Gericht: Mutter der gefährlichen Drohung beschuldigt

Vorarlberg / 03.03.2022 • 16:55 Uhr
Gericht: Mutter der gefährlichen Drohung beschuldigt
Die Angeklagte weist jeden der von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe von sich. VN-GS

Erste Runde im Prozess um Cybermobbing-Affäre in Oberländer Schule eingeläutet.

feldkirch Der Prozess am Landesgericht Feldkirch gegen eine 49-jährige Hausfrau und vierfache Mutter hat einen brisanten Hintergrund, der medial weite Kreise zog: An einer Vorarlberger Mittelschule ist ein 13-jähriges Mädchen (Synonym „Leila“) mit Migrationshintergrund offenbar Opfer eines perfiden Falls von Cyber-Mobbing geworden.

Die Minderjährige war in Verdacht geraten, einer gleichaltrigen Klassenkameradin (Synonym „Anna“) von offensichtlich erkennbaren Fake-Accounts über die Social Media-Plattform Instagram Nachrichten geschickt zu haben, in der diese sogar mit dem Tod bedroht wurde.

Nachgewiesene Verleumdung

Doch nach aufwendigen Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft stellte sich schließlich heraus, dass die Nachrichten mit den massiven Beschimpfungen und Drohungen vom Smartphone des angeblichen Opfers „Anna“ selbst ausgegangen waren. Die Ermittlungen wegen Verleumdung wurden jedoch aufgrund des Alters der Minderjährigen eingestellt (die VN berichteten).

“Gorillas”

Doch seit Donnerstag steht deren Mutter als Angeklagte vor Gericht. Die Vorwürfe gegen die 49-Jährige lauten gefährliche Drohung und Beleidigung. Gerichtet gegen „Leila“ und deren Familie.

Staatsanwalt Alexander Wehinger beschuldigt die Angeklagte konkret, „Leilas“ Familie telefonisch damit gedroht zu haben, „Männer vorbeizuschicken und sie umbringen zu lassen.“ Außerdem habe die 49-Jährige die Familie als „Gorillas“ bezeichnet, „die nicht in Österreich bleiben sollen.“

Im dritten Anklagepunkt führt Wehinger an, die Beschuldigte hätte „Leila“ nahe der Schule aus dem Auto heraus ihren Finger entgegengestreckt, damit das Abschießen einer Pistole nachgeahmt und dabei das Geräusch vom Rattern einer Maschinenpistole von sich gegeben.

„Das Gespräch gesucht“

„Annas“ Mutter bekennt sich gegenüber keinem der Vorwürfe für schuldig. Und das deutlich. Nichts davon sei wahr und sie selbst von keinerlei rassistischer Gesinnung. „Ich habe niemanden bedroht oder beleidigt, sondern sogar das Gespräch mit ‚Leila‘ gesucht. Um uns über den Konflikt zwischen ihr und meiner Tochter auszusprechen. Doch sie hat am Telefon nur mit einem Schnaufen reagiert und sich nicht geäußert“, sagt die Beschuldige.  Ein beabsichtigtes Treffen von ihr mit „Leilas“ Mutter sei abgesagt worden, weil „Leila“ in der Klasse gegenüber „Anna“ ausfällig geworden sei.

Richterin Magdalena Rafolt hört nun eine Zeugin an, die eine Nachbarin von „Leilas“ Familie ist. Während ihrer Einvernahme muss die Angeklagte den Verhandlungssaal verlassen. Denn die 37-jährige Zeugin, ebenfalls mit Migrationshintergrund, fürchtet sich vor der Beschuldigten. Die Frau gibt an, dass „Leila“ ihr gegenüber einst das Herz ausgeschüttet habe. „Sie zeigte mir WhatsApp-Nachrichten, auf denen sie unter anderem mit dem Umbringen bedroht worden ist.“ An einen Namen, von dem diese Drohungen ausgegangen waren, kann sich die Zeugin vor Gericht jedoch nicht entsinnen.

Ebenfalls als Zeugin einvernommen werden nun drei Töchter der Angeklagten, unter ihnen auch „Anna“. Sämtliche von ihnen seien beim angeblichen Pistolen-Vorfall bei ihrer Mutter gewesen. Doch nichts von dieser Anschuldigung sei wahr, betonen alle einhellig (trotz eindeutiger Beweisergebnisse der Ermittlungsbehörden streiten „Anna“ und ihre Familie nach wie vor ab, die Drohnachrichten in verleumderischer Weise selbst verfasst zu haben).

An Corona erkrankt

Richterin Rafolt vertagt den Prozess. Denn auch „Leila“ und ihre Familie werden noch zur Sache einvernommen. Vorher müssen sie allerdings erst von ihrer derzeitigen Corona-Erkrankung genesen.