Elfjährige verliert Prozess nach Skiunfall

Vorarlberg / 11.02.2022 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Elfjährige verliert Prozess nach Skiunfall
Ein Skifahrer aus Götzis wurde bei einem von einem Kind verschuldeten Unfall auf der Piste schwer verletzt. Symbol/Berchtold

Schülerin für schwerverletztes Unfallopfer verantwortlich, ihre Haftpflichtversicherung muss 12.000 Euro zahlen.

Feldkirch Der Unfall passierte im Februar 2019 im Großen Walsertal. Der Götzner, ein guter Skifahrer, fuhr auf der Piste in kurzen Schwüngen talwärts. Zur selben Zeit war die Elfjährige mit ihrem Großvater unterwegs. Das Mädchen fuhr etwas abseits und anschließend wieder in die rund 75 Meter breite Piste ein. Dabei kontrollierte sie nicht, ob sie allenfalls einem anderen Skifahrer in die Quere kommen könnte.

Die Piste ist übersichtlich und randmarkiert, die Sichtverhältnisse waren gut, der Schnee griffig. Aus Unachtsamkeit kollidierte sie mit dem Götzner, für den ein Ausweichmanöver nicht mehr möglich war. Er wurde schwer verletzt. „Mein Mandant verletzte sich das Schultergelenk, erlitt einen Sehnenriss, brach sich den Daumen und hatte lange Zeit Schmerzen. Er war bei vielen Tätigkeiten stark eingeschränkt“, schildert Klagsvertreter Daniel Wolff.

Durch zwei Instanzen

Der Anwalt klagte auf Schmerzengeld und Ersatz anderer unfallkausaler Kosten. Insgesamt 12.000 Euro. Wolff gewann den Prozess in beiden Instanzen.
Die Elfjährige hat den Schaden im konkreten Fall allerdings nicht selbst zu bezahlen, da sie über eine Haftpflichtversicherung verfügt. Doch selbst wenn sie keine hätte, müsste sie zahlen, denn das Gericht sagt in zweiter Instanz: Die junge Skifahrerin trifft die alleinige Schuld an der Kollision mit einem anderen Pistenbenutzer.

Der verletzte Gegner könnte dreißig Jahre lang exekutieren. In dem Fall hatte der Kläger Glück, denn über die Haftpflichtversicherung bekommt er schneller sein Geld.

Die Prozesskosten von rund 9000 Euro muss die Verliererin ebenfalls ersetzen und sie haftet auch für Folgeschäden.

Unterschiedliche Argumente

Im Ergebnis gaben beide Instanzen dem Anwalt Recht. Doch mit unterschiedlichen Begründungen. Das Landesgericht Feldkirch lastete der Elfjährigen kein Verschulden an, Kenntnis der Pistenregeln könne man von ihr nicht verlangen, so die Begründung. In dem Fall hätte sich die Haftung rein auf das Bestehen der Haftpflichtversicherung gestützt. Die zweite Instanz hingegen sah durchaus ein Verschulden des Mädchens vorliegen und zog dies als Haftungsgrundlage heran. Die Schülerin gab zu, dass sie wusste, dass man vor dem Einfahren in die Piste schauen muss, ob dies gefahrlos möglich ist. „Das Verschulden ist dem Mädchen deshalb anzurechnen“ – heißt es zusammengefasst bei der zweiten Instanz.

„Verursacht ein schuldunfähiger Minderjähriger einen Unfall, liegt keine Haftpflichtversicherung vor und es wurde keine Aufsichtspflicht vernachlässigt, bekommt ein Verletzter keinen Cent und schaut durch die Finger“, erklärt Wolff die Härte, mit der man als Betroffener unter Umständen konfrontiert ist.