Historische Zweiräder: Passion für schnelles Altmetall

Vorarlberg / 17.01.2022 • 14:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Historische Zweiräder: Passion für schnelles Altmetall
Klein aber fein – bei Motorradtechnik Wolff werden Zweiradträume Wirklichkeit.VN

Bei Motorradtechnik Wolff in Hard werden historische Zweiräder repariert und restauriert.

Von Henry Dünser

Hard Versteckt verbirgt sich in Hard ein Tor in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit, in der die Haare lang, die Röcke kurz und das Wort Freiheit großgeschrieben wurde. In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fasste besonders ein Ding den Geist seiner Zeit in sich zusammen: das Motorrad. Leidenschaft, Unabhängigkeit und Spaß.

Sichtlich stolz und zufrieden. Roman Wolff liebt und lebt seinen Beruf.<span class="copyright">VN</span><span class="copyright"> </span>
Sichtlich stolz und zufrieden. Roman Wolff liebt und lebt seinen Beruf.VN

Der Zahn der Zeit soll sichtbar sein

In diesen Jahren war Roman Wolff, seines Zeichens Kfz-Meister und Chef bei Motorradtechnik Wolff, noch nicht geboren. Geträumt von der eigenen Werkstatt habe der 44-Jährige jedoch recht früh. Seit nunmehr fünf Jahren ist sie Realität. Der Oldtimerfan hat sich selbstständig gemacht, repariert und restauriert alte Motorräder. Faszinierend sei die Liebe zum Detail, die Geschichte und das einzigartige Fahrgefühl, sagt Wolff über seine Zweiräder. „Handwerkliches Geschick, Geduld, Improvisationstalent und ein guter Lehrmeister sind wichtig, wenn man diesen Beruf ausüben möchte“, weiß der HTL-Absolvent.

Roman Wolff scheut keine Herausforderung. Hier eine Vincent Black Shadow, Baujahr 1946.<span class="copyright">VN</span><span class="copyright"> </span>
Roman Wolff scheut keine Herausforderung. Hier eine Vincent Black Shadow, Baujahr 1946.VN

Am besten würde man von jenen lernen, die damals in einer Werkstatt gearbeitet haben. Diese Mechaniker sind mittlerweile, wie die Zweiräder, in die Jahre gekommen. „Das hinterlässt Spuren, und genauso soll es auch sein. Heutzutage spricht man von einer sogenannten Patina-Restauration. Die Bikes werden zwar technisch neu gemacht, aber äußerlich sollen die Gebrauchsspuren zu sehen sein“, beschreibt Wolff den Trend der letzten Jahre. Retro ist gefragter denn je, viele Hersteller setzen wieder auf das Design der Epoche, in der das Zweirad Massentauglichkeit erlangte.

Arbeit gibt es genug, die Oldtimerszene im Ländle freut sich über stetig wachsende Beliebtheit.<span class="copyright">VN </span>
Arbeit gibt es genug, die Oldtimerszene im Ländle freut sich über stetig wachsende Beliebtheit.VN
Wie ein Uhrwerk. Ein zerlegter Motor wird neu aufgebaut.
Wie ein Uhrwerk. Ein zerlegter Motor wird neu aufgebaut.

Das Restaurieren eines Oldtimers ist mit viel Aufwand und Kosten verbunden. Abgesehen von der Passion für altes Eisen liegen die Hauptgründe, warum die Kunden zu ihm kommen, für Wolff auf der Hand: „Meist hat das Motorrad einen ideellen Wert. Es ist ein Erbstück oder ein unerfüllter Jugendtraum. Manchmal auch eine Wertanlage“. Der grundsätzliche Zweck, das Fahrzeug als Fortbewegungsmittel, sei zweitrangig. Die Bewegung eines sechzig Jahre alten Fahrzeugs sei ganz speziell. „Meist sind es ‚Rüttelplatten‘, man merkt jede Vibration“, weiß der Harder aus Erfahrung. „Aber genau um dieses Fahrgefühl geht es“. Viele Vorarlberger teilen diese Meinung, die Szene im Ländle erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Zahlreiche Oldtimertreffen und Teilemärkte belegen das. Roman Wolff ist regelmäßig auf diesen Veranstaltungen anzutreffen.

Ein Zylinderkopf wird bearbeitet. Wenn nötig, fertigt Wolff fehlende Teile selbst an.<span class="copyright">VN</span><span class="copyright"> </span>
Ein Zylinderkopf wird bearbeitet. Wenn nötig, fertigt Wolff fehlende Teile selbst an.VN

Verbot von Verbrennern

Was er machen würde, wenn der Verbrennungsmotor vor dem Aus stünde? „Wahrscheinlich in einem Oldtimermuseum arbeiten und mich um den Fuhrpark kümmern“, antwortet Roman Wolff und lacht. Mit Elektromotorrädern habe er keine Berührungspunkte. Elektrisch betrieben sind nur seine ferngesteuerten RC-Autos, die er selbst baut. Für sein großes Hobby nimmt er sogar Urlaub, um an Rennen teilzunehmen. Auf die Frage, ob er für diese Freizeitbeschäftigung nicht zu alt sei, antwortet er schmunzelnd: „Nein, dort bin ich meist eher einer der jüngeren Teilnehmer im Feld.“

Wolffs Lieblingsmodell: Die Norton Commando rechts soll einmal so aussehen wie ihr Gegenüber.<span class="copyright">VN </span>
Wolffs Lieblingsmodell: Die Norton Commando rechts soll einmal so aussehen wie ihr Gegenüber.VN