Christa Grabher meisterte schon viele Krisen

Vorarlberg / 10.02.2022 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Trotz zahlreicher Tiefschläge hat Christa Grabher ihren Lebensmut nicht verloren.
Trotz zahlreicher Tiefschläge hat Christa Grabher ihren Lebensmut nicht verloren.

Christa Grabher (57) überstand in ihrem Leben schon viele Tiefschläge. In der größten Verzweiflung machte sie die Erfahrung, “dass von irgendwo ein Lichtlein herkam”.

Lustenau Das Leben bürdete Christa Grabher (57) viel auf. Aber die Lustenauerin ließ sich nie unterkriegen und meisterte alle Hürden. „Von außen kann einem niemand helfen. Man muss sich selbst aus dem Loch befreien und den ersten Schritt tun“, spricht sie aus Erfahrung.

Schon der Start ins Leben war kein leichter. „Laut meiner Mutter war meine Geburt dramatisch. Die Nabelschnur hatte sich um meinen Hals gewickelt.“ Das hatte zur Folge, dass sich Christas rechtes Ohr nicht richtig entwickeln konnte. „Ich habe nichts gehört auf diesem Ohr. Mit sechs hat man mich operiert. Danach hörte ich ein bisschen besser.“ Das lädierte Ohr beeinträchtige Christa. „Ich erinnere mich, dass ich mich als Kind manchmal geärgert habe. Ich wollte meine Haare hochstecken. Aber das gab den Blick frei auf mein ramponiertes Ohr.“

Schwer an Neurodermitis erkrankt

Christas Kindheit war geprägt von sportlichen Aktivitäten. „Mit sechs Jahren fing ich beim Turnverein Jahn zu turnen an. Mein Vater war dort Trainer.“ Ihre Leidenschaft gehörte zunächst dem Turnen und Schwimmen. Später machte sie mit Begeisterung Ballett. Als Teenager entdeckte sie ihre Liebe zur Leichtathletik, welche sie sogar wettkampfmäßig betrieb.

Die Lustenauerin absolvierte die Textilschule und ließ sich zur Damenschneiderin ausbilden. Als sie die Meisterklasse besuchte, erkrankte sie an Neurodermitis. „Meine Haut war am ganzen Körper aufgerissen.“ Die Hautkrankheit machte der jungen Frau dermaßen zu schaffen, dass sie die Meisterprüfung nicht bestand. Sie schränkte sie auch im Alltag ein. „Ich konnte nicht mehr baden gehen. Dabei habe ich mich im Wasser immer sehr wohlgefühlt.“

Christa hatte eine schöne Kindheit. Mit sechs Jahren begann das Mädchen zu turnen.
Christa hatte eine schöne Kindheit. Mit sechs Jahren begann das Mädchen zu turnen.

Als sie sich an der Uni in Innsbruck zur Leichtathletik-Trainerin ausbilden ließ, tauchte ein neues gesundheitliches Problem auf. „Auf einmal sah ich kleine Punkte vor meinem Auge. Der Arzt stellte am linken Auge eine beginnende Netzhaut-Ablösung fest.“ Kurze Zeit später passierte etwas, was Christas Leben abermals beeinträchtigte. „Beim Basketball-Training traf mich ein Ball im Gesicht. Ich knallte mit dem Kopf an die Wand. Das hatte zur Folge, dass sich die Netzhaut komplett ablöste und ich am linken Auge erblindete.“ Heute kann Christa gelassen darüber sprechen. Aber damals war ihre Verzweiflung groß. „Ich war jung und sah wie ein Monster aus.“ Doch Christa, die heute eine Augenprothese trägt, schaffte es, sich mit dem Verlust des linken Auges auszusöhnen.  „Irgendwann dachte ich: ,Du bist so wie du bist, und das ist richtig so.“

Mit 28 Mutter geworden

Das Leben brachte aber auch Schönes zu ihr. Mit 24 heiratete Christa, mit 28 schenkte sie Sohn Lukas das Leben. Mehr als 15 Jahre lang widmete sie sich fast ausschließlich der Familie. Nebenher engagierte sich die Hausfrau ehrenamtlich als Leichtathletik-Trainerin bei ihrem Stammverein TS Jahn Lustenau.

Als ihre Ehe vor 14 Jahren zerbrach, läutete das bei ihr einen neuen Lebensabschnitt ein. Dieser begann mit einer veritablen Krise. „Die Scheidung zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich stand nun mit meinem minderjährigen Sohn alleine da. Das Haus war noch nicht abbezahlt.“ Existenzängste raubten ihr den Schlaf.

Kurt, ihr "Lieblingsmensch", kam vor sechs Jahren in ihr Leben. Die beiden verbindet unter anderem die Liebe zum Laufen.
Kurt, ihr "Lieblingsmensch", kam vor sechs Jahren in ihr Leben. Die beiden verbindet unter anderem die Liebe zum Laufen.

Christa musste von vorn anfangen und sich Arbeit suchen. Ein Bürojob, den sie ergatterte, zeigte ihr, dass es ihr an Wissen mangelte. Daraufhin belegte sie Weiterbildungskurse. Zum Schluss legte sie mit Erfolg die kaufmännische Lehrabschlussprüfung ab. Mit 45 war sie aber schon in einem Alter, in dem man am Arbeitsmarkt als alt gilt. „Aus Verzweiflung habe ich mich Anfang 2011 mit meinem Unternehmen ,Backoffice Grabher‘ selbstständig gemacht. Seither arbeite ich als mobile Sekretärin.“ Als solche bemerkte sie, „dass man dem Leben vertrauen kann. Wenn eine Tür zugeht, gehen sieben andere auf“.

Nebenher engagiert sie sich auch noch für den Leichtathletik-Verband und den Behindertensportverband. Letzterer stellte sie als Bewegungs- und Informationscoach an. Auch privat ist Christa dem Sport treu geblieben. Zurzeit bereitet sie sich auf den Halbmarathon in Wien am 24. April vor.

Christa arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Krisenintervention Vorarlberg. Die Kraft hierfür holt sie sich in der Natur.
Christa arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Krisenintervention Vorarlberg. Die Kraft hierfür holt sie sich in der Natur.