Kaum Einnahmen, steigende Ausgaben: Düsteres Haushaltsjahr für Montafoner Gemeinde

Vorarlberg / 03.02.2022 • 10:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Kaum Einnahmen, steigende Ausgaben: Düsteres Haushaltsjahr für Montafoner Gemeinde

Vandans hat mit geringen Einnahmen und steigenden Aus- und Abgaben zu kämpfen. Weder vom Tourismus noch vom Gewerbe kann die Gemeinde momentan profitieren. Neue Einnahmequellen müssen also her.

Vandans „Das Haushaltsjahr schaut düster aus.“ Florian Küng, Bürgermeister von Vandans, sagt, wie es ist. 1,1 Millionen Euro Schulden zu machen, „ist alles andere als rosig“. Corona schenkt der Montafoner Gemeinde nichts. Den Einnahmen in Höhe von 7,9 Millionen Euro stehen 9,1 Millionen Euro Aufwendungen gegenüber.

Aufgrund der finanziell angespannten Lage wurde der Voranschlag mit größter Sorgfalt erstellt. Ob alle Investitionen, die im Voranschlag aufgeführt werden, tatsächlich auch so umgesetzt werden können, ist noch unklar. Die Ausgaben für Personal sowie die Abgaben an den Sozial- und Spitalfonds und die Landesumlage steigen überproportional, sagt Küng. Das seien die eigentlichen „Kostentreiber“. Denn während Ausgaben und Abgaben jährlich steigen, stagnieren die Einnahmen. Vandans hat kein großes Gewerbegebiet, ergo gibt es kaum Kommunalsteuern. Da sich auch die Nächtigungszahlen in den letzten 30 Jahren halbiert haben, kann Vandans nicht auf Tourismusbeiträge zurückgreifen.

Leitstrategie abwarten

Nichtsdestotrotz stehen heuer eigentlich zwei Großprojekte an. Die Kleinkindbetreuung „Schneggahüsle“ müsste von zwei auf vier Gruppen ausgebaut werden. Zurzeit ist die Kleinkindbetreuung im alten Tourismusbüro untergebracht – eine Übergangslösung, da das „Schneggahüsle“ im Zuge der Kindergartenaufstockung von drei auf vier Gruppen dorthin ausweichen musste. Gedacht ist ein neuer Kindercampus, in dem Kindergarten und Kleinkindbetreuung Platz haben. Doch Florian Küng wolle erst die Leitstrategie für die sechs Außermontafoner Gemeinden abwarten, die im Frühjahr erarbeitet und im Sommer beschlossen werden soll. Durch die Bedarfsanalyse erhalte man eine fundierte Planungsgrundlage, ist Küng überzeugt. Der Grund für die Leitstrategie ist die Zusammenführung des Eltern-Kind-Zentrums und der Kinderwerkstätte zum Familienzentrum Montafon gemGmbH. Ziel ist es, dass jeder Standort eine individuelle Betreuung anbieten kann. „Wir wissen, dass Vandans Platzbedarf hat und wir mehr Angebote schaffen müssen“, räumt Florian Küng ein.

Die Zukunft des Schulzentrums Montafon ist fraglich. Könnte das Haus der neue Kindercampus werden? <span class="copyright">SCO</span>
Die Zukunft des Schulzentrums Montafon ist fraglich. Könnte das Haus der neue Kindercampus werden? SCO

Ein weiterer Grund, warum Küng bei der Entscheidung zum neuen Kindercampus zögert, ist die künftige Entwicklung des Schulzentrums Montafon in Vandans. Eventuell werden die Klassen des Schulzentrums Montafon in die Volksschule bzw. in das Poly integriert. Dann könnte das heilpädagogische Schulzentrum leer stehen, doch „ein leerstehendes Gebäude können wir uns nicht leisten“, sagt der Gemeindechef. „Daher gehen wir den günstigsten Weg.“ Wenn die Klassen des Schulzentrums Montafon also ausgelagert werden, werde ein Neubau des Kindercampus überflüssig. Dann könnten die Kleinkindbetreuung und der Kindergarten nach entsprechenden Adaptierungen in die Räumlichkeiten des Schulzentrums Montafon übersiedeln.


