„Auf dieses Team darf die Skischule stolz sein“

Nicht nur die Olympiamedaillen rücken die Ski- und Snowboard-Schule Warth in den Fokus.
Warth Das Gespräch mit Skischulleiter Mathias Fritz war eigentlich im Büro geplant – aber daraus wurde nichts, der Chef musste umdisponieren, die Arbeit im Büro liegen lassen, Felle aufziehen und Ski anschnallen, um bei Kaiserwetter mit einer Skischulgruppe auf Tour zur gut 500 Höhenmeter über Warth gelegenen Widdersteinhütte zu gehen. Sie hat zwar Winterpause bis
3. Juni, aber die Terrasse bietet Platz für eine Rast, um die Aussicht zu genießen, bevor es über die Firnhänge hinunter zur Passstraße geht.
Da muss sogar der Chef ran
So wurde aus einem im Büro geplanten Gespräch eine Telefonkonferenz. „Kein Problem, wir machen gerade Pause bei der Widdersteinhütte, bevor es zur Abfahrt geht“, meinte via Handy der Skischulleiter, der sich darüber freut, „dass es für die Skischule so gut läuft, dass die Büroarbeit warten kann und auch der Chef ran muss, um eine Gruppe zu führen“. In der Tat läuft es erfreulich – Warth ist von Urlaubern gut gebucht, das Wetter spielt mit und die märchenhaften Olympia-Erfolge von Johannes Strolz haben dafür gesorgt, dass die Skischule Warth einen zusätzlichen Schub bekommen hat.
Medaillen haben nicht zum ersten Mal dem Image geholfen – das war schon vor über 40 Jahren so, als Wiltrud Drexel nach ihrer Rennlaufkarriere, in der sie u. a. den Abfahrtsweltcup und Bronzemedaillen bei Olympia in Sapporo und WM in St. Moritz gewann, jahrzehntelang als Skilehrerin tätig war.
Olympiasieger Hubert Strolz war nach seiner aktiven Karriere nicht nur Skilehrer, er leitete sogar zehn Jahre lang die Skischule, ehe er diese Funktion in jüngere Hände legte. Heute betreut er v. a. „Skischüler mit Rennlaufambitionen“. Technik- und Stangentraining, Videoanalyse usw. sind für rennsportbegeisterte Gäste eine besondere Erfahrung, und Hubert Strolz ist mit dem Rennlauftraining dort unterwegs, wo zu seiner aktiven Zeit viele Weltcup-Stars zum Training zu Gast waren: Allen voran Ingemar Stenmark, Phil und Steve Mahre, Andi Wenzel oder auch Marc Girardelli, um nur die bekanntesten zu nennen. Prominentester Schüler war sein Sohn, Doppel-Olympiasieger Johannes.
International eine Topadresse
Ein weiterer Grund für den ausgezeichneten Ruf der Warther Skischule ist das internationale Team. „Wir sind für Skilehrerinnen und -lehrer aus aller Welt eine gefragte Adresse“, so Mathias Fritz. „Die kommen zu uns, weil sie sich weiterbilden und neue Erfahrungen sammeln wollen. Zudem macht es sich gut, wenn in ihrem Lebenslauf die Tätigkeit in Warth vermerkt ist.“
Besonderer Gast-Skilehrer
Ein Gast-Skilehrer, der in vielen Magazinen und Tourismusprospekten für Schlagzeilen sorgte, war der Afro-Amerikaner Mike Holland aus Colorado/USA. Er war viele Jahre neben seiner Tätigkeit in Amerika Leiter einer Skischule in Australien. Zu uns ist er gekommen, weil er von der Schneesicherheit in Warth gehört hatte. In seiner Heimat Colorado war er wegen Schneemangels immer wieder zur Untätigkeit gezwungen – jetzt wollte er einmal eine Saison auf Nummer sicher gehen – und war von Warth ebenso begeistert wie seine Schülerinnen und Schüler von seinem Unterricht.
Dass Skilehrer aus dem Ausland – nicht nur aus Deutschland, Holland oder Belgien, sondern sogar aus den USA, England, Schottland, Griechenland, Chile oder Frankreich usw. – nach Warth kommen, ist aber auch eine echte Win-win-Situation, denn „für die Skischule ist es angenehm, wenn Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer von Landsleuten in ihrer Muttersprache angesprochen werden. Das schafft gleich eine ganz andere Atmosphäre.“
Gekommen und geblieben
Während Mike Holland wie geplant nach einer Saison seine Zelte in Warth abbrach, änderte der Grieche Dimitris Gatzanopolus seine Lebensplanung. 2013/14 war er nach Warth gekommen – für eine Saison, wie er damals meinte. Doch nächsten Winter war er wieder da – und zwei Jahre später sogar mit Freundin Sabrina Augér, die als ausgebildete Yoga-Lehrerin neben dem Skikurs auch Yoga am Berg anbietet. „Heuer muss sie allerdings pausieren, denn die beiden freuen sich über Nachwuchs und sind in Warth sesshaft geworden“, wie Mathias Fritz berichtet. „Dimitris hat inzwischen seine Ausbildung als Wanderführer erfolgreich abgeschlossen und ist mit Gästen auch im Sommer in unseren Bergen unterwegs.“
Einfach großartig
Abschließend erzählt der Skischulleiter noch von einer Begebenheit, die unterstreicht, wie sehr er sich auf sein Team verlassen kann: „Auch die Skischule war von Corona nicht verschont. Als mehrere Lehrkräfte in Quarantäne mussten, habe ich am Abend Max in Holland angerufen, ob er aushelfen könne. Er sagte zu und ich dachte, er würde in zwei, drei Tagen in Warth eintreffen. Ich war total überrascht, als er sich am nächsten Morgen zum Kursbeginn einsatzbereit meldete – sein Vater hatte ihn in einer Nachtfahrt nach Warth gebracht. Einer von vielen Gründen, weshalb ich auf mein internationales Team stolz bin.“ STP
