen.

Alternative wird geprüft

Nun müsse die vom Parlament mittels Entschließungsantrag in Auftrag gegebene Alternativprüfung abgewartet werden. Hier stehe insbesondere eine Verbindung der A14 mit der Schweizer A13 (Höhe Hohenems – Diepoldsau – Widnau/Balgach) im Fokus, heißt es in den Unterlagen des Verkehrsressorts. Parallel dazu läuft die Entwicklung des Vorprojekts zur CP-Variante der S18 (Ortsumfahrung Lustenau) weiter. Auf den Abschluss des Vorprojektes würde die Umweltverträglichkeitsprüfung folgen. Noch ist laut Asfinag-Angaben mit einem Baubeginn am 7. April 2030 – das wäre übrigens ein Sonntag – zu rechnen. Ob es dabei bleiben wird, ist aber alles andere als sicher. Im Zentrum steht laut Ministerium sowohl die Entlastung der Anrainer als auch das Naturschutzgebiet.

„Autos, Lärm, schlechtere Luft“

„Wir müssen heute Entscheidungen treffen, die auch in 20 und 30 Jahren noch vernünftig sind – damit wir gut mobil sein können, aber unser Klima schützen und die Vielfalt erhalten“, sagt Verkehrsministerin Gewessler am Mittwoch. Es gehe zum einen um Verkehrssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Verkehrserfordernisse. „Aber ich habe auch immer gesagt: Der Klimaschutz sitzt mit am Tisch, der Bodenschutz sitzt mit am Tisch.“ Großprojekte würden eine Menge CO2 verursachen, während Natur und Vielfalt verlorengehen. Mehr Straßen führten zu mehr Autos, mehr Lärm und schlechterer Luft. „Darauf müssen wir achten. Wo setzen wir Bauprojekte besser um? Wo gibt es bessere Lösungen?“, skizziert Gewessler. Eine zehn Jahre alte Entscheidung müsse heute nicht mehr die richtige sein.

Keine Gesamtnoten im Klimacheck

Eine Gesamtnote gab es im Zuge der Evaluierung für die verschiedenen Asfinag-Projekte aber nicht. Vielmehr ging es darum, diese zueinander zu vergleichen. „Dies ist eine wesentliche Grundlage, um besonders negative bzw. positive Auswirkungen der Verhoben sichtbar zu machen“, steht im entsprechenden Report des Umweltbundesamtes. So schneidet ein Projekt in den überprüften Bereichen entweder über- oder unterdurchschnittlich ab.

Die Folge: Unter anderem ist der Bau des Lobautunnels in Wien abgesagt, auch niederösterreichische Projekte sind mit dem Klimacheck der Ministerin gestorben. Die Zukunft der S18 bleibt indes offen.

Neue Ziele berücksichtigt

In der Bewertung fanden die neuen nationalen, EU-weiten sowie internationalen Zielsetzungen im Bereich Klima, Boden und Biodiversität Berücksichtigung. Die Projekte wurden auf ihre Klimawirkung (Zusatzemissionen, mögliche alternative Verkehrslösungen) abgeklopft. Ebenso waren der Boden- und Flächenverbrauch sowie Naturschutz und biologische Vielfalt Themen der Prüfung. Aspekte des Verkehrs (Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit, Soziales, Machbarkeit) sowie die Wirtschaftlichkeit (betriebs- und volkswirtschaftlich, Umweltfolgekosten) wurden ebenso einbezogen.

Unterdurchschnittlich

Dabei schnitt die S18 im Vergleich zu den anderen Projekten in einigen Bereichen unterdurchschnittlich ab, unter anderem aufgrund des hohen Flächenverbrauchs. Besonders kritisch sei der Einfluss auf die Biodiversität und den Wasserhaushalt aufgrund der Lage des Projekts im Ried zu sehen, heißt es in einem Papier des Verkehrsministeriums. „Ebenfalls unterdurchschnittlich ist die Klimawirkung bewertet aufgrund des hohen Tunnel- und Kunstbautenanteils.“ Gleiches gelte auf Grund der hohen Investitionskosten für das Kriterium der Wirtschaftlichkeit.

Doch es gibt auch Positives zur S18: „Das Projekt zeigt im Kriterium Netzwirkung eine gute Bewertung, da es eine derzeit fehlende Verbindung zwischen Deutschland und der Schweiz herstellt und gleichzeitig eine lokale Verkehrsentlastung von Lustenau bewirkt.“

Ergebnis 2022 möglich

Um zu einer abschließenden Beurteilung zu kommen, werde allerdings die detaillierte Prüfung möglicher Alternativen für das untere Rheintal abgewartet. Dabei habe die Asfinag gemeinsam mit dem Land nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Bevölkerung rascher entlastet, die Verkehrssicherheit erhöht und gleichzeitig auch die Klimaneutralität erreicht werden könne. Ein Ergebnis wird im Laufe des kommenden Jahrs erwartet.