Die Leitstrategie und die Entwicklung des Schulzentrums Montafon seien bei der Entscheidung bezüglich Kindercampus mit zu berücksichtigen. Auf keinen Fall will Küng einen „Schnellschuss“, den man in Zukunft bereuen würde. „Im Sommer wissen wir mehr.“ Die Planungskosten für den Kindercampus fallen mit 50.000 Euro ins Budget.

Neue Fahrzeughalle

Weiter fortgeschritten ist dagegen die Fahrzeughalle für die Ortsfeuerwehr, die 550.000 Euro kosten wird. Eigentlich wäre ein neues Sicherheitszentrum gedacht gewesen, doch dazu fehlt der Gemeinde schlichtweg das Geld. So entschied man sich für eine Übergangslösung, die die nächsten zehn bis 15 Jahre überbrücken soll, bis genügend Geld für ein Sicherheitszentrum, in welchem neben der Feuerwehr auch die Bergwacht untergebracht werden soll, angespart worden ist. Die Ausschreibungen für die neue Systemhalle laufen bereits, fertiggestellt werden soll diese im September.

Doch das sind nicht alle Investitionen dieses Jahr. Die Trockenlegung der Kellermauer beim Schulzentrum Montafon kostet der Gemeinde 200.000 Euro, Instandhaltungsmaßnahmen von Straßen nochmals 100.000 Euro. Das Projekt „Rellsbach“ der WLV soll dieses Jahr abgeschlossen werden, doch auch hier werden nochmals 250.000 Euro fällig. Die Erweiterung der Wasser- und Abwasserversorgung ist mit 157.000 Euro im Budget eingeplant. Dabei steht immer noch das Kanal- und Wasserkataster an, das die Gemeinde für mehrere Hunderttausend Euro in Auftrag geben muss. Florian Küng muss aber diese gesetzliche Verpflichtung weiter aufschieben.

Bausperre im Hinterkopf

Des Weiteren will Florian Küng die Zentrumsentwicklung vorantreiben, sodass sich in Vandans wieder mehr Betriebe ansiedeln. Bei einer Quartiersbetrachtung soll die Bevölkerung mit eingebunden werden. Man müsse jetzt schon Weichen in die richtige Richtung stellen – so auch beim Thema Bausperre. Eine mögliche Bausperre behält sich das Gemeindeoberhaupt im Hinterkopf, „falls Investoren nach Vandans ausweichen wollen“, weil sie in Schruns und Tschagguns nicht mehr bauen dürfen.

7,1 Millionen Euro betrug der Schuldenstand zum Ende letzten Jahres. Ende 2022 wird dieser auf 7,45 Millionen Euro anwachsen. 700.000 Euro Schulden werden gleichzeitig getilgt. Die laufende Gebarung habe sich in den letzten Jahren immer schlechter entwickelt, sagt der Bürgermeister. Mittlerweile fressen die Ausgaben die Einnahmen auf. Zwar investiere die Gemeinde heuer 1,3 Millionen Euro, jedoch mache sie auch viele Arbeiten in Eigenleistung, um das Gemeindebudget zu schonen.

Kleiner Handlungsspielraum

Letztes Jahr im Dezember wurde zudem die Anschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeuges (TLF 3000) beschlossen. Geliefert wird dieses aber erst 2023. Von den 560.000 Euro Anschaffungskosten zahlen Bund und Land insgesamt 45 Prozent, die Gemeinde muss den Rest aufbringen. Der Grund, warum die Gemeinde den Kauf des neuen Tanklöschfahrzeuges noch im Dezember beschlossen hat, ist ein ganz einfacher: Hätte man es heuer bestellt, wäre es 15 Prozent teurer gewesen.

„Das, was wir machen müssen, werden wir machen“, auch wenn dafür neue Kredite fällig sind, sagt Küng. „Der Handlungsspielraum bleibt aber sehr klein. Langfristig müssen wir uns neue Einnahmequellen überlegen.“ So könnte das alte Seniorenheim Schmidt, das direkt neben der Piste bei der Golmerbahn steht, zu einem Hotel umgebaut werden. Gespräche mit Investoren haben bereits stattgefunden, jedoch haben ihre Projekte nicht denen der Gemeinde – sie will ein Familienkonzept – entsprochen. Auch an der Talstation der Golmerbahn könnte ein kleines Hotel entstehen. VN-JUN